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Skandal um Fibel für Ausländer in St. Petersburg

Von   /  19. Oktober 2012  /  Keine Kommentare

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rian.- Statt einem Kopf ein Besen – so stellt eine in Sankt Petersburg erschienene Informationsbroschüre Arbeitsmigranten aus den ehemaligen GUS-Ländern dar. Das Handbuch, das seine eigene Zielgruppe als wandelnde Werkzeuge abbildet, schaffte es sofort in die Twitter-Trends.  Malerwalze, Besen, Spatel und Pinsel heißen die Hauptfiguren in einem Wegweiser für Menschen aus Zentralasien, die nach Russland gekommen sind, um zu arbeiten. Die Comic-Helden mit Körpern aus Holz und Metall erhalten von Einheimischen mit menschlichem Antlitz wichtige Hinweise über Einreiseregeln und Arbeitsrecht, die Vorbeugung einer HIV-Infektion und Verhaltensnormen in Petersburg.

Die russische Blogosphäre ließ kein gutes Haar an der unglücklichen Illustration für das Informationsmaterial. Da die Broschüre auf der Website des von der Sankt Petersburger Stadtregierung unterstützten Programmes „Tolerantnost“ veröffentlicht wurde, war bei vielen Bloggern der Eindruck entstanden, dass es sich um ein Projekt der Behörden handle.  Die Petersburger Stadtbehörden haben sich mittlerweile jedoch von dem umstrittenen Handbuch distanziert: Das Komitee für Außenkontakte der Stadt Sankt Petersburg sei weder Autor der Broschüre noch Auftraggeber, heißt es in einer Mitteilung. Verantwortlich sei die regionale gemeinnützige Organisation Wsgljad w Buduschtschee (dt.: „Blick in die Zukunft“), die die Publikation im Rahmen des Projekts „Wostok-Sapad“ („Ost-West“) herausgegeben habe, das auf die soziale Adaptation und die Vorbeugung von HIV/Aids unter den Arbeitsmigranten aus zentralasiatischen Ländern abzielt.

Das „Ost-West“-Projekt sei bereits am 1. September abgeschlossen worden, heißt es vonseiten den Autoren des Handbuchs. Mit den personifizierten Werkzeugen habe man nicht konkret die Migranten gemeint, sondern ganz allgemein Helfer, die die Leser durch die Broschüre führen sollen. „Weder die Migranten noch sonst irgendjemand hat uns je Fragen zu den Illustrationen gestellt“, betont der Chef der Petersburger Organisation, Gleb Panfilow gegenüber dem Internetportal Gaseta.ru. Zur Erstellung des Informationsmaterials sei sogar eine Fokusgruppenbefragung unter Arbeitsmigranten durchgeführt worden.

„Die Bilder haben keinerlei negative Emotionen hervorgerufen“, so Panfilow.  2011 hatte die Petersburger Stadtregierung bereits ein „Kultur-ABC “ herausgegeben. Unter dem Motto „Petersburg für Anfänger“ sollten Binnenmigranten ebenso wie ausländischen Arbeitskräften und Touristen Sprache und Kultur der „eingesessenen“ Petersburger nähergebracht werden.   In der aktuellen Info-Fibel, die auch in kirgisischer, usbekischer und tadschikischer Sprache erhältlich ist, wird unter anderem vor dem „ständigen Tragen der Nationaltracht“, aber auch vor Sportanzügen oder dem „Tragen von Bademänteln auf der Straße“ abgeraten.

www.rian.ru

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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