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Zeretelis Peter der Grosse ist “persona non grata” in Petersburg

Von   /  7. Oktober 2010  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Nach der Entlassung des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow ist in Moskau ein Streit um die Riesenskulptur Peters des Grossen von Luschkows Hofkünstler Surab Zereteli entbrannt. Mit der Idee, das Zarenstandbild in seine nördliche Heimat zu schaffen ist der Skandal auch auf Petersburg übergeschwappt.


Unmittelbar nach dem von oben verordneten Sturz Luschkows begann man an einem weiteren Standbild zu sägen – an jenem seines Günstlings Surab Zereteli. Sein hundert Meter grosser Peter der Grosse, der am Moskwa-Ufer steht und von sämtlichen städtischen Instanzen stillschweigend bewilligt worden war, soll nun plötzlich verschwinden, aber wohin? Nach St. Petersburg, fand der Sprecher des Föderationsrats Sergei Mironow – er könne ihn sich besonders gut bei der Einfahrt in den Hafen vorstellen.

Petersburg: „Nein, danke, wir haben schon einen!“

Die Antwort aus dem Norden kam rasch und deutlich: Nein, danke, meinte die Petersburger Gouverneurin Valentina Matwijenko – es gäbe bereits ein sehr würdiges Denkmal an den Stadtgründer, und das sei der Eherne Reiter. Noch deutlich drückte sich der Sprecher des Petersburger Stadtparlaments aus – Zeretelis Denkmal gehöre auf den Schrotthaufen, Punkt.

Beide verschwiegen, dass in Petersburg neben der hoch verehrten Skulptur Etienne Falconets bereits eine unbeliebte Ausgabe Zeretelis existiert. 2006 hatte er sie hier nach einer Ausstellung in der Manege gewissermassen stehen gelassen. Als sich niemand darüber freute, schenkte er sie ausdrücklich der Stadt, die erst weder ablehnte, noch annahm und sie schliesslich weit weg vom Zentrum vor das Hotel “Pribaltiiskaja” auf der Wassili-Insel pflanzte. Dieser (schwarze) Peter blickt zwar ähnlich starr und ausdruckslos in die Ferne wie die Moskauer Ausgabe, ist aber wenigstens bloss sechs Meter hoch.

Zereteli: „Wer seinen Zaren nicht liebt, ist kein Patriot!“

Surab Zereteli gab sich angesichts der Verschrottungs- und Deportationspläne seiner Skulptur entsetzt und sprach von einem Skandal. Wer seinen Zaren nicht liebe, sei kein Patriot – wenn man die Skulptur nicht möge, solle man bitte sehr etwas Anderes dorthin stellen, meinte er empört. Es wundere ihn nur, dass damals alle, unter ihnen auch Wladimir Resin, der nun Luschkow ablösen wolle, für die Skulptur gewesen seien. Ausserdem, so gab er bekannt, werde er nun ein Denkmal für den Ex-Bürgermeister Juri Luschkow gestalten.

Nur die Provinz mag den (schwarzen) Peter

Wer will ihn nun diese ungeliebte Skulptur haben, von der böse Zungen behaupten, Zereteli habe sie zuerst 1992 für das 500 Jahre-Jubiläum des Seefahrers Kolumbus in Brazilien angefertigt und nach der Ablehnung rasch in den russischen Flottengründer Peter den Grossen umgewandelt? Jetzt, wo sich die Hauptstädte zieren, meldet sich plötzlich die Provinz – Orel, Petrosawodks und Woronesch wollten ihn haben.

In einem Brief an Luschkows Nachfolger Resin schlug auch der Bürgermeister der karelischen Hauptstadt vor, den 100-Meter-Peter nach Archangelsk zu verfrachten. Dort, im damals einzigen russischen Ostsee-Hafen sei Peter der Grosse 1693 auf die Idee gekommen, die russische Flotte zu gründen. Eine Volksbefragung soll nun klären, wohin der bronzene Peter und sein Riesenschiff segeln werden.

Bild: Eugen von Arb

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  • Veröffentlicht: 8 Jahren vor auf 7. Oktober 2010
  • Von:
  • Zuletzt geändert: Oktober 7, 2010 @ 3:42 pm
  • Rubrik: Aktuell, Kultur

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Ganz Moskau ist mit den Kunstwerken Zeretelis „verschönert“ worden.

    Nach 100 Jahren sagt man wird aus jeder noch so schlimmen Architektursünde eine Sehenswürdigkeit.
    Bei dem Bronzeschrott denke ich mir – Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Während die Reliefe an der Erlöserkathedrale noch als diskussionwürdig erscheinen ist, der „grosse“ Peter wirklich keine Zierde – vor allem nicht für St. Petersburg. Dann doch lieber den Gaspromturm.

    Also hinweg damit – in der fernen Provinz wirds wenigstens eine Touristenattraktion.

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