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„Russische Spione“ in Lettland und Polen vor Gericht

Von   /  2. April 2017  /  Keine Kommentare

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spn.- Die Staatsanwaltschaft eines Bezirksgerichts der lettischen Hauptstadt Riga hat den Streckenwärter Alexander Krasnoperow wegen „Spionage zugunsten Russlands“ angeklagt. Dies teilt die offizielle Webseite der lettischen Generalstaatsanwaltschaft mit.  Dem Eisenbahn-Mitarbeiter wird vorgeworfen, vom 25. Oktober 2015 bis zum 23. September 2016 „regelmäßig, systematisch und zielgerichtet im Auftrag Russlands“ vertrauliche Informationen militärischen Charakters und Geschäftsgeheimnisse gesammelt zu haben. Danach soll Krasnoperow die erbeuteten Daten an eine Kontaktperson in Russland weitergeleitet haben.

Nach Darstellung der Ermittler kam der Streckenwärter „auf illegale Weise“ an Informationen über Bewegungen von Nato-Militärtechnik in Lettland, indem er Aufnahmen der Videoüberwachung und Videoarchiven kopierte. Der Angeklagte soll diese Daten auch im Netz verbreitet haben.  Die lettische Sicherheitspolizei hatte Krasnoperow Ende 2016 festgenommen. Nach Angaben der lettischen Nachrichtenagentur Leta ist Krasnoperow Mitglied der lettischen oppositionellen Partei Saskaņa und ein Veteran des afghanischen Krieges.

Aus Sicht des in Lettland bekannten Aktivisten Wladimir Lindermann kann von Spionage jedoch keine Rede sein. Vielmehr gehe es um den leidenschaftlichen Wunsch der Sicherheitspolizei, unter den Anwohnern mindestens einen russischen Spion zu fangen.  Die Bewegungen von Nato-Militärtechnik auf dem lettischen Territorium sind außerdem kein Staatsgeheimnis: Denn jede Ankunft von Nato-Truppen oder Kriegstechnik der Allianz wird aktiv in den Medien beleuchtet.

Russisch-polnischer Doppelbürger in Warschau verurteilt

Ein Gericht in Warschau hat einen russischen Staatsbürger zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Rechtsanwalt Stanislaw S. war 2014 verhaftet worden. Die polnischen Behörden warfen ihm vor, im Sold des russischen militärischen Nachrichtendienstes GRU gestanden zu haben. Der Verurteilte besitzt neben dem russischen auch einen polnischen Pass. Seine Eltern behaupten, dass sich die Anklage allein auf Aussagen eines nicht näher bezeichneten Geheimagenten des polnischen Inlandsgeheimdienstes ABW gestützt habe.

Nach ihren Angaben konnte keiner der Anklagepunkte während des Prozesses bewiesen werden.  Der Prozess gegen Stanislaw S. fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Ankläger hatte zuerst zehn Jahre Freiheitsentzug gefordert, milderte dann seine Forderung auf sechs Jahre. Die Verteidigung hingegen bestand auf Freispruch. Vor seiner Verhaftung hatte der studierte Jurist Stanislaw S. in polnischen Medien mehrere Artikel über die russische Wirtschaft veröffentlicht und sogar in Sitzungen des polnischen Parlaments (Sejm) als Experte referiert.

www.sputniknews.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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