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Experten warnen vor Nationalitätenkonflikten in Russland

Von   /  19. September 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- In Russland nehmen die nationalistischen Stimmungen zu, schreibt die Zeitung „Kommersant“.  Das ergab eine Studie der Agentur für soziale Technologien Polytech im Auftrag der russischen Gesellschaftskammer.  Bei einer landesweiten Umfrage zwischen Mai und Juli wurde herausgefunden, dass 37 Prozent der ethnischen Russen sich benachteiligt fühlen.

In den Ballungszentren wie Moskau und St. Petersburg liegt diese Zahl bei 46 Prozent, im Nordkaukasus bei 42 Prozent, in den Teilrepubliken Sibiriens und des Wolgalandes bei jeweils 30 Prozent.  Den Soziologen zufolge sind die ethnischen Beziehungen in Russland konfessionell geprägt, wobei die Russen sich von den Gemeinschaften der Einwanderer ausgegrenzt fühlen.

Die Idee eines gesetzlichen Sonderstatus für ethnische Russen befürworten allerdings nur 29 Prozent, darunter 33 Prozent der Russen in den Ballungszentren, 25 Prozent in Sibirien, 22 Prozent im Nordkaukasus und 17 Prozent im Wolgaland. Dagegen äußerten sich 82 bis 87 Prozent der Angehörige anderer Nationalitäten in verschiedenen Föderationssubjekten. 51 Prozent der Befragten, von denen 54 Prozent ethnische Russen sind, hätten nichts dagegen, wenn es im russischen Pass wieder den Vermerk „Nationalität“ geben würde.

Experten bezeichnen diesen Trend als „Reaktion auf die Zurschaustellung der nationalen Identität durch andere Völkerschaften“. 47 Prozent würden gerne regionale Oberhäupter wählen, die ihre Nationalität repräsentieren. In Moskau und St. Petersburg sind die nationalistischen Stimmungen ausgeprägter: Dort wurde diese Idee von 55 Prozent befürwortet. In den Teilrepubliken schwankt diese Zahl zwischen 26 (Burjatien) bis 39 Prozent (Tschetschenien).

Bei Parlamentswahlen würden sechs Prozent der Befragten für eine nationalistisch gesinnte Partei stimmen (28 Prozent gaben auf diese Frage keine Antwort, was Experten zufolge mindestens zehn bis zwölf Prozent Zustimmung bedeutet). Für eine Partei, die die Interessen anderer Nationalitäten vertritt, würden 44 Prozent stimmen, darunter 46 Prozent der ethnischen Russen, 42 Prozent der Einwohner nationaler Teilrepubliken in Sibirien, 39 Prozent im Nordkaukasus und 35 Prozent im Wolgaland. Eine orthodoxe Partei würden 53 Prozent der Russen und nahezu 45 Prozent der orthodoxen Einwohner der Teilrepubliken in Sibirien und Wolgaland unterstützen.

Eine islamische Partei dürfte mit 44 bis 49 Prozent der Stimmen in den Teilrepubliken mit muslimischem Glauben rechnen. In Tschetschenien und Inguschetien erreichte diese Zahl 68 Prozent. Nicht vergessen werden darf allerdings, dass religiös gesinnte Parteien in Russland verboten sind.  Das Mitglied der Gesellschaftskammer Alla Gerber stellte anhand der Studie fest, dass Russland vor einer nationalen Krise steht.

„Das Land ist de facto in zwei Teile gespalten: in die Russische Föderation und den Nordkaukasus, der nach eigenen Gesetzen lebt“, betonte sie.  Der Leiter des Instituts für nationale Strategie, Michail Remisow, verwies auf eine „Politisierung des Islams“: „Die Menschen äußern ihren sozialen Protest und soziale und ethnische Fragen. Wenn gewisse Kräfte den Islam für ihre politischen Zwecke nutzen, dann könnten sie großen Erfolg haben.“ In diesem Zusammenhang erwähnte der Experte die Islamisierung von Teilrepubliken wie Tatarstan und Baschkirien.

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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