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Werbung für deutsche Marken wurde aus dem Stadtbild entfernt

Von   /  18. Januar 2014  /  Keine Kommentare

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dp/rian/mm. –  Unmittelbar vor dem 70-jährigen Jubiläum der Beendigung der Leningrader Blockade sind Stadtbeamte in Sankt Petersburg mit einer Initiative offenbar über das Ziel hinausgeschossen: Bis zum Ende der Feierlichkeiten soll die Innenstadt Außenwerbung deutscher Firmen befreit bleiben.

Die städtische Werbeverwaltung in der Newa-Metropole hat die Werbeagenturen in einem Schreiben aufgefordert, vom 15. Januar bis zum 27. Januar die öffentlichen Plakatwände ohne deutsche Marken zu verwenden. Besonders in der Nähe der zentralen Verkehrsadern und rund um die Friedhöfe soll Werbung für deutsche Produkte entfernt werden. Am 18. Januar 2014 jährt sich zum 70. Mal der Tag des Durchbruchs der Leningrader Blockade, während der die deutsche Wehrmacht 872 Tage lang versucht hat die Bevölkerung des heutigen St. Petersburg auszuhungern.

Angesichts dessen ist man in der Stadtverwaltung von Sankt Petersburg offenbar zum Schluss gekommen, dass die Werbung für deutsche Waren die Veteranen der Blockade schwer beleidigt, schreibt das Internet-Portal von „Delowoi Peterburg“. Nach dem 27. Januar, dem Jahrestag der Beendigung der Blockade, die nach Schätzungen mehr als einer Million Zivilisten das Leben gekostet hatte, dürfen die Werbeplakate freilich wieder auf ihre angestammten Plätze zurückkehren.

Der TV-Sender NTV hatte am Donnerstag berichtet, das Werbe-Verbot sei von der Stadtverwaltung beschlossen worden, um „soziale Konflikte zu vermeiden“. Die Behörde dementierte, je eine solche Anweisung gegeben zu haben und bezeichnete die Sache als Provokation. Wie NTV weiter ausführte, betreffen die Beschränkungen deutschsprachige Aufschriften. Die Kosten für die Aktion sollten die russischen Werbefirmen tragen.

„Russen unterscheiden zwischen Deutschen und Nazis“ 

„Am 15. Januar wurden dann tatsächlich Schilder abmontiert“, bestätigte die Leiterin der Vertretung der Handelskammer Hamburg in St. Petersburg, Gabriele Kötschau, gegenüber RIA Novosti. Bei allem Respekt vor den Leiden im Zweiten Weltkrieg und dem Dank, der dem sowjetischen Volk gebühre, sei die Bestrafung deutscher Firmen mit dem Werbeverbot rund um das für die Bevölkerung wichtige Datum „der falsche Weg“, meint die ehemalige Vizepräsidentin des Landtages von Schleswig-Holstein.

Da die Reklame-Pause aber eine „begrenzte Sache“ sei und „nichts, das von der Stadt insgesamt oder vom Volk ausgeht, sondern offenbar nur von einer einzelnen Behörde“, werde die deutsche Seite von Reaktionsschritten absehen, sagte die Leiterin der Handelsvertretung. „Die Russen unterscheiden sehr wohl zwischen den Deutschen und den Nazis und sehen deutsche Waren auf dieser Grundlage als absolut attraktiv“, so Kötschau weiter. Die beliebten deutschen Marken würden dabei in keiner Weise mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht.

Beleidigende BMWs?

Wie viele Reklametafeln insgesamt der vorübergehenden „Degermanisierung“ weichen mussten, konnte vorerst nicht in Erfahrung gebracht werden. Fünf Werbungen der Elektrohandelskette Media Markt wurden entfernt, verriet der Werbeanbieter Wolgobalt Media der Petersburger Wirtschaftszeitung. Der Elektronikhändler, der in Russland mit dem Slogan „Fantastisch Markt“ wirbt, ist laut den Zeitungsangaben über die Initiative nicht informiert.

„Man kann natürlich überall bis ins Absurde gehen“ kommentierte der Direktor der Entwicklungsabteilung von Axel-Group, einem russischen Vertragshändler von BMW und Volkswagen, Igor Sedow den Vorstoß. „Aber die Entfernung von Plakaten, nur weil es deutsche Marken sind, ist meiner Meinung nach Unfug.“
Absurd kommt den Journalisten des Petersburger Blatts an der Initiative nicht nur der Umstand vor, dass die betreffenden Firmen nicht mit den Verbrechen der Nazis in Verbindung stehen, sondern auch die Selektivität der Maßnahme. So könnte ja bald auch Produkte der Achsenmächte  wie Pizzerien und Sushi Bars „beleidigen“ und temporär verboten werden.

Foto: Mediamarkt.ru

www.dp.ru

www.rian.ru

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