Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Wissenschaftler bohren sich bis zum geheimnisvollen Wostoksee unter der Antarktis vor.

Von   /  7. Februar 2012  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Markus Müller – Mit Sankt Petersburger Bohrequipment ausgerüstet gelang es Russischen Forschern nach mehr als 30 Jahren Bohrarbeiten bis zum subglazialen Wostok See in der Antarktis vorzudringen.
„Unsere Wissenschaftler beendeten gestern in der Station Wostok in der Antarktis in einer Tiefe von 3.768 Metern die Bohrungen und erreichten die Oberfläche eines subglazialen Sees“, hieß es.
Eine Quelle in der Struktur des Föderalen Dienstes für Hydrometeorologie und Umwelt-Monitoring Rosgidromet bestätigte, dass die Wissenschaftler die Oberfläche des Sees erreicht haben.

Das geheimnisvolles Gewässer unterm Eis ist eine einzigartige Chance für die Wissenschaft

Der Wostoksee im Osten der Antarktis ist der größte bislang bekannte subglaziale See. Er ist etwa 32-mal so groß wie der Bodensee und über 900 Meter tief und schon seit vielen Millionen Jahren von der Außenwelt abgeschnitten. Die Erforschung des einzigartigen Wasser-Ökosystems spielt bei der Erforschung des natürlichen Klimawandels in den nächsten Jahrtausenden eine enorme Rolle.
1957 errichteten sowjetische Forscher die Wostok-Station zur Erforschung der irdischen Klimageschichte. 1983 wurde dort mit -89,2 °C die niedrigste Temperatur der Erde gemessen.

Ein See wie auf dem Jupitermond Europa

1990 wurde an der Wostok Forschungsstationen ein Gemeinschaftsprojekt zur Gewinnung eines Eisbohrkernes für die Klimaforschung unter russischer, französischer und US-amerikanischer Beteiligung gestartet. Wie sich später herausstellte, befindet sich die Bohrung genau über dem Wostoksee. Über radio- und seismischen Sondierungsverfahren gewannen die Wissenschaftler unter anderem Angaben über Größe und Form des Gewässers, die Eisdicke sowie über das Unterwasserrelief. Die Bohrung wurde bis zu einer Teufe von 3623 Metern geführt und erst im Januar 1998 aufgrund eines internationalen Abkommens etwa 130 m über dem See gestoppt, um eine Kontamination des Sees zu vermeiden. Die Weltgemeinschaft willigte 2003, in der 26. konsultativen Beratung zum Vertrag über die Antarktis, in die russischen Vorschläge ein und die Tiefbohr-Arbeiten wurden 2005 wieder aufgenommen.

Sollte es bei der Erforschung des Sees zu einer Kontamination kommen, wären die dabei gewonnenen Ergebnisse nahezu wertlos und auch die Auswertung späterer Forschungsmissionen würde deutlich erschwert, wenn überhaupt noch brauchbare Erkenntnisse gewonnen werden können.Auafgrund der ähnlichkeit des Sees unter einem 4km dicken Eispanzers mit dem ebenfalls unter Eis verborgenen Ozean auf dem Jupiter Mond Europa beteiligte sich die Nasa an der Erforschung.

St. Petersburger Institute entwickeln eine sichere Methode den See anzubohren

Das Arctic and Antarctic Research Institute in St. Petersburg kündigte bereits vor einem Jahr an, den See anzubohren und Proben zu nehmen. Die benutzte Methode soll eine Kontamination ausschließen. Zusammen mit dem Sankt-Petersburger Institut für Bergbau wurde daraufhin eine Sondertechnologie entwickelt. Dazu wird 20–30 m über der Oberfläche der mechanische Bohrkopf durch einen thermischen ersetzt, der sich dann bis zum See durchschmilzt. Bei Erreichen der Oberfläche soll der Bohrkopf durch das unter Druck stehende Wasser wieder in das Bohrloch gedrückt werden und das Wasser im Bohrloch gefrieren. Bei einer Folgebohrung wurden aus diesem gefrorenen Seewasser Proben gewonnen.

Text: Markus Mueller
Grafik: RADARSAT Bild, NASA,

    Drucken       Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Milde Strafe für jugendlichen Streich

mehr…