Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Wachsende Arbeitslosigkeit in Russland für 2016 erwartet

Von   /  26. Januar 2016  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- 2016 könnte die Arbeitslosigkeit in Russland die Sechs-Prozent-Marke erreichen oder gar übersteigen. Am meisten sind Staatsangestellte sowie Mitarbeiter von kleinen und mittleren Unternehmen betroffen. Die Energiekonzerne planen bisher keinen grösseren Abbau von Arbeitsplätzen.

Bereits 2015 hatte die Arbeitslosigkeit mit 4,264 Millionen Personen im Vergleich zu 2014 um 7,4 Prozent zugenommen. Im Dezember 2015 waren bereits 4,426 Millionen Menschen ohne Stelle, das sind 9,5 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahrs, schreibt Gazeta.ru. Laut dem russischen Arbeitsministerium kann die Arbeitslosigkeit von 5,8 Prozent (November 2015) auf sechs Prozent ansteigen.

Zu Massenentlassung ist es laut Arbeitsminister Maxim Topilin bisher nicht gekommen, doch wurden 2015 landesweit bereits fünf Streiks mit einer Teilnehmerzahl von insgesamt 833 Personen registriert. Die Regierung will den Arbeitsmarkt mit rund fünf Milliarden Rubel unterstützen – im Vorjahr wurden dafür 3,9 Milliarden ausgegeben. 2015 wurden gesamthaft rund 633.000 Entlassungen fixiert. Momentan wird die Zahl gefärdeter Arbeitsplätze mit zirka 631.000 beziffert.

Bankenbranche schon seit 2009 im Reformprozess

Die Energiekonzerne wie Gazprom oder Lukoil, die in den vergangenen Jahren gut gelebt hatten, haben trotz des fallenden Ölpreises bisher nicht vor, Personal abzubauen. Im Krisenjahr 2008 wurden zwischen fünf und zehn Prozent des Personals gekündigt. Auch der Metallsektor vermeldet trotz fallender Preise den Status „alles wie bisher“.

Die Bankenbranche befindet sich schon seit der Krise von 2008/09 in einer Reformphase. Die Sanktionen sowie der Lizenzentzug für viele Banken durch die Zentralbank haben die Lage weiter verschärft. Darum könnten hier zehn Prozent der Angestellten die Stelle verlieren. Bei den staatlichen Banken, wie VTB und Sberbank sieht die Lage besser aus. Sie haben bereits im letzten Jahr einen Personalabbau von teilweise bis zu zehn Prozent vorgenommen.

Entlassungen und Arbeitskürzungen in der Autobranche

Die Transportbranche erlebte 2015 durch die Schliessung der Fluggesellschaft Transaero einen schweren Einbruch. Allerdings übernimmt Aerflot einen grossen Teil der Flüge von Transaero und plant daher die Schaffung von rund 6000 neuen Arbeitsplätzen. Die Gesellschaft „Jutair“ hat ihr Personal 2015 radikal um rund 42 Prozent gekürzt, kommentierte diesen Schritt jedoch nicht. Die Staatsbahnen RZD plant keine bedeutenden Entlassungen.

Die Autobranche befindet sich bereits seit 2009 in einer schweren Krise, so entliess beispielsweise der Avto-VAZ-Konzern in Toliatti schon damals mehr als 27.000 Mitarbeiter und setzte die Personalkürzungen fort. So waren im September 2015 14 Prozent weniger Angestellte registriert als im Jahr zuvor. Aber auch die anderen Autowerke mussten Federn lassen Ford entliess seit 2014 rund 700 Personen, alle weiteren mussten Arbeitskürzungen einführen.

Handel: Lohnkürzungen statt Entlassungen

Bei den kleinen und mittleren Betrieben liegen die Entlassungszahlen je nach Abhängigkeit vom Rubelkurs zwischen 20 und 45 Prozent. Die Baubranche hatte 2015 Rückgänge zwischen 15 und 20 Prozent zu verzeichnen, was sich sofort auf alle Zulieferbranchen auswirkte. Die Zahl der gefährdeten Arbeitsstellen wird mit rund 7,5 Prozent beziffert.

Trotz der schwierigen Situation wollen die über 80 Prozent der befragten Handelsunternehmen die Krise eher durch Lohnkürzungen zwischen 10 bis 15 Prozent als mit Entlassungen abfedern. Gefährdet sind in erster Linie Stellen in der Administration, Buchhaltung und im IT-Sektor.

Abbau im Gesundheitsbereich

Unter dem Motto „Optimisierung“ werden bereits seit 2014 Stellen im staatlichen Gesundheitsbereich gestrichen. Dies betrifft sowohl Ärzte wie auch PflegerInnen. Die Situation ist in jeder Region verschieden. Moskau setzt trotz des bereits vorgenommenen Abbaus der letzen Jahre Kürzungsmassnahmen in Form von Schliessungen ganzer Krankenhausabteilungen fort.

Die Zahl der Staatsbeamte soll nach einer Verfügung von Premier Medwedew 2016 um rund 10 Prozent gekürzt werden. Dies betrifft jedoch nicht den Sicherheitsbereich, Polizei und Geheimdienst, deren Personalpolitik vom Präsidenten bestimmt wird.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.gazeta.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Kommentar: Krise? Was für eine Krise?!

Typisch Russland: Neujahrssorgen eines russischen Unternehmers

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Folter-Video aus Jaroslawer Strafkolonie veröffentlicht

mehr…