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„Zum Fressen gern“ – leckere und lustige Foto-Stillleben in einer Ausstellung

Von   /  14. Mai 2018  /  Keine Kommentare

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pd.- Der „Smolny“ Ausstellungssaal zeigt im Rahmen der Petersburger Museumsnacht eine Ausstellung der beiden Berliner Sammlungsfotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold. Sie präsentieren ihrem Publikum die Schätze aus der Sammlung des österreichischen Benediktiner-Stifts Admont.

Die Idee zur Ausstellung „Zum Fressen gern“ entstand spontan. 2015 zeigten die beiden Sammlungsfotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold ihre Ausstellung „Mechanische Tierwelt“ mit historischen Blechspielzeugen im Kloster Admont. Dabei entdeckten sie die fantastische Stiftsbibliothek und die reiche naturhistorische Sammlung des Klosters. Ein Jahr später wurden sie eingeladen, die Sammlung zu fotografieren im Rahmen des Programms für zeitgenössische Kunst „Made for Admont“.

Neben seiner weltberühmten Klosterbibliothek besass das Stift Admont seit der Barockzeit ein Museum mit Naturobjekten – ähnlich der Kunstkamera St. Petersburg. 1809 gründete Abt Gotthard Kuglmayr ein Naturalien-Kabinett, das jedoch 1865 durch ein Feuer zerstört wurde. Ein Jahr später erhielt der Priester und Botaniker Gabriel Strobl den Auftrag ein neues Museum aufzubauen – eine Aufgabe, die er während 40 Jahren erfüllte.

Tausende konservierter Insekten und ausgestopfter Tiere

Dank seinem Sammlungs- und Forschungseifer verfügt das Stift heute unter anderem über eine einzigartige Insektensammlung mit rund 252.000 Objekten. Neben hunderten ausgestopfter und konservierter Tiere und Insekten besitzt Admont auch eine einzigartige Wachsobst-Sammlung mit rund 250 Exponaten, die Pater Constantin Keller nach realen Früchtesorten nachgeformt hat, von denen es heute viele nicht mehr gibt.

Aus diesem unermesslichen Bestand konnten sich die beiden Fotografen frei bedienen. So spontan wie die Idee entstanden war, so unkonventionell und „verspielt“ war ihre Vorgehensweise. Es entstand eine Ausstellung, die verschiedene Gesichter hat – ein dokumentarisches, ein humoristisches und ein künstlerisch-kreatives.

„Toten“ Objekten neues Leben eingehaucht

Mit Witz und Rafinesse kombinierten Weinhold und Köpcke in ihren Bildern Objekte, die bei einer rein wissenschaftlichen Inventarisierung niemals miteinander in Berührung gekommen wären. Ein besonders schönes Beispiel die ausgestopfen Eisvögel, die ein Buch aus er Stiftsbibliothek „verspeisen“. Oder das Stilleben mit Schmetterlingen, Äpfeln und Rehschädel.

Gleichzeitig orientierten sie sich auch an klassischen Mustern der Kunstgeschichten, wie dem Küchen-, Jagd- und Vanitas-Stilleben. Das Thema „Vergänglichkeit“ kommt immer wieder zum Vorschein – jedoch auf ungewohnte Weise – als eine Art Wiedergeburt, dem die ganze Ausstellung gewidmet ist. Das Fotoprojekt hat „toten“ Objekten neues Leben eingehaucht. Besonders gut kommt dies auf dem Stillleben mit Hase (dem Gegenteil von Nature morte) zur Geltung. Leben und Gegenwart kommen auch durch die Menschen aus der Küche in die Ausstellung

Museen haben sich verändert

Die rund 50 Bilder der Ausstellung lassen die Besucher schmunzeln und nachdenken. Sie erinnern sich daran wie sehr sich die Museen in den letzten Jahren verändert haben. Dazu schreibt Sebastian Köpcke in seinem Katalogtext: „Museen lernten wir in einer Zeit kennen, als vom „Sience Center“ noch keine Rede war. Damals war es ein Abenteuer, in übergroßen Filzpantoffeln über blankes Parkett zu rutschen, höfische Pracht, wehrhafte Burgen oder Meisterleistungen der Ingenieurskunst zu bestaunen. Naturkundliche Museen erschienen noch spannender als jeder Zoo, denn hier standen wilde Tiere regungslos und zum Greifen nahe und ruhten nicht im hintersten Winkel ihres Geheges….. (…) Heute sind wir selbst handelnde Akteure an Museen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickeln wir kulturhistorische Ausstellungen und versuchen mit unserer Arbeit eine eigene Sicht der Dinge zu vermit teln. Die Fotografie erlaubt es uns, genauer zu schauen und die Blicke der Betrachter auf das zu lenken, was uns wesentlich erscheint.

19. Mai bis 27. Juli 2018. Ausstellungseröffnung: 19. Mai 18.00. Ausstellungssaal „Smolny“, Ul. Smolnogo 3a. Tel. Tel. 579-63-36.

www.museum.ru/N22689

http://www.artnight.ru

www.sammlungsfotografen.de

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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