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Zehntausende orthodoxe Gläubige beim Andreas-Kreuz in der Kasaner Kathedrale

Von   /  13. Juli 2013  /  1 Kommentar

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Von Armin Wilding

Am 11. Juli wurde das Kreuz des heiligen Apostels Andreas per Flugzeug aus dem griechischen Patras nach Petersburg gebracht, wo es von Patriarch Kirill empfangen wurde, der anschließend in der Kasaner Kathedrale einen Gebetsgottesdienst vor der Reliquie zelebrierte. Schon am ersten von fünf Besuchstagen fanden sich zehntausende Gläubige im Zentrum von Petersburg ein, um den frühesten Glaubensboten und Patron der russischen Lande zu verehren. Ein Erlebnisbericht mit Fotogalerie vom Abend des 12. Juli.

Die Menschenschlange reicht bereits weit hinter die Greifen am Gribojedow-Kanal zurück, als ich gegen 18 Uhr eintreffe. Wie lange es dauert, bis man in die Kirche vordringen wird, ist unmöglich zu sagen. Nebenan lesen einige Frauen Gebete, eine von ihnen singt den Hymnos Akathistos zum heiligen Andreas. Vor mir umarmt sich ein verliebtes Pärchen und schmust ungeniert, um sich die Wartezeit zu verkürzen.

Ich beschließe die die Uhr abzunehmen. Sobald man in den Bereich des Heiligen tritt, verliert die chronometrische Stunde ihre Bedeutung. Um nicht in Beobachtungen und Gedanken zu zerfließen, nehme auch ich das Gebetbüchlein heraus und beginne Kanones zu lesen. So geht es dahin, ich weiß nicht wie lange, Schritt um Schritt, dann wieder Stillstand und wieder ein paar Schritte. Wohl gäbe es Möglichkeiten, sich vorzuschwindeln, doch ist es eine naive Hoffnung, die Strecke abzukürzen: Wege wie dieser sind Teil der spirituellen Erfahrung. Je schneller einer zum Heiligtum kommt, desto billiger wird dort entlohnt.

Zwei Millionen kamen zum Gürtel der Gottesmutter aus dem Kloster Vatopedi am Berg Athos

Viele Gläubige verstehen das instinktiv und es zieht sie an Orte, welche ihnen große Entbehrungen abfordern, Orte, an denen das Heil überfließt. Ein Zug, der besonders die Orthodoxie prägt. Vor zwei Jahren war der Gürtel der Gottesmutter aus dem Kloster Vatopedi am Berg Athos für einige Tage in Rußland. Zwei Millionen Menschen kamen herbei, und in Moskau waren viele bereit, an die zwanzig Stunden in der Warteschlange zu stehen, um der heiligen Jungfrau näher zu kommen. In Europa weiß davon kaum jemand. Waste lands im Bewußtsein der Medien, fremde Dimensionen.

Es ist beinahe halb zehn Uhr, als ich das Innere der Kasaner Kathedrale betrete. Am anderen Ende der mächtigen dunklen Säulenreihen erscheint im mystischen Licht das Andreaskreuz. Den Pilgern bleiben nur wenige Sekunden, um heranzutreten und sich im Kuß des Kreuzes mit dem Charisma des Andreas zu verbinden, mit einer Liebe, die in den Tod ging und dann wundersam der Finsternis enthoben wurde.

Dossier: Der Apostel Andreas missionierte der Legende nach im ersten Jahrhundert bei den Skythen, welche auf dem Territorium des südlichen Rußland und der Ukraine lebten. Mittelalterliche Quellen entwickelten diese Erzählung weiter und berichten davon, wie Andreas in der Gegend von Kiew am Dnjepr stand und propezeihte, daß hier einst “eine große Stadt mit vielen Kirchen” stehen werde. Anschließend sei er weiter nach Norden gefahren und über den Wolchow bis an den Ladogasee und auf die Insel Walaam gekommen, wo er die dort ansässigen Dämonen vertrieb. Zurück in Rom soll Andreas von einer beachtenswerten Angewohnheit der Menschen in den russischen Landen erzählt haben: “Sie waschen sich in Banjas und schlagen einander mit jungen Zweigen. Dann überschütten sie sich mit Kwas und kaltem Wasser.”

Das Kreuz des heiligen Andreas ist noch am 13. und 14.Juli von 7.00 bis 22.00 Uhr und am 15. Juli von 7.00 bis 18.00 Uhr in der Kasaner Kathedrale am Newski Prospekt vom Gridojedow-Kanal her öffentlich zugänglich.

Bilder: Armin Wilding

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Das Andreaskreuz ist ja ein wichtiges Symbol für Stadt und Flotte. Interessant, dass es wirklich existiert.

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