Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Gemeinde  >  Aktuelle Artikel

Abfuhr für Anna Chapman – „Agentin 00Sex“ als Lektorin an der Petersburger Uni

Von   /  6. Oktober 2011  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

rian.- Die als russische Spionin aus den USA abgeschobene Anna Chapman hat sich an der St. Petersburger Staatlichen Universität mit einem Gastvortrag zum Thema Leadership in der heutigen Welt versucht – doch die Studierenden wollten vom Geheimnis ihres Erfolges nichts wissen, schreiben die Boulevardzeitungen „Moskowski Komsomolez“ und „Komsomolskaja Prawda“ am Freitag.

Ein warmer Empfang war es nicht: „Chapman, verspionier dich!“, „Von Ihnen können wir gar nichts lernen“ oder „Hier geht’s weder zum Kreml noch ins Porno-Studio“ hatten Studierende der Petersburger Universität auf Plakate geschrieben, die sie zunächst vor dem Haupteingang, und – nachdem die Ex-Agentin durch einen Hintereingang in das Gebäude geschleust worden war – danach im recht leeren Auditorium hochhielten, kommentierte die gelbe Presse das Tête-à-Tête von Anna Chapman mit der Wissenschaft.

„Sie kennen mich doch gar nicht! Alles, was Sie von mir gehört habt, sind Angaben aus in Auftrag gegebenen Artikeln. Aber ich bin Ihnen trotzdem dankbar. Ich bin schon lang nicht mehr auf derartige Aggressionen gestoßen. Sie haben mich auf den Boden zurückgeholt“, zitiert die „Komsomolskaja Prawda“ die Reaktion der „Superspionin“ auf den Mini-Skandal.

Die Vorlesung selbst fand in stark gekürzter Form statt, hieß es. Chapmans Hauptthese: Der Motor des mächtigen Vatikan und der USA ist nicht die Wirtschaft, sondern die Ideologie. „Die Ideologie Amerikas ist die Demokratie. Solange wir dieser Ideologie nacheifern, können wir nicht die geistige Führerschaft auf der Welt übernehmen“,  zitiert die Regierungszeitung Rossiiskaja Gaseta Anna Chapman. Konkrete Beispiele für den Weg zur Weltmacht blieben aus, die Anwesenden unüberzeugt vom „russischen Fräuleinwunder“ in der Rolle der Lektorin.

Im Anschluss wurden Fragen gestellt: Ob Chapman wisse, wer das Buch „Junge Garde“ geschrieben habe – wo sie doch einer gleichnamigen (kremltreuen) Organisation angehöre? Diese Frage wies die prominente Gastlektorin noch als „provokant“ zurück. Bei der Frage einer anderen Studentin fehlten der ehemaligen russischen Agentin dann wirklich die Worte. Hatte sie die junge Frau, die behauptete, von einer TV-Karriere zu träumen, noch eben mit den Worten „Wirkliche Talente setzen sich schlussendlich immer durch. Hören Sie auf Ihr Herz, dann wird alles gut gehen“ aufgebaut, kam prompt der Nachsatz: „Also stimmt es nicht, was alle sagen, dass für Sie der Weg in die Berühmtheit durchs Schlafzimmer führte?“, verlautet es aus der russischen Yellow Press.

Interessanter als Chapmans Vortrag, zu dem sie sich, wie es in der Universität heißt, selbst angetragen haben soll, war vielleicht der Versuch der ansonsten alles andere als medienscheuen Dame, die Veranstaltung abzusagen, nachdem sie erfahren hatte, dass auch Journalisten eingeladen werden sollten, berichtet der „Moskowski Komsomolez“. Die Universität habe jedoch so großes Interesse an der Berühmtheit gezeigt, dass sie sich schlussendlich bereiterklärte, Chapman unter Ausschluss der Presse sprechen zu lassen. Und nicht zuletzt die kleine Protestkundgebung an der Uni verschaffte der russischen „Superagentin“ wieder einmal einen Platz in den Schlagzeilen.

Ihre bescheidenen Erfolge als Agentin stellten für die Karriere der von einem Männermagazin unter die 100 erotischsten Frauen der Welt gewählte Russin kein Hindernis dar, die schnell die Bekanntheit eines Popstars erlangte und unter anderem eine eigene Fernsehshow bekam.

Die „Rossiiskaja Gaseta“ hatte in einem Artikel vom 27. September eine Anstellung im Auslandsgeheimdienst als einen der Traumjobs vieler Studentinnen und Studenten einer der führenden russischen Universitäten bezeichnet, weswegen der Vortrag Chapmans bestimmt ein großes Publikum anlocken werde.

Bild: Wikimedia Commons

www.rian.ru

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Russischer Admiral beschimpft Philosophen Kant

mehr…