Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Zart-bitterer Abschied: Petersburger „Krupskoi“-Schokolade vom Aussterben bedroht

Von   /  28. Juli 2015  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Achtung: Schokoladenalarm! Wer sich für die süsse Seite von St. Petersburg interessiert, muss in den letzten Monaten das Verschwinden Schokoladentafeln und Pralinen der Marke „Krupskoi“ aus den hiesigen Geschäften bemerkt haben. Zwar verspricht der südrussische Konzern „Slawjanka“, der die Fabrik 2014 übernahm, die einheimische Marke bleibe bestehen, doch hält sich der Verdacht, dass die Confiseure aus Belgorod die Petersburger Süssigkeiten durch ihre eigene Ware ersetzen wollen.

Schon Ende vergangenen Jahres hatten die Grossverteiler von „Lenta“ bis „Real“, die bis dahin Krupskoi-Erzeugnisse mit grossem Erfolg verkauft hatten, ein Schwinden bei den verfügbaren Liefermengen festgestellt. Ganz offensichtlich hing dies mit der „Reorganisation“ der Schokoladenfabrik durch die neuen Besitzer zusammen. Denn schon im April wurde bekannt, dass die „Slawjanka“-Leitung die Mitarbeiter unter Druck setzt, entweder ins Mutterhaus im südrussischen Belgorod umzuziehen oder „auf eigenen Wunsch“ zu kündigen. Damit wurde versucht, die Zahl der ausgesprochenen Kündigungen niedrig zu halten, um nicht Gewerkschaften und Aufsichtsbehörde auf den Plan zu rufen. Mittlerweile ist der Personalbestand des Petersburger Betrieb auf rund die Hälfte der ursprünglich 300 Mitarbeiter zusammengeschrumpft.

Damit können auch die Lieferschwierigkeiten bei den populären Pralinen „Mischka na severe“ (Eisbär im Norden), „Belotschka“ („Eichhörnchen“), „Griljasch, bei der zart-bitteren Tafelschokolade „Osoby“ („Die Besondere“) und bei der „Batijski Tort“ der typischen Waffeltorte erklärt werden. Es fehlt ganz einfach an Arbeitskräfte, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Gemäss einer anonymen Auskunft versucht „Slawjanka“ die einheimischen Schokoladenproduktion aus dem Markt zu drängen, in dem sie bei den Verhandlungen mit den Verteilern keine Ermässigungen und Aktionen mehr zulässt und stattdessen die eigenen Produkte anpreist.

Sowjetischer Traditionsbetrieb seit 1938

Darauf angesprochen erwiderte die Leitung des Belgoroder Konzern, die frühere norwegische Besitzerin Orkla habe die Schokolade zu billig angeboten, um auf den Markt zu kommen und habe damit ein Defizit eingefahren. „Slawjansk“ plane hingegen, Gewinne zu machen und habe darum die Preise erhöht. Gleichzeitig versicherte man, die traditionellen Petersburger Schokowaren würden selbstverständlich weiter produziert, wenn auch gewisse Erzeugnisse, die bisher in verschiedenen Varianten produziert worden seien, künftig nur in einer Form geliefert würden. Bisher wirken diese Beschwichtigungen wenig überzeugend, fehlt doch vieleorts bis zu einem Fünftel des bisherigen „Krupskoi“-Angebots in den Regalen.

Die Schokoladenfabrik „Krupskoi“, die nach Lenins Gattin Krupskaja benannt ist, wurde 1938 eröffnet und 1992 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 2006 wurde der sowjetische Traditionsbetrieb vom norwegischen Konzern Orkla übernommen, der grosse Teile der Produktion ins Dorf Rasbegajewo im Leningrader Gebiet auslagert. 2014 verkaufte Orkla die Schokoladenfabrik an die „“Slawjanka“-Holding.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Der Weg zum Stadium „Sankt Petersburg“

mehr…