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Zwischen Mythos und Spott – das Museum für politische Geschichte zeigt Lenin von A bis Z

Von   /  18. Februar 2009  /  Keine Kommentare

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Lenin ist zurück – das Museum für politische Geschichte widmet dem Gründer der Sowjetunion eine ganze Ausstellung. Das Besondere an ihr ist allerdings die Beschränkung auf das öffentliche Bild des Revolutionärs. Für einmal will diese Ausstellung nicht historische Fakten aufarbeiten, sondern eben jenes Bild zeigen, das die Welt von ihm hatte.

Von Eugen von Arb

Die Mystifikation Lenins war für die Machthaber der Sowjetunion dringend nötig, obwohl dieser sich eine Glorifizierung ausdrücklich verbeten hatte. Der allgegenwärtige Lenin in Form von Büsten, Bildern, Standbildern, Signeten, Titeln und Namen war Ersatz für einen Führer, den das Volk wenig in Fleisch und Blut zu Gesicht bekommen hatte. Zum einen weil er sich ständig im Exil aufhielt, zum Andern, weil er die Revolution nur um wenige Jahre überlebte.

Politik ist sexy – Barbie Puppen eskortieren Lenin

Das Museum zeigt ein ganzes Lenin-Sammelsurium, Lenin als Redner, Lenin als Jäger usw. Ein hochinteressantes Exponat der Ausstellung – und das einzige, das Lenin gewissermassen privat zeigt, ist eine Porträtzeichnung, die ihn 1897 im sibirischen Exil zeigt als ihn noch kaum jemand kannte. Dem offiziellen Bild Wladimir Ilitschs wird in der Ausstellung auch das inoffizielle gegenüber gestellt, zum Beispiel eine Leninstatue, eskortiert von zwei Barbie-Puppen.

Obwohl das Museum Lenin mit seiner Ausstellung erklärtermassen eine neutrale Position einnimmt und die Person nicht ins Lächerliche ziehen will, trägt die Ausstellung Elemente von Spott und Satire in sich. Doch das ist ganz natürlich, denn wo das Bild eines „Übermenschen“ gezeichnet wird, ist auch seine Karrikatur nicht weit.

„Lenin stört das Stadtbild“

Bereits sind Beschwerden eingegangen – eine Frau störte sich an der abstrakten (und dennoch unverkennbaren) Lenin-Puppe der Künstlergruppe „33 plus 1“, die das Museum auf seinem Balkon platziert hatte. Ein erklärendes Schild, das daraufhin daneben gehängt wurde, war am nächsten Tag verschwunden – ein Gegner oder ein Anhänger Lenins? Wie auch immer – auf jeden Fall bleibt die Lenin-Ausstellung nicht ohne Folgen. Wie in der Geschichte soll ihm ab dem 20. März eine ähnlich konzipierte Ausstellung zum Genossen Stalin folgen, und – was für ein Zeitsprung! – vielleicht gibt sich darauf Wladimir Putin die Ehre.

Die Ausstellung ist noch bis am 13. März im Staatlichen Museum für politische Geschichte an der ul. Kuibyschewa 2-4 zu sehen.

Bilder: Staatliches Museum für politische Geschichte

http://www.polithistory.ru

www.sptimes.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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