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Zahlen oder im Dunkeln sitzen – Ikea im Kampf mit dem siebenköpfigen Drachen Korruption

Von   /  18. Februar 2010  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Korruption gehört zu Russland wie Wodka und Pelmeni – so ist es zumindest im Bewusstsein all jener verankert, die in diesem Land leben, beziehungsweise überleben wollen. Sie beginnt bei einigen hundert Rubel, die manche Autofahrer extra für ein Rendez-vous mit der Verkehrspolizei bei sich tragen, und reichen bis hin zu Millionen und Milliardenbeträgen, die Firmen für irgendwelche Bewilligungen oder für die Beschleunigung eines Verfahrens hinblättern müssen. Jeder bezahlt eben seinen Pizzo, weil es sich nicht lohnt, sich mit dem System anzulegen.


Entlassungen richtig oder falsch?

Um so mehr staunte man als man von der Entlassung zweier Ikea-Manager las, die von Schmiergeldzahlungen für die Energieversorgung einer Petersburger Ikea-Filiale gewusst haben sollen. Stefan Gross, Direktor für den Bereich Immobilien in Russland und der Direktor für Zentral- und Osteuropa Per Kaufmann wurde die Tür gewiesen. Endlich, so schien es, nahm ein wirtschaftlicher Gigant den Kampf mit dem siebenköpfigen Drachen der Korruption auf.

Die Internetzeitung Fontanka.ru nahm den Vorfall zum Anlass, russische Unternehmer nach ihrer Meinung zu fragen. Einerseits wurde Ikeas Bereitschaft, sich mit den Praktiken von Lenenergo anzulegen gelobt. Die mühsame und teure Prozedur für den Anschluss einer Firma ans Stromnetz sind hinlänglich bekannt – dabei kann dem Energiekonzern nicht einmal Korruption nachgewiesen werden, alles läuft legal.

Teure Projekte für den Stromanschluss

Mit der Begründung, das Netz sei überlastet, wird der Antragsteller dazu verpflichtet, ein neues Projekt ausarbeiten zu lassen, und zufällig gehört das empfohlene Büro zu Lenenergo. Natürlich sind auch andere Ingenieurbüros zugelassen, aber ihre Projekte haben kaum eine Chance, bewilligt zu werden. So wird ein simpler Zugang zur Stromversorgung enorm verteuert. Statt der offiziellen 550 Rubel pro Kilowatt kostet das schnell einmal 10.000 Rubel – natürlich steigt dieser Betrag bei einem Grossunternehmen noch um ein Vielfaches. Man schätzt, dass es sich im Fall von Ikea um rund 80 bis 100 Millionen Rubel handelt.

„Ikeas Haltung unrealistisch

Doch, so äussern sich die meisten der Befragten, gerade darum müssten die Verantwortlichen bei Lenenergo zur Rechenschaft gezogen werden. Die geschassten Ikea-Manager hingegen hätten lediglich entsprechend der russischen Praxis gehandelt – vermutlich sei der Korruptionsvorwurf lediglich als Vorwand für ihre Entlassung benutzt worden.

Die meisten westeuropäischen Unternehmen, die in Russland Filialen unterhielten, hätten jeweils sogar einen eigenen Budgetposten für Schmiergelder, schreibt Fontanka.ru. Darum sei die Haltung von Ikea schlichtwegs unrealistisch. Wenn sich Ikea mit den russischen Geschäftspraktiken nicht abfinden könne, so müsse sie ihre Geschäfte eben mit Kerosin-Lampen ausstatten, meint ein Geschäftsmann.

Bild: Wikimedia Commons

www.fontanka.ru


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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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