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Russland untersucht erstmals HIV-Verbreitung unter Schwulen

Von   /  5. August 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- In Russland soll erstmals die HIV-Verbreitung unter Schwulen und Prostituierten untersucht werden, schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Freitag. Die Aufsichtsbehörde Rospotrebnadsor will im nächsten Jahr mit den landesweiten Untersuchungen beginnen. Laut dem Chef des Föderalen Zentrums zur Aids-Prävention und -Bekämpfung, Wadim Pokrowski, gab es bislang nur wenige Versuche, MSM (der Begriff meint alle Männer, die mit Männern Sex haben, z.B. auch Bisexuelle, Red.) und Prostituierte auf das HI-Virus zu testen. Bislang hatten sich nur Non-Profit-Organisationen darum gekümmert.

Die Verbreitung des HI-Virus unter Männern, die homosexuellen Verkehr haben, zu untersuchen, werde sich schwierig gestalten, weil die Risikogruppe schwer zugeordnet werden kann. Dasselbe treffe auf Prostituierte zu. Laut Pokrowski kostet die Studie mehrere Millionen Rubel. Die Tests sollen landesweit von der Aufsichtsbehörde Rospotrebnadsor durchgeführt werden.

Nach offiziellen Angaben sind derzeit rund 600.000 Menschen in Russland mit dem HI-Virus infiziert. Die Gesamtzahl der tatsächlich HIV-Infizierten (inklusive der nicht behördlich gemeldeten) beträgt laut Expertenschätzungen etwa 1,2-1,3 Millionen. Damit hat Russland die USA überholt, obwohl dort doppelt so viele Menschen wie in Russland leben. Jeder 20. Mann in Russland im Alter von etwa 30 Jahren ist mit dem HI-Virus infiziert.

Die Lage sei sehr ernst, setzt Pokrowski fort. In die Aids-Prävention fließe zunehmend weniger Geld. Er forderte ein Sondergremium für die Bekämpfung der Infektionskrankheit. Zurzeit kümmere sich das Gesundheitsministerium um die Präventionsmaßnahmen und Rospotrebnadsor um die Kontrolle der HIV-Verbreitung.

In einigen Regionen sind mittlerweile Aids-Hilfe-Zentren entstanden. Im St. Petersburger Zentrum zur Aids-Bekämpfung wird gerade die erste Studie zur HIV-Verbreitung unter Schwulen durchgeführt. In Schwulenbars wird nach Teilnehmern der Studie gesucht. 500 Homosexuelle sollen dabei getestet und 150 befragt werden. Sie müssen älter als 18 Jahre sein, seit mehr als sechs Monate in St. Petersburg leben und in den vergangenen zwölf Monaten gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben.

Der Vorsitzende des russischen LGBT-Netzwerks, Igor Kotschetkow, befürchtet jedoch, dass in Russland solche Studien uneffizient sein könnten. „Menschen, die den Ärzten ihre sexuelle Ausrichtung und ihre Krankheit offenlegen, müssen davon überzeugt sein, dass es keine drastischen Folgen nach sich ziehen wird“, so Kotschetkow.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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