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Verhaftungen an Demo für Versammlungsfreiheit und „Marsch zum Smolny“

Von   /  1. April 2011  /  Keine Kommentare

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eva.- Dank frühlingshafter Temperaturen kam es gestern zur ersten grossen Demo für Versammlungsfreiheit, wie sie traditionsgemäss am jeweils 31. des Monats stattfinden. Die verschiedenen oppositionellen Gruppierungen hatten im Vorfeld eine Versammlung mit Marsch im Stadtzentrum bei der Stadtregierung angemeldet, doch wurde keiner der Vorschläge genehmigt.
Trotzdem – und mit Berufung auf eben jenen Verfassungsartikel 31, der Versammlungsfreiheit garantiert, kamen die Anhänger der „Strategie 31“ beim Gostiny Dwor zusammen und machten sich auf zum Regierungssitz im Smolny-Palast. Die Veranstalter sprachen von rund 300 Personen, die am Marsch teilnahmen.

An der Spitze gingen prominente Oppositionspolitiker, unter ihnen Boris Nemzow, der auf dem Weg sein jüngstes Pamphlet „Putin.Korruption“ verteilte und viele Abnehmer fand. Obschon die Polizei mit mindestens einer Hundertschaft von Beamten und Omon-Truppen präsent war und die Situation aus der Luft per Helikopter kontrollierte, gelang es den Demonstranten mehrmals die Sperren zu durchbrechen.

Nemzow wollte per Bus zum Smolny

Nach und nach wurden jedoch Protestteilnehmer festgenommen und in Busse zum Abtransport aufs Revier abgeführt – die Polizei spricht von insgesamt 100 Personen.
Als der Zug bereits auf dem Suworowski-Prospekt auf der Höhe der 7. Sowjetskaja Uliza angelangt war, entschloss sich Boris Nemzow auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen, um die Sperre zu umfahren. Doch der Chauffeur weigerte sich, weiter zu fahren, und Nemzow wurde abgeführt.

Unter den Festgenommenen befindet sich auch ein Team des georgischen Fernsehkanals. Die Laut Fontanka.ru sind die beiden Journalisten daran, einen Dokumentarfilm über den Skandal um die verschwundenen Spendengelder des Benefiz-Konzerts mit Ministerpräsident Putin und die kremlkritische Künstlergruppe „Woina“ zu drehen. Sie wurden mit der Begründung festgenommen, dass sie keine offizielle Presse-Weste trugen, keinen Pass bei sich hatten und ihre Akkreditierung abgelaufen war.

Mitglieder der Künstlergruppe „Woina“ festgenommen

Auf die Wache mussten auch „Woina“-Mitglieder, die erstmals offiziell an der Protestversammlung teilgenommen hatten. Die Künstlergruppe wurde im vergangenen Jahr auf einen Schlag bekannt, als ihre Mitglieder einen riesigen Penis auf eine Newabrücke beim Petersburger Polizeihauptquartier malten, die kurz darauf hochgeklappt wurde.

„Woina“-Mitglied Oleg Worotnikow, der mit seiner Frau und seinem Kind in Haft geriet, soll während der Haft geschlagen worden sein – im Krankenhaus wurden Prellungen und Schürfungen festgestellt. Sein Anwalt erhielt erst nach mehreren Stunden Zutritt zum Polizeirevier, wohin Worotnikow gebracht worden war.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold
Galerie: Andrey Fokin

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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