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Veloverleih ab Juni: Petersburg strampelt sich frei

Von   /  3. April 2014  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Im kommenden Juni – pünktlich zum internationalen Wirtschaftsforum (PEMF) – wird in Petersburg ein Netz für den Verleih von Fahrrädern aufgebaut. Trotz erheblicher technischer und politischer Hürden sind die Zweiräder in der Stadt auf dem Vormarsch (Fotogalerie).

An 30 Stationen unweit von Metrostationen, Bahnhöfen, Parks, Hotels und dem Lenexpo-Messegelände sollen im Sommer Fahrräder verfügbar sein, gab der Alexander Mischkewitsch, Vorsteher des Komitees für die Entwicklung der Transport-Infrastruktur bekannt. Das Projekt, das von der Bank Moskwy gesponsert wird, ist ein Versuchsballon, dem bei Erfolg und der Bewilligung von Geldern die lange versprochenen Radwege in der Stadt folgen sollen.

Gleichzeitig soll der Radverleih die Stadtbevölkerung stimmulieren, auf den Drahtesel umzusteigen. Das Angebot von Mietvelos war bereits in anderen Städten mit mangelnder oder fehlender Rad-Infrastruktur der nötige Anstoss, um mit der Anlegung von Radwegen zu beginnen. Während der Sommersaison können die Leute am Abend eine kleine Fahrt unternehmen oder das Rad einfach zur Überbrückung von unpraktischen ÖV-Verbindungen benutzen und ganz einfach begreifen wie praktisch ein Rad sein kann.

Moskauer Radverleih als Vorbild

Das Verleihsystem löst ausserdem viele Probleme, derentwegen man in Russland auf ein eigenes Rad verzichtet hat: Platzmangel, unpraktische Lifte, Diebstahl. Das weitgehend flache Gelände und die breiten Trottoirs bieten schon jetzt eine sehr gute Möglichkeit, sich per Velo zu bewegen, auch ohne Radwege.

Ein ähnliches Projekt hat die Bank Moskwy schon im vergangenen Jahr in Moskau realisiert, wo im Sommer 79 Verleihstationen mit insgesamt 1000 Rädern in Betrieb genommen wurden. Die erste halbe Stunde Radfahren war kostenlos, eine Stunde kostete 30 Rubel, zwei Stunden 90 Rubel und drei Stunden 300 Rubel. Auch eine langfristige Miete war möglich – für einen Tag 100 Rubel, eine Woche 250 Rubel, ein Monat 450 Rubel und eine Saison 950 Rubel.

Registrierung im Internet genügt

Um den Radverleih in Anspruch zu nehmen, genügte, sich auf der Webseite „Velobike“ zu registrieren. 14 Räder gingen während der ganzen Seite verloren – eine gute Bilanz. Im Mai wird der Moskauer Radverleih bereits mit 5000 Rädern an den Start gehen. Das Modell der Hauptstadt soll den Petersburgern als Vorbild dienen. Vorerst sind in Piter 300 Räder vorgesehen, und die erste halbe Stunde soll ebenfalls gratis sein.

Grundsätzlich ist der Veloverleih ein Erfolgsrezept – weltweit gibt es über 200 Programme. Es gibt jedoch auch negative Beispiele, so wurden zum Beispiel kürzlich in Kopenhagen und Helsinki die Radverleihs geschlossen. Allerdings lag dies entweder daran, dass die Fahrräder kostenlos vergeben wurden und damit nicht kostendeckend waren oder die Räder zu wenig benutzt wurden, weil die Bevölkerung auf den eigenen Drahtesseln unterwegs ist. Beides ist in Petersburg bis anhin nicht der Fall.

Die grössten Probleme werden der Unterhalt der Stationen im Winter, Vandalismus und Diebstahl sein. Immerhin sind die Mietvelos gut geschützt gegen Beschädigungen, und die sehr aktive Velo-Gemeinde der Stadt wird sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Projekts einsetzen.

Bild Wikimedia Commons

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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