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„Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht!“ – Trauer um Boris Nemzow

Von   /  1. März 2015  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Anstelle der geplanten Krisen- und Friedensmärsche, fanden am 1. März in diversen russischen Städten Trauerveranstaltungen zum Gedenken an den Oppositionspolitiker Boris Nemzow statt, der am 27. Februar in Moskau erschossen worden war. In St. Petersburg sammelte sich die Menge aus zwischen 6000 und 10.000 Personen nach dem Marsch von der Metro „Gorkowskaja“ auf dem Marsfeld.

Das Transparent mit dem Slogan „Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht!“ wurde an die Rednertribühne geheftet, auf der die beiden Stadt-Abgeordneten Boris Wischnewski und Maxim Resnik durch die Veranstaltung führten. Vertreterinnen und Vertreter der verschiedensten Parteien und Gruppierungen traten vor das Mikrophon und sprachen zum Tod von Nemzow. Alle nahmen dabei ihre eigenen Interessen und Parteislogans zurück und drückten ihre Trauer und ihr Mitgefühl für die Angehörigen Nemzows aus.

Selten trat die ansonsten von Richtungskämpfen und Intrigen geplagte Opposition so geschlossen auf. Dies merkte Maxim Reznik bei seinem Auftritt an und formulierte den gemeinsamen Nenner mit dem Slogan „Russland ohne Putin!“ Des weiteren skandierte die Menge „Das ist unsere Stadt!“, „Die Macht den Millionen, nicht den Millionären!“. Mit letzterem wurden die Leute dazu aufgerufen, selber Verantwortung zu übernehmen und bei der Regierung des Landes mitzuwirken.

Polizei kontrollierte Losungen auf Transparenten

Neben Trauerbekundungen trugen die Demonstranten Friedenslosungen zum Krieg in der Ukraine und Protestierten gegen die Haft der ukrainischen Fliegerin Nadeschda Sawtschenko, trotz mangelnder Beweise des Todes zweier russischer Journalisten im Donbass beschuldigt wird und sich deshalb seit Wochen im Hungerstreik befindet. Insgesamt verlief die Kundgebung ruhig und korrekt. Lediglich einmal kam es zu „Skandal!“-Zwischenrufen von unbekannter Seite, die jedoch bald verstummten.

Die Polizei, welche das Marsfeld und die Rednertribühne bewachte, kontrollierte streng den Inhalt der Transparente. Der Träger eines Banners mit einem Merkel-Porträt über einer Russland- und Europakarte und der Unterschrift „Von Lissabon bis Wladiwostok“ wurde gezwungen das Bild herunterzunehmen. Im Anschluss an die Kundgebung wurde ein 75-jähriger oppositioneller Aktivist, der sein Transparent bis vor die Kasaner-Kathedrale getragen hatte, von der Polizei festgehalten, weil er sich weigerte, es herunterzunehmen.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Keine Kommentare

  1. eva sagt:

    Jetzt vergleichen Sie noch den Aufwand bei der Organisation einer Demo in Deutschland und hier. Die Leute hier können Ihnen ein Liedchen singen von den Hindernissen, die ihnen von den Behörden in den Weg gelegt werden und den Strafen bei der kleinsten Uebertretung. Da kriegen Sie den russischen Stiefel aber zu spüren, von dem Sie so träumen. Komisch, dass Sie Merkel wegen ihrer DDR-Vergangenheit so nicht ausstehen können, wo Sie die russische Führung aus Geheimdienst-Apparatschiks doch so gut finden.

  2. Scholze sagt:

    @eva
    Hatten wir alles schon in Dresden waren es 30.000+
    10.000( Gegendemonstranten natürlich staatlich organisiert.)
    (vor 1,5 Monaten)
    Nehmen sie mir es nicht übel wenn ich die Opposition nicht ernst nehme
    bzw. erhebliche Bildungslücken feststelle wer mit einen Merkel-Porträt
    rumläuft kann sowieso nicht ganz koscher sein. Ich erinnere mich noch an ein
    Interwiew mit Nemzow wo er tatsächlich behauptet Merkel sei eine
    Dissidentin gewesen und hätte für die Freiheit gekämpft. Das war eine glatte sechs.
    Man muß sich schon vorher informieren bevor man so einen Quark von sich gibt.
    Die liebe Frau Merkel war sehr Linientreu FDJ-Funktionärin für Propaganda und Agitation durfte in Moskau studieren. Sie war alles aber kein Bürgerrechtler sie ist rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen
    um sich einen Platz an den Fleischtöpfen zu sichern. Ein typischer Wendehals eben.

  3. eva sagt:

    Doch, das tun Sie. Mobilisieren Sie in Berlin erst mal 1000 Demonstranten.

  4. Scholze sagt:

    @eva
    Ich gebe mir keine Mühe die Opposition kleinzureden.
    Es ist nun mal ein Fakt das in Prozenten ausgedrückt sie keine Rolle spielt.
    Wenn 6 bis 10.000 Menschen in Moskau ,St. Petersburg auf die Straße gehen
    ist es nun mal ein verschwindend geringer Teil. Von gesamt Russland gar nicht erst zu reden.
    Im Verhältnis ungefähr so als wenn 1000 in Berlin demonstrieren.

  5. eva sagt:

    Sie geben sich wirklich die grösste Mühe Nemzow und die Opposition kleinzureden, aber die Teilnehmerzahlen an den Trauerkundgebungen sprechen gegen Sie.

  6. eva sagt:

    Verbeissen Sie sich mal nicht zu fest in den amerikanischen Stiefel.

  7. Scholze sagt:

    Einen einst prominenten Mann nachts auf der Straße in den Rücken schießen ist zweierlei: erstens feige, zweitens aufsehenerregend.
    Nemzow, ein abgehalfterter Politiker der Jelzin-Ära, hat das so wenig verdient wie irgendeiner.
    Wer hätte ein Interesse daran, einen Politiker zu töten, dessen Wirkungskreis trotz massiver Unterstützung durch die Botschaft der USA und McCain persönlich kaum noch in Promille quantifizierbar ist?
    Kai Diekmann vielleicht, der für seine BILD einen neuen Anti-Russland -Märtyrer erschaffen kann.

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