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Workshop Internationalisierung in Russland: „Von Abschottung kann keine Rede sein“

Von   /  30. Januar 2018  /  Keine Kommentare

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Ende 2017 führten die Hochschule für Wirtschaft St. Petersburg und die Berner Fachhochschule gemeinsam einen Workshop zum Thema „Internationalisierung“ für russische Studenten durch. Sowohl bei den Veranstaltern wie auch bei den Studierenden fand das Projekt guten Anklang. Der „Herold“ hat mit dem schweizer Wirtschaftsexperten und Mitveranstalter Daniel Rehmann gesprochen.

Von Eugen von Arb

SPB-Herold: Wie war das Echo auf die Veranstaltung?
Daniel Rehmann: Das Feedback war durchwegs gut, und es ist sogar eine Wiederholung geplant. Dieses Jahr werden wir das Projekt ausweiten – zwei Tage St. Petersburg, zwei Tage Moskau . Auch bei den Studenten wurde das Projekt gut aufgenommen.

SPB-Herold: Womit beschäftigten sich die Studierenden konkret
Sie mussten in einer Fall-Studie ein Markteintritt eines Unternehmens aus der Schweiz nach Russland durchspielen. Dazu mussten sie die Chancen und Risiken auf dem russischen Markt analysieren, den richtigen Geschäftspartner finden und dabei die kulturellen Unterschiede einkalkulieren. Ich war beeindruckt von den Präsentationen, die meistens sehr professionell gestaltet wurden. Mit wenigen Ausnahmen wurde praktisch während der gesamten Veranstaltung nur Englisch gesprochen, und das Sprachniveau bei den Studierenden war erstaunlich hoch.

SPB-Herold: Gab es auch unerwartete Reaktionen?
Ja, zum Beispiel stellte sich bei den Betriebsbesichtigungen heraus, dass viele der Studierenden zum ersten Mal einen ‚echten‘ Arbeitsplatz gesehen haben. Das zeigt, dass der Unterricht an den russischen Hochschulen immer noch sehr theoretisch und eher praxisfern ist.

SPB-Herold: War es schwierig, Partner für diese Veranstaltung zu finden?
Nein, denn sowohl die ‚Fachhochschule Bern‘ wie auch die ‚Hochschule für Wirtschaft‘ in St. Petersburg sind sehr international ausgerichtet. Letztere gehört zu den führenden Universitäten für Wirtschaft in Russlands und stellt eine moderne Infrastruktur zur Verfügung. Leider gibt es in Petersburg nicht viele schweizer Unternehmen, darum sind auch Vertreter aus Moskau angereist.

SPB-Herold: Was kann die Schweiz bei diesem Projekt besonderes anbieten?
Die Schweiz ist Vorreiterin im Bereich der Internationalisierung, weil ihre Wirtschaft selbst so stark auf den Export angewiesen ist. Deshalb besitzen schweizer Unternehmen im internationalen Geschäft besonders viel praktische Erfahrung.

SPB-Herold: Ist das Thema „Internationalisierung“ angesichts der gegenwärtigen Autarkie-Bestrebungen Russlands überhaupt ein Thema?
Auf jeden Fall, denn durch die zunehmende Bestrebung zur Importsubstitution in gewissen Bereichen der russischen Wirtschaft bei gleichbleibend schwachem Rubelkurs steigt das Interesse am Export von russischer Seite.

SPB-Herold: Schottet sich die russische Wirtschaft wegen der politischen Krise nicht zunehmend vom Westen ab?
Nachdem der Handel zwischen der EU und der Schweiz mit Russland wegen der Sanktionspolitik und der Wirtschaftskrise in Russland während mehreren Jahren zurückging, zog der Aussenhandel im vergangenen Jahr wieder stark an. Zwischen Deutschland und Russland wuchs er um 20 Prozent, zwischen der Schweiz und Russland um 30 Prozent. Gleichzeitig nahmen die Exportbestrebungen Russlands zu – es kann also nicht von einer Abschottung die Rede sein. Wir haben auch keinerlei politischen Widerstand gespürt.

Infobox:
 eva.- Der Workshop zum Thema „Internationalisierung“ wurde in Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Wirtschaft St. Petersburg und der Berner Fachhochschule organisiert. An der Wirtschaftshochschule St. Petersburg und im Technopark “Mobahaus” wurde Studenten anhand praktischer Beispiele die Unterschiede und Besonderheiten der schweizerischen und russischen Wirtschaft erklärt. Insgesamt stellten sechs schweizer Firmen ihre Tätigkeit vor. Durch die Veranstaltungen führten Paul Amman (Fachhochschule Bern), Daniel Rehmann (Wirtschafts- und Russlandexperte) sowie Natalia Ursul (Hochschule für Wirtschaft St. Petersburg).

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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