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Russland: Helfer oder Bettler? – „Nowyje Iswestija“

Von   /  5. April 2011  /  Keine Kommentare

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rian.- Russland leistet vielen Ländern humanitäre Hilfe, kann sich aber nicht um seine eigenen Bürgern kümmern, schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“.  Nach Angaben der Zollbehörde hat Russland im vorigen Jahr andere Länder mit humanitären Hilfsgütern im Wert von 72 Millionen Dollar unterstützt. Dabei hat es aber selbst humanitäre Hilfe für 113 Millionen Dollar erhalten. Experten sind sich einig, dass ein Land, das den Status einer Supermacht beansprucht, eine solche Situation unmöglich zulassen dürfte.

Im Grunde gibt es keinen großen Unterschied zwischen der  humanitären Hilfe für russische Bürger in den 1990er und den frühen 2010er Jahren. Derzeit erhält Russland aus dem Ausland vor allem medizinische Ausrüstung, Lebensmittel und Kleidung für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Die absolut meisten Hilfsgüter (93 Prozent) haben Moskau und St. Petersburg sowie die Gebiete Tomsk, Jaroslawl, Wladimir und Murmansk, die Teilrepubliken Karelien und Dagestan sowie die Region Perm erhalten.

Andrej Lusin von der Universität „Immanuel Kant“ (Kaliningrad) führt an, dass die EU für die Lösung von mit den Konflikten im Kaukasus verbundenen Problemen seit 1999 nahezu 200 Millionen Euro bereitgestellt hatte. Diese Mittel seien für Lebensmittel, Medikamente und die Unterstützung der Zwangsumsiedler ausgegeben worden. „Wegen der sozialwirtschaftlichen Veränderungen in der Welt stellt sich Europa auf andere Regionen um. Die Hilfe für Russland wird gekürzt“, warnte der Experte. In diesem Jahr stellen die Europäer Russland für die Unterstützung Tschetscheniens, Dagestans und Inguschetiens nur zwei Millionen Euro zur Verfügung. Im Vergleich zu 2009 sei die humanitäre Hilfe aus dem Ausland bereits um ein Drittel reduziert worden, betonte Lusin.

Das ist durchaus logisch, wenn man bedenkt, dass sich Russland international als Großmacht gibt, während die Behörden von Jahr zu Jahr über das Wachstum des Wohlstands der russischen Bürger berichten. Natürlich erhält Russland nicht nur die humanitäre Hilfe, sondern ist auch selbst Helfer, aber der Umfang dieser Aktivitäten ist nicht allzu groß. So haben die USA zwischen 1992 und 2009 Projekte in Russland mit 2,6 Milliarden Dollar finanziert. Derzeit werden mehr als 70 russisch-amerikanische medizinische und soziale Projekte umgesetzt.

Eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der sozial schwachen Russen spielen nach wie vor religiöse Organisationen aus Amerika. Dabei wird ihnen ständig Spionage bzw. Sektenmissionierung vorgeworfen. Erst vor kurzem wurde die US-Organisation „Rettungsarmee“ wieder zugelassen, die viele Jahre lang ihre Unschuld vor Geicht nachweisen musste.

Pawel Tokartschuk vom Verband „Geistige Wiedergeburt“, der im Grunde eine Filiale der US-Wohltätigkeitsorganisation „Peter Deyneka Russian Ministries“ ist, behauptet, dass Russland nach wie vor die ausländische Hilfe braucht, denn „alle Bemühungen des Staates bei der Lösung Problemen wie Drogen- und Alkoholsucht, Aids und Obdachlosigkeit waren erfolglos.“

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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