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Junge Russen: Kein Interesse für die eigene Geschichte

Von   /  30. Mai 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- Junge Russen kennen die Geschichte ihres Landes immer weniger, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag. Davon zeugt die jüngste Studie des soziologischen Forschungsinstituts Lewada-Zentrum. Befragt wurden unter anderem Menschen, die in der Präsidentschaft von Boris Jelzin und sogar von Wladimir Putin zur Schule gegangen waren. Gefragt wurden sie über ihre Meinung zu den einstigen sowjetischen Spitzenpolitikern wie Wladimir Lenin, Josef Stalin, Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew sowie zu dem Zaren Nikolaus II.

Über Breschnew konnte gut ein Viertel der Befragten nichts sagen, über Chruschtschow und Lenin jeweils 30 Prozent, über Nikolaus II. 36 Prozent. Die Menschen im Alter von unter 40 äußerten sich aber besonders positiv über den Monarchen. Bekannt ist über ihn, dass er als „Märtyrer“ und „Opfer des bolschewistischen Terrors“ gestorben ist. Nicht zu übersehen ist allerdings auch, dass mehr als 40 Prozent der jungen Russen eine positive Einstellung zu den für den Terror verantwortlichen Lenin und Stalin haben.

Lenin ist vor allem für ältere Menschen eine positive Person. Aber auch junge Umfrageteilnehmer äußerten sich über ihn eher gut als schlecht. Eine weitere Person, die die Verbindung der Generationen und deren Angehörigkeit zu ein und derselben politischen Kultur verkörpert, ist Breschnew. Bei älteren Befragten hat er neben Lenin ein positives Image. Für die Menschen im Alter von 25 bis 40 Jahren sind Breschnew und Nikolaus II. die positivsten Personen der russischen bzw. sowjetischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Platz drei gehört in dieser Kategorie dem UdSSR-Gründer Lenin.

Platz vier bei den jungen Russen gehört Stalin. Er ruft auch die meisten Kontroversen hervor: 20 Prozent der Befragten wollten nichts über ihn sagen. Unter den restlichen 80 Prozent hielten sich die positiven und negativen Bewertungen die Waage. Dafür zeigten sich ziemlich viele bejahrte Umfrageteilnehmer als richtige Stalin-Fans.

Chruschtschow, der auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Jahr 1956 den „Personenkult“ Stalins anprangerte, wird ebenfalls sehr widersprüchlich eingeschätzt. Über ihn wird sowohl gut als auch viel Schlechtes gesprochen.

Über die jungen Umfrageteilnehmer ist bekannt, dass sie die jetzige Macht befürworten (73 Prozent unterstützen Putin), aber sehr selten an Wahlen teilnehmen. 39 Prozent von ihnen gaben zu, bei der Präsidentschaftswahl 2012 für Putin gestimmt zu haben. 32 Prozent von ihnen haben den Urnengang verweigert. Für die ersten ist Breschnew das Idol, für die zweiten Nikolaus II.

Es ist eigentlich schade, dass die jungen Russen auf den beiden ersten Positionen Personen sehen, die den Untergang des Russischen Reiches beziehungsweise die langjährige UdSSR-Stagnation verkörpern.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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