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„Wespenstiche“ – Gerichtsstreit unter fünf Petersburger Avantgardekünstlern

Von   /  6. August 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Vier Petersburger Künstler verklagten ihren Kollegen Sergei Bugajew, besser bekannt als „Afrika“. Sie entdeckten 25 ihrer Arbeiten, die Ende der Achtzigerjahre verschwunden waren, überraschend in Bugajews jüngster Ausstellung „Assa (Die Wespe) – die letzte Generation der Leningrader Avantgarde“ in der Akademie der Künste.


Die Bilder von Oleg Saika, Evgeni Koslow, Ilana Sawtschenko und Oleg Maslow, die bis 1990 der Künstlergruppe „Neue Künstler“ angehörten, verschwanden laut ihren Aussagen während der ersten Ausstellungen im Ausland. Erst 2013 entdeckten die vier ihre Kunstwerke in der Ausstellung, die von der Akademie der Künste und dem „Institut des Neuen Menschen“ von Sergei Bugajew organisiert worden war und staunten nicht schlecht.

Zuerst versuchten sie Bugajew mündlich dazu zu überreden, ihnen die Bilder zurückzugeben, doch dieser gab ihnen zu verstehen, dass sich die Angelegenheit nur vor Gericht lösen lasse. Vorläufig fordern die vier lediglich die Rückgabe der Bilder, von einer finanziellen Kompensation war bisher nicht die Rede, schreibt Fontanka.ru. Möglicherweise wird sich den Klägern noch der Avantgarde-Künstler Andrei Chlobystin anschliessen – er hatte in derselben Ausstellung in Moskau vor zwei Jahren eines seiner Bilder gesehen.

Nicht der erste Prozess gegen Bugajew

Es ist nicht das erste Gerichtsverfahren, in das Bugajew – eine schillernde Persönlichkeit der Perestroika-Zeit – verwickelt ist. Die Petersburger Künstlerin Olga Turbeluts verklagte Bugajew bereits, weil er ohne ihr Einverständnis ein Bild als Titelillustration für sein Kulturmagazin „Aktivist“ verwendet hatte. Sie sei traurig, dass für Bugajew der Besitz wichtiger sei als die Freundschaft, meinte sie.

Zwar wurde bisher kein Wert der Bilder genannt, doch haben Kunstwerke aus den Achtziger- und Neunzigerjahren als viele freie Künstler in Russland noch im Untergrund arbeiten mussten, heute einen stattlichen Wert und sind in zahlreichen namhaften Sammlungen vertreten. Bugajew muss nun versuchen, durch Verträge oder Kaufquittungen zu beweisen, dass er ordnungsgemäss in den Besitz der Bilder gekommen ist.

Vertreter der „Pop-Mechanik“

Der Musikant und Künstler Sergei Bugajew wurde 1966 im südrussischen Noworossijsk geboren und kam in den Achtzigerjahren ins damalige Leningrad, wo er bald als Vertreter der „Pop-Mechanik“ bekannt wurde und in verschiedenen Gruppen, wie „Kino“ oder Aquarium“ spielte. In dieser Zeit legte er sich das Pseudonym „Afrika“ zu und trat der Künstlergruppe „Neue Künstler“ um Timur Nowikow bei.

Landesweit bekannt wurde er 1987 in der Hauptrolle des Musikers „Banana“ im Film „Assa“ (Die Wespe“), der zu einem Kultstreifen jener Zeit avancierte. Es folgte eine steile Karriere als Musiker und Künstler – er nahm an zahlreichen Ausstellungen und Filmprojekten im In- und Ausland teil und vertrat Russland 1999 an der Kunstbiennale in Venedig.

Seine Werke werden heute in bedeutenden Museen der Welt gezeigt. 2007 gründete er den Fond „Institut des neuen Menschen“ und 2012 warb er während des Präsidentenwahlkampfs als „Vertrauensperson“ für Wladimir Putin.

Bild: Ria Novosti/ Jekaterina Tschesnakova

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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