Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

„Zusammen leben“ – Fotografien aus dem russischen Dorfleben

Von   /  16. Juni 2015  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Das staatliche Fotozentrum Rosfoto zeigt bis am 19. Juli die Bilder des Lehrers und Fotoamateurs Juri Galjow (1929-2006). Die Ausstellung spiegelt in einer faszinierenden Chronik das typische Leben im russischen Dorf Voschgora nördlich von Archangelsk – seine Menschen, seine Feste, seinen Alltag.

Generationen von Menschen unterrrichtete er und sah sie gleichzeitig durch den Sucher seiner Kamera aufwachsen, Familien gründen, kommen, weggehen und sterben. Jeder kannte ihn, so wie der Schreiner oder Bäcker im Dorf war er der Bildermacher, der an allen traditionellen Festen – erster Schultag, Hochzeiten und Beerdigungen, sowie an staatlichen Festtagen dazu gehörte. Hinzu kamen Bilder aus dem Alltag – Gruppenbilder und Klassenfotos.

Sein Archiv von 500 Schwarzweissfilmen wurde 2012 an eine Gruppe von Anthropologen übergeben, die sich im Archangelsker auf einer Feldforschung befand. Sie arbeiteten die Bilder durch und erstellten eine Ausstellung nach soziologischen Gesichtspunkten, die ein beeindruckendes Porträts eines Dorfs im Norden ergab.

Konventionelle Bilder aus einem konventionellen Leben

Zu den typischen Merkmalen der Amateuraufnahmen gehört die funktionale, konventionelle Bildkomposition ohne jeglichen künstlerischen Ergeiz. Fallen die Bilder „aus dem Rahmen“ – was beispielsweise bei einem Schülerporträt mit „Zaungast“ zu einem erstklassigen Schnappschuss führte – so ist es Zufall.

Die Schönheit der Bilder liegt in den Gesichtern der Menschen, die eine Gemeinschaft enger und tiefer menschlicher Beziehungen bilden – oder besser bildeten, denn diese scheinbar idyllische Welt gehört längst der Vergangenheit an. Das russische Dorf ist wegen der starken Stadtflucht und der Perspektivlosigkeit in der Provinz längst zu einer aussterbenden Spezies geworden.

Bild: Rosfoto

Bis am 19. Juli 2015. ROSFOTO (Staatliches Zentrum für Photographie), ul. Bolschaja Morskaja 35. Eintritt: 100-300 Rubel. Tel. 314- 12-14. www.rosfoto.org

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Die Schweiz, ein armes Land – Theo Freys Bilder bei Rosfoto

[ad#ad-3]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Geschichte: Johann Strauss und der „Musik-Bahnhof“ Pawlowsk

mehr…