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Vom Herrnhuter-Sitz zum Firmengebäude im europäischen Stil: das Senfhaus in Sankt-Petersburg

Von   /  20. Juli 2012  /  Keine Kommentare

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Von Anna Smoljarowa

Sankt-Petersburg wurde gegründet als eine Stadt, die für Russland das Tor nach Europa öffnete. In den Zeiten, als die Hauptstadt sich auf der Newa-Ufer befand, existierten hier mehrere in Europa verwurzelte Kontore. In einigen Gebäuden kann man noch heute Geschichte und Traditionen der früheren Besitzer spüren.

Zu diesen Gebäuden gehört zum Beispiel das „Senfhaus“, oder „das Haus der „Sarepta Gesellschaft“ an der Jakubovitsch-Straße, wo die Herrnhuter Brüdergemeine in Russland „Sarepta“ von 1766 bis 1892 ihr Zentrum in Hauptstadt hatte. Die Gesellschaft bekam dieses Haus dank einem direkten Erlaß von Katharina II. Die Herrnhuter leisteten einen großen Beitrag zu der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands: Das „Handelshaus der Sarepta Gesellschaft“ gehörte zu den Gründern der ersten Privatbanken in Russland.

Die Herrnhuter gründeten in der Wolgaregion ein Kerzenwerk und die erste Seifensiederei, begannen Kartoffeln und russischen Senf anzupflanzen. Der Sarepta-Senf gab dem Haus der Gesellschaft in Sankt-Petersburg seinen Namen – sogar seine Wände sind senffarben. Heute befindet sich in dem „Senfhaus“ das Nowo-Isaakiewskij Bürozentrum, das Verbindungen mit der ganzen Welt besitzt. Die Deutsche Bank, die United States Chamber of Commerce und Tbricks haben hier ihre Büros. Bei vielen Russen ist das Gebäude als „Bürovilla“ bekannt.

Historisches Gebäude für jedermann zugänglich

Das Nowo-Isaakiewskij-Bürozentrum versucht, die Geschichte des Gebäudes den Mietern und Stadtbewohnern nahe zu bringen. „Als Petersburger Haus mit Geschichte sind wir offen für Besucher und nehmen am Stadtleben teil. Wir unterstützen diese „europäische“ Richtung der sozialen Verantwortung eines Geschäfts, im Gegensatz zu  den Bussines-Centers hinter ihren Schutzzäunen, den Privatpalästen und den für fremde Augen geschlossenen Villen“, sagt Valerija Semenowa, Marketingleiter des Bürozentrums.

Das Interieur unterscheidet sich gründlich von den Räumen der üblichen Bürozentren: Die Treppen wurden zu einer Bildergalerie, in der man historische Bilder und Fotos von Sankt-Petersburg vom Anfang des XX. Jahrhunderts sehen kann. Einige Büros befinden sich in Raum unter der Gewölbedecke oder im früheren Gebetssaal, wo alle historische Details erhalten sind.

Verschlossenheit und Sterilität sehr verbreitet

Es mangelt anderen Bürozentren im historischen Stadtzentrum entweder an Aufmerksamkeit gegenüber ihrer Geschichte (dann findet man eine sterile Innenausstattung vor) oder an Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit. Als Beispiel nennt Valerija Semenowa den Sitz der Firma „Rive Gauche“-Firma im „Depo“-Gebäude, dessen Schönheit nur das Personal zu sehen bekommt.

Hohe Anerkennung zollt sie der „Danilowskaja Manufaktur“ in Moskau, die laut Valerija Semenowa für die Geschäftsführer Irina Ruduchina als Vorbild für das eigene Unternehmen gedient hat. Fahrradparkplätze, umweltfreundliche Beleuchtung, Bildergalerien auf den Treppen – Erscheinungsformen europäischen Stils charakterisieren darum auch das„Nowo-Isaakiewskij“- Firmengebäude.

Laut Semenowa hat das Gebäude einen Einfluss auf die Wahrnehmung der Stadt durch die Ausländer. Gleichzeitig werden durch die Offenheit und die angenehme Atmosphäre auch Mitarbeiter der dort niedergelassenen Fimen motiviert.

Bilder: MIXOR Studio

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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