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Petersburger Dialog in München – Thomas Kunze: „Visa-Schranken sind ein Relikt aus alter Zeit“

Von   /  13. Juli 2009  /  Keine Kommentare

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rian.- Interview mit Dr. Thomas Kunze, Koordinator der Arbeitsgruppe „Politik“ beim „Petersburger Dialog“ und Leiter der Abteilung Europa/Nordamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung zu dem bevorstehenden Forum in München.

„In den deutsch-russischen Beziehungen ist seit Ende der 1980er Jahre ein neues Zeitalter angebrochen. Während sich die Völker noch vor 50 Jahren mit Skepsis und Misstrauen begegneten, erleben wir heute, wie unter ihnen alte Denkmuster, belastete Erinnerungen und Ängste zurücktreten und neuen Erfahrungen, offener Neugier, aber auch neuen Möglichkeiten Platz machen. Der Petersburger Dialog hat erreicht, dass Vorurteile in der Wahrnehmung des jeweils anderen Landes verschwinden“, sagte der Experte.

Laut Kunze wächst das Interesse an Russland in Deutschland deutlich. „Ich kenne viele junge Leute, die sich für das Land interessieren, die gern nach Russland reisen, und es gibt eine große Zahl von Initiativen – sei es auf kultureller, städtepartnerschaftlicher oder politischer Ebene, die die Verbundenheit unserer Länder und Völker zeigen.“

Das 9. Forum zum Thema „Wege aus der Krise aus Sicht der Zivilgesellschaften Deutschlands und Russlands“, an dem die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitri Medwedew teilnehmen werden, findet vom 14. bis 16. Juli in München statt.

Die Diskussionen werden in acht Sektionen geführt: das sind die Gruppe „Politik“, deren Kovorsitzender Dr. Thomas Kunze ist, sowie die Gruppen „Wirtschaft“, „Zivilgesellschaft“, „Bildungswesen“, „Kultur“, Massenmedien“, „Werkstatt der Zukunft“ und „Kirche in Europa“.

„Die Wirtschaftskrise wird uns dahingehend beschäftigen, dass wir darüber nachdenken, wie die bewährte Partnerschaft im Energiebereich und im Außenhandel zu einer wirklichen Modernisierungs-Partnerschaft zwischen beiden Ländern ausgebaut werden kann“, sagte Dr. Kunze.

Er verwies auf das Hauptthema der Arbeitsgruppe „Politik“, das in diesem Jahr „Das Europäische Haus vom Atlantik bis Wladiwostok. Traum (1990) und Wirklichkeit (2009)“ lautet. „Eine euro-atlantische Sicherheitsstruktur, die Russland mit einbezieht und damit auch das transatlantische Verhältnis neu definiert und fundiert, kann für das 21. Jahrhundert nicht ausgeschlossen werden“, so Dr. Kunze

„Helmut Kohl sprach sich 1989 – während des historischen Besuchs von Michail Gorbatschow in Bonn – dafür aus, das europäische Haus gemeinsam mit Russland zu errichten… Europa braucht Russland nicht nur als strategischen Partner in Fragen der Sicherheitspolitik oder als Rohstofflieferanten. Russland und Europa verbindet viel mehr: Uns verbindet ein christliches, kulturelles und historisches Erbe!“, sagte Dr. Kunze.

Auf die Frage, was der „Petersburger Dialog“ nicht geschafft habe, nannte Dr. Kunze das Problem der Visaerleichterung zwischen Deutschland und Russland.

„Obwohl wir immer wieder darauf hingewiesen haben, ist es bisher nicht gelungen, ausreichenden Druck aufzubauen, damit die Visa-Schranken zwischen Russland und der Europäischen Union gelockert werden. Sie sind ein Relikt aus alter Zeit.“

Laut Thomas Kunze kann schon jetzt, vor dem Beginn des Forums, über neue Projekte geredet werden. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das gemeinsame Projekt des Zentrums für sozialkonservative Politik der Partei „Einheitliches Russland“ und der Konrad-Adenauer-Stiftung für das „Zukunftsforum Schloss Wackerbarth“, das sich mit den deutsch-russischen Energiebeziehungen befasst. Er möchte das „Zukunftsforum Schloss Wackerbarth“ gern zu einer festen Größe im Jahreskalender des „Petersburger Dialoges“ machen, sagte Kunze.

Das Forum „Petersburger Dialog“ war auf Anregung von Wladimir Putin und Gerhard Schröder ins Leben gerufen worden. Das erste Treffen fand im Jahre 2001 in Sankt Petersburg statt.

Das Hauptanliegen des Forums besteht darin, die gegenseitige Verständigung zwischen Russland und Deutschland zu vertiefen, die bilaterale Zusammenarbeit in allen Bereichen weiter zu entwickeln, die Vorurteile gegeneinander zu überwinden und die Verbindungen zwischen beiden Ländern zusätzlich zu fördern.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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