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Mariinski – Neu Holland und Gazprom-Arena: Alles Pleiten, Pech und Pannen?

Von   /  15. Oktober 2008  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Bei einer ganzen Reihe prestigeträchtiger Petersburger Neubauten kommt es zu massiven Verzögerungen, Baukosten-Erhöhungen oder Änderungen im Baukonzept. Allen voran schafft das Mariinski-II für neuen Gesprächsstoff – das hat bereits Tradition, nach dem Staudamm entwickelte sich dieser Neubau zum zähsten Bauprojekt der Stadt, das einfach nicht vom Fleck kommt.

Mariinski-II – seit fünf Jahren im Kriechgang

Mariinski-II (Foto: Handout)Das ebenso umstrittene wie viel beachtete Projekt des französischen Stararchitekten Dominique Perrault, das seit 2003 im Gang ist, besteht nach wie vor aus einer riesigen Baugrube neben dem Krjukow-Kanal. Sie konnte erst mit viel Verzögerung ausgehoben werden, nachdem 2005 das Gelände geräumt worden war.
Im Januar 2007 folgte der erste Skandal: Der Architekt selbst stieg aus der Bauleitung aus. Zwar geschah das Ganze offiziell ohne Streitigkeiten und auf eigenen Wunsch Perraults. Doch wurde vermutet, dass Perraults letztlich mit immer neuen Forderungen der Auftraggeber und Kämpfen mit den russischen Behörden aus dem Projekt herausgedrängt worden war.

Perraults Goldkuppel – bei konservativen Petersburgern ebenso unbeliebt wie bei Baufirmen

Mariinski-II (Foto: Handout)Doch trotz alledem, so versprach die russische Seite, würde man Perraults gewagtes Projekt umsetzen. Doch die riesige Goldkuppel, die nach Perraults Plänen durch zwei Tunnels mit dem alten Mariinski-Theater verbunden worden wären, war nicht nur bei grossen Teilen der Petersburger Bevölkerung unbeliebt. Auch bei den zuständigen Baufirmen stiess die koplizierte Konstruktion, die noch dazu auf sehr heiklem Untergrund gebaut werden soll, auf wenig Gegenliebe – man war ganz offensichtlich überfordert damit. Daran konnte auch die Vergabe der schwierigen Aufgaben an andere Baufirmen nichts ändern.

Alles von vorne?

Nach fünf Jahren Anlaufzeit und Ausgaben von fast der Hälfte der budgetierten 9,6 Milliarden Rubel (rund 270 Millionen Euro) haben die Auftraggeber nun radikale Änderungen im Bauprojekt angekündet, die faktisch die Annullierung von Perraults Plänen bedeuten, wie Fontanka.ru schreibt. Laut Waleri Gergiew, dem künstlerischen Leiter des Mariinski-Theaters, übernimmt das Theater die Verantwortung für sämtliche Änderungen. Fortsetzung folgt.

Auch in „Neu-Holland“ sorgt der Sumpfboden für Verzögerungen

Auch Norman Forsters radikale Neukonzeption der Kanalinsel „Neu-Holland“, deren Abschluss für 2010, zeitgleich mit dem Mariinski-II, geplant war, steht unter keinem günstigen Stern. Die mit dem Bau beauftragte russische ST-Group reichte kürzlich den Antrag für eine Fristverlängerung bis 2012 ein. Gleichzeitig wurden auch die Kosten für den Hotel-, Business- und Kulturkomplex neu berechnet – sie sind voraussichtlich mehr als doppelt so hoch, nämlich rund 800 Millionen Dollar. Der Grund ist derselbe wie beim Mariinski-Neubau – der sumpfige Untergrund ist zu tückisch. Bauliche Änderungen wurden zwar bisher nicht angekündigt, wären jedoch bei einer solchen Kostensteigerung durchaus naheliegend.

Zenit weiterhin ohne modernes Stadion

Zenit-stadion (Foto: Handout)Grosse Sorgen bereitet der Stadt auch das neue Zenit-Stadion des Japaners Kisho Kurokawa auf der Krestowski-Insel, dessen Kosten laut Fontanka.ru ebenfalls um das 3,5fache auf 23 Milliarden Rubel (rund 639 Millionen Euro) gestiegen sind. Damit platzt das gemeinsame Finanzierungskonzept der Stadt und dem Energie-Konzern Gazprom, und man sucht verzweifelt neue Investoren. Auch für dieses hochfliegende Bauvorhaben ist mittlerweile ein neuer Wettbewerb vorgesehen. Nicht nur finanziell steckt man damit in einer Sackgasse, sondern auch bezüglich Sport. Sollte sich die Erfolgsstory des hiesigen Fussballklubs Zenit fortsetzen – in welchem Stadion sollen in Zukunft Gastspiele stattfinden, die internationalen Normen entsprechen?

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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