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Immer mehr Ortschaften verschwinden von der Landkarte Russlands

Von   /  26. Juli 2011  /  1 Kommentar

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rian.- Wegen der Entvölkerung ländlicher Gebiete sind nach Angaben des russischen Ministers für regionale Entwicklung, Viktor Bassargin, im vorigen Jahr mehr als 3000 russische Ortschaften verschwunden. Wie die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Montag dazu schreibt, sehen unabhängige Experten darin vor allem eine Tendenz zum Aussterben des Dorfes.

Laut den Ergebnissen der Volkszählung 2010 hat sich die Zahl der ländlichen Orte ab dem Jahr 2002 von 155 300 auf 153 100 verringert. Dabei ist die Anzahl der unbesiedelten Dörfer von 13 100 im Jahr 2002 auf 19 400 im Jahr 2010 gestiegen. Die meisten solchen „Phantomdörfer“ gibt es in den mittelrussischen Gebieten Kostroma, Twer und Jaroslawl, den nordrussischen Gebieten Wologda, Pskow, Kirow sowie in dem im Fernen Osten gelegenen Gebiet Magadan.

Aber auch bei kleineren Städten und städtischen Siedlungen ist eine fallende Tendenz zu beobachten. Ihre Zahl ist ab dem Jahr 2002 um 554 auf 2386 zurückgegangen. Laut statistischen Angaben wurden die meisten solchen Ortschaften einfach in ländliche Orte umgewandelt. 141 städtische Siedlungen wurden aufgrund ihrer Vereinigung mit weiteren Ortschaften oder aber durch ihre Auflösung aus der Erfassungsliste gestrichen. Es wurden insgesamt 14 städtische Siedlungen, sechs davon in der Republik Sacha (Jakutien) und acht im autonomen Bezirk der Tschuktschen (äußerer Nordosten Russlands) aufgelöst.

Wie Minister Bassargin jedoch behauptete, hat das Land in nur einem Jahr 3000 Ortschaften verloren. Unabhängige Experten bestätigen das. Der Soziologe Leonid Sedow spricht von einer „demographischen Katastrophe in Russland“. „Die Hauptfaktoren sind dabei eine niedrige Geburtenrate, die Arbeitslosigkeit und extrem niedrige Einkommen. Die Dorfbewohner leben nicht, sondern versuchen zu überleben.

Jugendliche verlassen Kleinstädte und Dörfer und ziehen dorthin, wo sie bessere Möglichkeiten für sich finden können. Daher rühren Anpassungsprobleme und Alkoholmissbrauch. Die Bevölkerung wird alkoholabhängig und verkommt allmählich. Diese Tendenz hat sich in den letzten Jahren nur verstärkt“, sagte der Experte zu der Zeitung.

Ihm zufolge besteht die Gefahr einer Entvölkerung für einen Teil Russlands. Er sehe keine tröstenden Faktoren, die diese Tendenz rückgängig machen könnten, sagte der Experte. Es handele sich um eine innere Arbeitsmigration. Die Abwanderung aus den nördlichen Regionen Ostsibiriens und des Fernen Ostens sei am stärksten. So hat der Föderalbezirk Ferner Osten in den letzten acht Jahren rund 400 000 Bürger, mehr als sechs Prozent seiner Bevölkerung, verloren. Die Einwohnerzahlen des Wolga-Föderalbezirkes und des Föderalbezirkes Sibirien sind ab dem Jahr 2002 jeweils um vier Prozent zurückgegangen.

Die Bevölkerung des Föderalbezirkes Ural hat sich um 2,4 Prozent, die des Gebietes Magadan um 14 Prozent, des Gebietes Pskow und der Republik Komi jeweils um 11,5 Prozent sowie der Gebiete Murmansk, Kirow und Kurgan jeweils um elf Prozent verringert.

Nach Angaben des Direktors des Institutes für Sozialpolitik und sozialökonomische Programme, Sergej Smirnow, hatten im vorigen Jahr nur 17 der 83 Regionen einen positiven Saldo bei der inneren Arbeitsmigration. „Es handelt sich um Moskau, das Moskauer Umland, Sankt Petersburg, das Gebiet Samara, (die Republik) Tatarstan, das Gebiet Belgorod und einige weitere Regionen. Dabei verliert der Ferne Osten Bevölkerung und der Migrantenzustrom kann die Abwanderung nur zu 50 Prozent ausgleichen“, so der Experte.

Ihm zufolge kann der Trend zur Bevölkerungsabwanderung aus den weniger attraktiven ländlichen Gebieten in nächster Zeit nicht gebrochen werden. Es seien Stimuli für die regionale Entwicklung erforderlich, sagte der Soziologe.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Russland wird Deutschland ähnlich.

    Lebensqualität misst sich nicht mit dem Metermass. In Deutschland verzichten die Bürger auf das Produzieren von Nachwuchs obwohl die Politik sich doch saumässig anstrengt hier ein paar Eurochen und dort ein Gesetzchen hier ein Reförmchen, das ne quasi Steuererleichterung für die Familien einzuführen. Nur der Bürger erkennt gleich, das effektiv die Deutsche Zivilisation wie sie denn mal war nicht ist und die Tendenz nach Süden geht (fallend :)).

    Wer will es den Menschen im vergessenen Hinterland von Russland zum Vorwurf machen, dass sie vor der Kulturellen und faktischen Verwilderung, der fortschreitenden Verarmung, entziviliserung in die Anonymität der Grossstadt entweichen, wo noch Hoffnung besteht, sich Glück und Wohlstand zu erarbeiten.

    An beiden Orten ist die Politik verantwortlich. Das Politische Personal arbeitet hier wie dort nicht für die Menschen sondern sichert sich die Macht. In Russland sind wir das schon lange überdrüssig, in Deutschland demontiert sich die Politische Klasse mit atemberaubender Geschwindigkeit selbst. Die Systeme gleichen sich optisch an – leider auf dem niedriegeren Niveau.

    Prost Mahlzeit!

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