Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Verweigerte Behandlung: Vier krebskranke Strafgefangene sterben in Petersburger Gefängnissen

Von   /  16. Mai 2016  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Seit April sind in Petersburger Gefängnissen vier schwer krebskranke  Insassinnen gestorben, nachdem ihnen die Freilassung für eine angemessene Behandlung verweigert wurde. Anwälte und Ombudsleute kämpften vergeblich für deren Rechte.

Am 16. Mai starb eine 55-jährige Frau, bei der die Ärzte Krebs im vierten Stadium diagnostiziert hatten, schreibt die „Nowaja Gazeta“. Noch am 20. wollte sie gegen ein Gerichtsurteil einreichen, das ihr die Freilassung zwecks Behandlung verweigert hatte – doch sie starb vorher, sagte ihr Anwalt.

Schon Ende April war eine 37-jährige Frau nach der Untersuchung im Doktor-Haas-Gefängniskrankenhaus in die Strafkolonnie zurückgebracht worden, praktisch um zu sterben, weil ihr die Möglichkeit für eine Spezialbehandlung verwehrt wurde.

Krebs, Aids, Hepatits C

Im selben Spital waren zuvor die 28.-jährige Maria D. und die 37-jährige Oxana S. gestorben. Neben Krebs im vierten Stadium waren die Frauen an Aids und Hepatitis C. Auch sie hatten das Gerichtsurteil angefochten, hatten jedoch nicht bis zum Entscheid gelebt.

Auch die Forderung des Europäischen Menschenrechtshofs, die beiden entweder für eine Behandlung freizulassen oder ihnen als Gefangene eine angemessene Behandlung zukommen zu lassen, waren vergeblich.

Russland ist europäischer Leader bei Toten in Haft

Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika hatte Ende April in einem Vortrag die hohe Sterblichkeit in russischen Gefängnissen auf die schlechte medizinische Versorgung zurückgeführt. Als besonders schwierig bezeichnete er dabei die Situation eingesperrter Aids-Kranken, von denen es über 62.000 gibt.

Laut einer europäischen Statistik führte Russland in den letzten Jahren die Rangliste sowohl bezüglich der Zahl der Strafgefangenen, wie auch der Anzahl Toten in den Lagern und Gefängnissen. 2015 starben dort knapp 4000 Verurteilte.

Wegen der Verschlechterung der Versorgung mit Medikamenten hat sich auch die Situation für Krebs- und Aidskranke im allgemeinen verschlechtert. In den vergangenen Monaten kam es sogar zu Selbstmorden unter Schwerkranken, die ihre Medikamente und Schmerzmittel nicht erhielten.

Bild: Wikimedia Commons

www.newsru.com

www.novayagazeta.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Häftlinge unternehmen Selbstmordversuch während Verlegung

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

WM2018: Kalte Dusche kühlt das Fussball-Fieber ab

mehr…