Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Umstrittene Umbaupläne des Russischen Museums in Petersburg

Von   /  10. März 2016  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Ausgerechnet im Krisenjahr 2016 plant das Russische Museum mit der kostenspieligen Überdachung der Innenhöfe des Michailow-Palasts nach dem Vorbild der neuen Eremitage zu beginnen. Am bereits 14 Jahre alten Projekt scheiden sich die Geister der Museumsleitung, der Architekten, Denkmalschützer und Kunsthistoriker.

Lange wurde darüber gemunkelt, schliesslich gab der Direktor des Russischen Museums Wladimir Gusew anfang März eine Pressekonferenz zum geplanten Überdachung der Innenhöfe im Hauptgebäude des Museums. Die Pläne für diese Modernisierung existieren bereits seit 2002 in Form von Entwürfen des Moskauer Architekten Michail Filippow, das bereits vom Kulturministerium bewilligt wurde.

Wie Direktor Gusew ausführte, gibt es drei Gründe für den Umbau. Erstens war der Michailwo-Palast nicht als Museum konzipiert, so dass gewisse Bereiche des Gebäudes wie der Eingang für den Museumsbetrieb noch heute sehr unpraktisch sind. Zweitens fehlt es der Administration an Platz, und das Museum besitzt keinen Konferenzsaal. Drittens werden die Innenhöfe des Palasts im Winter mit Schnee überhäuft und sind sehr schwer zu reinigen.

Panoramalift und Ausstellungsräume

Gemäss dem Projekt von Filippow würden die beiden Innenhöfe mit Glasdächern versehen und Museumsräumen versehen. Der eine würde mit einem Panorama-Lift ausgerüstet, im zweiten würden drei bis vier Etagen eingebaut, in denen Geschäfte und Ausstellungssäle Platz finden würden. Das Museum könnte dank der zusätzlichen Fläche, mehr Exponate ausstellen, die momentan in den Magazinen lagern. Laut Gusew könnte bereits zur Jahresmitte mit dem Umzug und den Vorbereitungsarbeiten begonnen werden.

Noch wurden allerdings nicht alle nötigen Dokumente bestätigt, es gibt zahlreiche Gegner des Projekts mit gewichtigen Argumenten. Allen voran kommen die hohen Kosten. Wie Fontanka.ru und online812.ru schreiben, ist die Finanzierung des knapp 2,5 Milliarden Rubel teuren Projekts noch nicht geklärt. Zudem erscheint es seltsam, ein so kostenspieliges Projekt ausgerechnet zu Zeiten der tiefsten Wirtschaftskrise im Land zu realisieren.

Kritiker: Umbau teuer, Umzug unnötig

Ein Entscheid der Weltbank über einen Beitrag, der acht Prozent der Kosten decken würde, steht noch aus. Die übrigen 92 Prozent müssten von Staat, Stadt und Museum getragen werden. In diesem Zusammenhang zog Gusew die mögliche Einführung von Eintrittsgebühren für den Sommergarten in Betracht, die noch vor kurzem abgelehnt worden waren.

Bezüglich Finanzen wird auch der geplante Umzug der Ausstellung und Administration für die Dauer von fünf oder mehr Jahren kritisiert. Der Umzug sei im Grunde genommen unnötig und diene nur dazu, die Kosten des Projekts unkontrolliert in die Höhe zu treiben. Betroffen davon wäre auch die wissenschaftliche Bibliothek des Museums, die geschlossen werden müsste.

Ursprüngliches Projekt abgeändert

Schliesslich stellen sich auch viele Denkmalschützer dem Umbauprojekt entgegen und argumentieren damit, dass die vorgesehenen Änderungen an historischen Gebäuden wie dem Michailow-Palast schlichtwegs unzulässig sind.

In diesem Zusammenhang wird bemängelt, dass die ursprünglichen Baupläne, welche dem urspünglichen Bau adaptiert waren, massiv verändert und gestutzt wurden. Gusew nannte dies Funktionalität, die Gegner sprechen von einer Entstellung des Palastgebäudes. Der Entscheid des städtischen Denkmalschutzamt KGIOP in dieser Frage steht noch aus.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

www.online812.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Eintritt in den Petersburger Sommergarten bleibt frei – vorläufig

Petersburger Sommergarten wird nach dreijähriger Rekonstruktion eröffnet

[ad#ad-3]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Entführung eines Homosexuellen nach Tschetschenien verhindert

mehr…