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Zangengeburt: Petersburg erhält ein Denkmalschutzgesetz

Von   /  17. November 2008  /  Keine Kommentare

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eva.- Nach jahrelangen Diskussionen und Verzögerungen liegt nun endlich ein Denkmalschutzgesetz, das vor allem die architektonische Entwicklung im historischen Zentrum Petersburgs lenken soll, schreibt Fontanka.ru.  Obschon die Innenstadt längst zum Weltkulturerbe der UNESCO gezählt wird, richtete sich die Bautätigkeit bisher nur an nach einem wenig verbindlichen Grundlagenpapier aus den Achtzigerjahren.

Der Bauboom in den letzten Jahren liess befürchten, dass das Stadtzentrum dank dieser Gesetzeslücke mit der Zeit in ähnlicher Weise umgekrempelt würde wie in Moskau. Kritische Architekten und Kunsthistoriker vermuteten sogar, die Verabschiedung des neuen Gesetzes würde absichtlich hinausgezögert, um bei umstrittenen Projekten wie zum Beispiel dem geplanten Gazprom-Hochhaus freie Hand zu haben.

Zeichen des Umdenkens: Börse muss „geköpft“ werden

Mit der Vorlage des Gesetzesentwurfs ist nun ein deutliches Zeichen gesetzt worden, dass sich schon während der letzten Monate angekündigt hatte: Im Sommer entfachte sich ein Konflikt um das neue Börsengebäude auf der Wassili-Insel, das die Silhouette der Stadt deutlich verändert – und wie sich herausstellte deutlich höher gebaut wurde als ursprünglich vorgesehen war. Wohl nicht zuletzt durch den Druck der Öffentlichkeit entschied die Stadtregierung, die Börse müsse um eine Etage „geköpft“ werden, damit das Stadtbild gewahrt bleibe.

Allen geht das Geld aus

Im Herbst wurde bekannt, dass der Neubau des Zenit-Stadions viel teurer zu stehen kommt als vorgesehen – zwischen der Stadt und dem Gazprom-Konzern begann ein Seilziehen um die Frage, wer die Mehrkosten zu übernehmen hat. Fast gleichzeitig setzte die Wirtschaftskrise ein, und man begann sich auch Sorgen über die Finanzierung des Büroturms „Ochta-Zentr“ zu machen – die Stadt stieg schliesslich ganz aus dem Projekt aus.

Dieser Entscheid und das neue Denkmalschutzgesetz zeugen von einer klaren – wenn auch nicht freiwilligen – Kursänderung in der Baupolitik. Auch wenn damit das Thema „zeitgenössische Architektur im Zentrum“ nicht vom Tisch ist, so wird man bei künftigen Projekten wesentlich vorsichtiger vorgehen.
Bild:

Ungeschützt: Für den Bau des Stockmann-Businesskomplexes musste am Newski-Prospekt ein ganzer Häuserblock weichen. (Foto: Eugen von Arb)

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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