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„Kriegsbeute“ kehrt zurück: Im Zweiten Weltkrieg verschleppte Bände gehen nach Pawlowsk

Von   /  21. November 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- 125 Bände aus der Bibliothek der russischen Zarenfamilie in Pawlowsk, die während des Zweiten Weltkrieges von den deutschen Okkupanten verschleppt wurden, kehren wieder nach Russland zurück. Die wertvollen Bücher befanden sich bis zuletzt im Besitz der Familie von der Schulenburg.

Die Eigentürmer der wertvollen Bände konnten dank dem von Prof. Wolfgang Eichwede geleiteten Forschungsprojekt „Russische Museen im Zweiten Weltkrieg“  und Ermittlungen gefunden werden, die Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ geführt hatten. Bis dahin wurden die Bücher – es handelt sich unter anderem um Werke deutscher Klassiker und Memoiren französischer Staatsmänner – im Schloss Falkenberg, Bayern, aufbewahrt, das der Familie von der Schulenburg gehört.

Friedrich Werner von der Schulenburg, bis zum Zeitpunkt des Überfalls auf die UdSSR der deutsche Botschafter in Moskau, hatte zunächst zum engsten Kreis der Vertrauen von Adolf Hitler gehört, die im März 1942 zu einer Ausstellung von aus Sowjetrussland verschleppten Kunst- und Kulturschätzen in Berlin eingeladen wurden. Bei der „Veranstaltung“ durfte der Diplomat wertvolle Gegenstände aus der Bibliothek des Staatlichen Museumsreservats Pawlowsk auswählen und zu seinem Besitz machen: historische Werke, Briefe von Marie Antoinette und von Graf Mirabeau, eine alte Ausgabe der gesammelten Werte von Gotthold Efraim Lessing und vieles andere. Im Juli 1944 gehörte von der Schulenburg zu den Teilnehmern der Verschwörung gegen Hitler und wurde hingerichtet. Die wertvollen Gegenstände aus Pawlowsk überstanden allerdings die letzten Kriegsmonate und die ganze Nachkriegszeit im Besitz der Familie.

In einem Gespräch mit RIA Novosti  verwies Dr. Britta Kaiser-Schuster, Leiterin des Deutsch-Russischen Museumsdialogs, darauf, dass die Nachfahren des Diplomaten selbst den Wunsch geäußert hätten, die Bände an die legitimen Eigentümer zurückzugeben.  Es handle sich nur um eines von mehreren Projekten, mit denen sich der Deutsch-Russische Museumsdialog befasst.  Die Leiterin des Museumsdialogs hob dabei die Rolle von Prof. Eichwede und von Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ hervor.

In dem konkreten Fall sei der positive Ausgang dank dem Wunsch von Schulenburgs Erben recht problemlos erreicht worden, hieß es. Einfacher sei es unter anderem deshalb gelaufen, weil es in dem konkreten Fall nicht um Museumsbesitz, sondern um Privateigentum ging, fügte die Expertin hinzu. Laut Kaiser-Schuster würden die Bände zur feierlichen Übergabe an die russische Seite nach Leipzig gebracht.

Ein Sprecher des Museums in Pawlowsk teilte RIA Novosti mit, dass das wieder erlangte Eigentum noch in diesem Jahr nach Russland zurückkehren werde. In Pawlowsk soll dann der „russische Teil“ der feierlichen Übergabe stattfinden, zu der auch Schulenburgs Nachfahren eingeladen wurden. Die deutschen Truppen waren am 16. September 1941 in Pawlowsk einmarschiert. Im Herbst 1942 wurden 69 Kisten mit Büchern  aus dem Palast nach Deutschland verfrachtet.  Zu einem großen Teil gingen sie noch zur Sowjetzeit an den legitimen Eigentümer, das Museum in Pawlowsk, zurück.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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