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Junge Russen: Explodierender Hass gegen Kaukasier und Beamte

Von   /  21. April 2011  /  Keine Kommentare

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rian.- Junge Russen hegen gegen Beamte einen tieferen Hass als gegen Kaukasier und sympathisieren mehr mit nationalistischen als mit den Kreml-Organisationen, schreibt die Zeitung „Kommersant“. Das ergab die Studie „Ethnische Intoleranz unter jungen Städtern“, die von der Agentur Politech mit Unterstützung des Instituts für Ethnologie und Anthropologie durchgeführt wurde.

Die Studie wurde im Auftrag der russischen Gesellschaftskammer nach den nationalistischen Krawallen auf dem Moskauer Manege-Platz vom Dezember vorgenommen. An der Telefonumfrage nahmen 1600 Menschen im Alter von 15 bis 30 Jahren in Moskau, St. Petersburg, Rostow am Don, Nischni Nowgorod, Nowosibirsk und Tscheljabinsk teil. 76 Prozent der Befragten haben Mitgefühl mit den Randalierern. Verurteilt werden sie von nur 20 Prozent.

Am 11. Dezember war es unweit des Kremls zu schweren Krawallen mit Dutzenden Verletzten gekommen. Bei einem Gedenkzug für einen getöteten Fußballfan kam es zu einer schweren Straßenschlacht mit Polizisten und Migranten.

78 Prozent der Befragten bezeichneten die Krawalle nicht als eine nationalistische, sondern als eine Protestaktion gegen Korruption und ethnische Kriminalität (58 Prozent). Laut 69 Prozent der Jugendlichen sind die Gründe des Konflikts auf die Korruption, vor allem in den Rechtsschutzorganen, zurückzuführen. 70 Prozent von ihnen sehen es als typisch an, dass Polizisten Kriminelle gegen Geld oder auf Anweisung von oben freilassen.

Die „ethnische Kriminalität“ spielt ebenfalls eine große Rolle. 66 Prozent sind davon überzeugt, dass die Zuwanderer (vor allem Kaukasier) „besser leben“, weil sie Beamte bestechen. Die Jugendlichen verhalten sich relativ loyal gegenüber Migranten insgesamt, doch negativ gegenüber Kaukasier (39 Prozent). Mehr als die Kaukasier hasst die Jugend nur die Beamten (51 Prozent). 27 Prozent schätzen die Polizei negativ ein.

69 Prozent der Befragten mögen die Kaukasier wegen ihres „frechen Benehmens“ und des fehlenden Wunsches, „nach unseren Regeln zu leben“, nicht. 26 Prozent haben sich sogar dafür ausgesprochen, den Nordkaukasus von Russland abzutrennen.

Nur 17 Prozent bewerten die Kreml-Jugendorganisation Naschi positiv. Die Jugendlichen unterstützten vor allem die Bewegung gegen illegale Immigration (32 Prozent). Molodaja gwardija (Nachwuchsorganisation der Partei Geeintes Russland) wird von 19 Prozent, die Bewegung Russische Nationale Einheit von 16 Prozent und Skinheads von fünf Prozent unterstützt.

Alla Gerber, Mitglied der russischen Gesellschaftskammer und Präsidentin der Stiftung „Holocaust“, bezeichnete die Umfrageergebnisse als alarmierend. „Nicht alle, die auf dem Manege-Platz waren, sind hartgesottene Nationalisten, obwohl die Parolen diesen Eindruck vermittelten. Die starke Unterstützung dieser Aktion zeigt, dass die Jugendlichen nicht gegen neonazistische Ideologien immun sind“, sagte Gerber. Die Randalierer seien die Opfer des korrumpierten Staates, in dem sie sich ungeschützt fühlen, betonte Gerber.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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