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Russland nimmt holländische Filmemacher wegen „Homo-Propaganda“ ins Visier

Von   /  23. Juli 2013  /  1 Kommentar

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rian.- Vier junge Leute aus den Niederlanden, die nahe der nordrussischen Stadt Murmansk an einem LGBT-Menschenrechtsseminar mitwirkten, sind festgenommen und verhört worden. Laut den örtlichen Medien und Bürgerrechtsorganisationen wird ihnen vorgeworfen, vor Minderjährigen „Homo-Propaganda“ betrieben zu haben.

Dieser Artikel enthält Informationen, die laut russischem Recht nicht für ein Publikum unter 18 Jahren geeignet sind.

Vier junge Leute aus den Niederlanden, die nahe der nordrussischen Stadt Murmansk an einem LGBT-Menschenrechtsseminar mitwirkten, sind festgenommen und verhört worden. Laut den örtlichen Medien und Bürgerrechtsorganisationen wird ihnen vorgeworfen, vor Minderjährigen „Homo-Propaganda“ betrieben zu haben.

Am Sonntagnachmittag tauchten Ermittler und Vertreter der Migrationsbehörden in dem Zeltlager auf, in dem zu dem Zeitpunkt Workshops für junge Menschenrechtsaktivisten stattfanden. Der Schwulenrechtler und holländische Stadtrat  Kris van der Veen und die drei jungen Frauen, mit denen gemeinsam er die Dokumentation „Being Yourself“ über die Rechte von Lesben und Schwulen in Russland drehen will, mussten zu einem rund acht Stunden langen Verhör auf die Polizeistation, teilte Tatjana Kulbakina von der Murmansker Monitoring-Organisation Ogon mit.

„Statt im Flieger sitzen wir immer noch in Murmansk“, schrieb Van der Veen am Montagnachmittag auf Facebook. „Es geht um die Doku, Homosexuellen-Propaganda. Es geht uns gut, aber es ist nicht klar, wie es weitergeht. Aktivisten und das Konsulat haben uns sehr unterstützt und geholfen.“

„Wir schreiben das Jahr 2013. In Russland wird es Homosexuellen – Männern oder Frauen – und Transgender-Personen unmöglich gemacht, sie selbst zu sein“, meint der junge Niederländer in einem Video-Clip zu der in Arbeit befindlichen Doku. In den Niederlanden könne man sich das Leben ohne Gay-Pride und öffentliche Zärtlichkeiten nicht vorstellen. „Jemanden vom gleichen Geschlecht in den Straßen von Murmansk küssen? 124 Euro Strafe. Menschen werden für etwas sehr Legitimes bestraft: dafür, dass sie sie selber sind“, so der Aktivist. Von Seiten der Polizei und der Ermittler gibt es kein offizielles Statement zu dem Vorfall.

Die Festnahmen sind eine der ersten Fälle, in denen das umstrittene russische Gesetz gegen „Propaganda nicht traditioneller sexueller Beziehungen gegenüber Minderjährigen “ zur Anwendung gekommen ist. Verstöße gegen das Verbot, das Präsident Wladimir Putin zu Beginn des Monats abgesegnet hatte, werden mit bis zu 100 000 Rubel Strafe (etwa 2500 Euro) geahndet.

Nachdem der Prozessbeginn mehrmals aufgeschoben worden war, wurde am Montag die Gerichtsverhandlung der vier Niederländer abgesagt. Die Menschenrechtlerin Kulbakina, die vor Gericht anwesend war, äußerte die Ansicht, dass es wohl zu keinem Prozess kommen werde.  Den LGBT-Filmemachern steht es ihr zufolge frei, das Land zu verlassen. Jedoch seien die bereits aufgenommenen Materialien für ihren Film beschlagnahmt worden und das Filmteam werde womöglich versuchen, sie zurückzubekommen.

„Ab mit dem Auto nach einem bizarren Tag vor Gericht. Ich glaube, es wird keinen Prozess geben“, twitterte Van der Veer am späten Montagabend. Am Dienstag meldete er sich bereits aus Sankt Petersburg, wo das Konsulat den vier LGBT-Aktivisten einen „warmen Empfang“ bereitet habe.

Der Grund für den Polizeieinsatz während des Seminars am Sonntag war zunächst unklar. Das russische LGBT-Netzwerk, eine der größten Organisationen zur Unterstützung der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen in Russland, gab jedoch zu verstehen, dass das holländische Team einen 17-Jährigen zur lesbisch-schwulen Thematik interviewt haben soll.

www.rian.ru

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Zwei Petersburger Homosexuellen-Organisationen mit hohen Bussen belegt

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. mm sagt:

    Das Ende der Welt ist nahe / sagt der Metropolit….

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