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Russisch-orthodoxe Kirche will sich Vorrecht auf Immobilien in Kaliningrad sichern

Von   /  6. Dezember 2010  /  Keine Kommentare

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rian.- Laut Erzdiakon Andrej Kurajew, Professor an der Moskauer Geistlichen Akademie, müssen die ehemaligen Kirchengebäude in der westrussischen Exklave Kaliningrad (ehemals Königsberg) der Russisch-Orthodoxen Kirche noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Übergabe von Kirchenvermögen an religiöse Organisationen übereignet werden, damit etwaigen Ansprüchen der Gläubigen in Deutschland vorgebeugt werden kann.

„Laut Gesetz sollen die örtlichen Machtstrukturen die bestehenden Kirchengebäude an deren frühere Eigentümer zurückgeben, die die Immobilien bis ins Jahr 1917 besessen hatten. Das trifft jedoch nicht für die russischen religiösen Gemeinschaften im heutigen Kaliningrad zu, weil diese Region im Jahr 1917 nicht zum Russischen Reich gehört hatte. Daraus ergibt sich die Frage: Wer soll als rechtmäßiger Nachfolger des katholischen Erzbistums Preußen gelten? Denn die russische katholische Diözese besitzt vom rechtlichen Standpunkt aus in keinem größeren Maße ein Erbrecht darauf, als etwa das katholische Erzbistum von Venezuela“, so Kurajew.

Der Geistliche befürchtet auch, dass die ehemaligen Besitzer – und dabei nicht nur die religiösen Gemeinden – Anspruch auf Vermögen in der Region erheben könnten, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die UdSSR aufgenommen wurde.

„In einem solchen Fall würde es Russland aus rechtlicher Sicht und dazu auch im Angesicht der europäischen Gerichtshöfe sehr schwer fallen, eine Ausnahme für die (russischen) religiösen Gemeinschaften und die gleichzeitige Benachteiligung der übrigen Anspruchsteller zu rechtfertigen“, sagte der Erzdiakon.

Selbst wenn die Russisch-Orthodoxe Kirche einmal beschließen sollte, einige Gotteshäuser an die Katholiken oder die Protestanten überzugeben, würde dies als „eine Geste des guten Willens der Russisch-Orthodoxen Kirche“ betrachtet werden und „keine Verpflichtungen des russischen Staates zur Rückgabe des übrigen ehemaligen Vermögens an die Nachfolger der Vorkriegs-Besitzer nach sich ziehen“.

Die russische katholische Gemeinschaft hat am Dienstag mit der Sammlung von Unterschriften unter einen offenen Appell an Patriarch Kyrill von Moskau und ganz Russland begonnen, um die vom Gebietsparlament beschlossene Übergabe der Kirche zur Heiligen Familie an die Russisch-Orthodoxe Kirche zu verhindern. Auf Beschluss der  Kaliningrader Gebietsduma sollen insgesamt 14 Gebäude, die früher als katholische und lutherische Kirchen gedient hatten, dem Moskauer Patriarchat übereignet werden.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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