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WM2018: Kalte Dusche kühlt das Fussball-Fieber ab

Von   /  16. Juli 2018  /  1 Kommentar

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eva.- Die Mannschaften aus Kroatien und Frankreich boten sich zum Abschluss der WM ein würdiges Turnier und brachten die Fussball-Seelen auf den Tribünen und vor den Bildschirmen noch einmal zum kochen. Ein Auftritt sorgte für einen beissenden politischen Akzent.

Neben dem „heissen Spiel“ sorgten drei Frauen und ein Mann der Gruppe „Pussy Riot“, die in der zweiten Halbzeit plötzlich in Polizeiuniformen über das Spielfeld rannten, um für die Freilassung politischer Gefangener und politische Freiheit und die Einhaltung der Menschenrechte in Russland zu demonstrieren.

Nass wurden alle, nur Putin nicht

Der Aktion folgte ein zweiter Skandal in Form eines Videos, der die AktivistInnen angeblich beim Polizeiverhör zeigt. Darin ist deutlich zu vernehmen wie der vernehmende Beamte sagt: „Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 1937 haben“ – womit er auf die willkürlichen Verhaftungen Hunderttausender während des stalinistischen Terror anspielte.

Das Schlussspiel bot dem Publikum noch eine weitere pikante Szene als während der Auszeichnung ein Regenguss auf das Stadion niederging und alle bis aufs Hemd durchnässt wurden – alle ausser Präsident Putin, dessen Leibwächter geschwind einen Schirm bereithielt.

Angekratztes Image

Zwar gelang es Putin in seiner Ansprache noch den positiven Schlussstrich zu ziehen, in dem er meinte, die WM habe viele Menschen dazu gebracht, sich ein anderes Bild von Russland zu machen, doch der Auftritt von Pussy Riot riss das Fussball-trunkene Russland schnell wieder in den politischen Alltag zurück.

Dazu gehört die zunehmende politische Spannung, die durch die geplante Erhöhung des Rentenalters und die Willkür der Behörden, insbesondere im Fall des inhaftierten ukrainischen Regisseurs Oleg Senzow, entstanden ist, der schon seit zwei Monaten im Hungerstreik ist. Das Treffen mit US-Präsident Trump bietet zwar eine weitere Möglichkeit für Putin, sein angekratztes Image aufzupolieren, doch erwarten die Beobachter des Gipfels keinen Durchbruch bei den verfahrenen Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Unnötige Fussball-Stadien

Symbolisch für die Glanz-Fassade, die sich Russland mit der WM verpasste, wurde noch am Tag nach WM-Ende das Wolgograder Stadion während eines Wolkenbruchs mit starker Überschwemmung teilweise unterspült und beschädigt. Wie schon traditonell stellt sich nach der WM bei einigen der milliardenteuren Stadien die Frage, was aus ihnen werden soll, so zum Beispiel in Nischni-Nowgorod, Wolgograd und Saransk. Entweder sind die Stadien zu gross, gemessen an der Einwohnerzahl oder es fehlt ganz einfach ein Fussball-Klub, bzw. Sponsoren, um darin regelmässig Spiele zu ermöglichen.

Zu den wenig erfreulichen Tönen des WM-Ausklangs zählt auch der Sitzstreik dutzender nigerianischer Fussballfans, denen beim Verkauf der WM-Tickets Arbeit und Verdienst in Russland versprochen worden war und deren Rückflug-Tickets von den Betrügern annulliert worden waren. In Solnetschnoe bei St. Petersburg wurde noch vor dem Abschluss der WM eine der „Zabivavka“-Maskottchen-Figuren im Wert von über 300.000 Rubel gestohlen.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.newsru.com

www.echo.msk.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Dieter Niemann sagt:

    Taktik gewann -Leidenschaftt siegte
    Die WM 2018 hat mehrere Sieger. Einer davon ist Russland. Egal ob Spieler, Besucher oder Berichterstatter, alle waren sich einig : Diese Spiele waren perfekt organisiert, die Atmosphäre war freundlich und die russische Herzlichkeit wurde von allen Besuchern als sehr wohltuend empfunden.
    Diese Spiele wird es so nie mehr geben. Sie waren die letzten Ihrer Art. In 4 Jahren, also 2022 wird in dem Wüstenstaat Katar um den begehrten Titel gekämpft. Und zwar im Winter. Denn Im Sommer werden dort Temperaturen bis 45 Grad gemessen. Das Endspiel wird dann eine Woche vor Weihnachten angepfiffen. Fußball unterm Weihnachtsbaum
    In Katar kämpfen noch 32 Mannschaften um den Titel. 48 Teams werden es 2026 sein die in den drei Ländern – Kanada – USA und Mexico zum friedlichen Wettstreit antreten werden.
    Jetzt zurück ins Luzhniki Stadion und zum Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien. Über 80.000 Zuschauer sahen dort am 15.07. einen verdienten Sieg der Franzosen. Sie gewannen mit 4 zu 2. Fußballexperten erkannten schnell die Taktik der Grande Nation. Ihr Urteil: Die Franzosen spielten nach einem System das direkt aus dem Inneren einer Gefriertruhe zu kommen schien.
    Kroatien spielte dagegen mit Herz und Leidenschaft. Die Söhne aus dem 4 Millionen Staat verloren ja bekanntlich das Spiel. Aber sie gewannen viele neue Freunde dazu.

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