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Umfrage: Wann ist man russisch?

Von   /  24. Februar 2014  /  1 Kommentar

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TOPTICKER.- Der wichtigste vereinigende Faktor der Russen ist ihre Staatsbürgerschaft, wie eine Studie des soziologischen Forschungszentrums „Öffentliche Meinung“ (russ. Abk.: WZIOM) zum Thema „Moderne russische Identität“ ergab, schreibt die Zeitung „Iswestija“. Die Experten definieren Identität als eine Eigenschaft der menschlichen Psyche, sich selbst mit unterschiedlichen sozialen, nationalen, beruflichen, sprachlichen, politischen, religiösen und anderen Gruppen zu vergleichen.

Für einen Staat ist die nationale Identität des Volkes am wichtigsten, weil sie die Nation prägt. Mit anderen Worten: Die Nation ist eine „imaginäre politische Gemeinschaft“, deren wichtigste Merkmale die Abgrenzung zu anderen Nationen und der Anspruch auf Selbstständigkeit sind. Anhand der Studienergebnisse behaupten die WZIOM-Experten, dass in Russland in den mehr als 20 Jahren der Unabhängigkeit eine einheitliche Nation entstanden sei, und zwar nicht nach nationalen, sondern nach bürgerlichen Merkmalen. 57 Prozent der Befragten sehen sich als russische Bürger. 63 Prozent sind stolz auf ihre russische Staatsbürgerschaft. Eine regionale Selbstidentität lässt sich bei nur 35 Prozent der Befragten beobachten.

Jeweils 16 Prozent identifizieren sich mit ihrer Generation (1960er-Jahre, Zeit des Stagnation in den 1970er- bzw. frühen 1980er-Jahren, Perestroika in den späten 1980er-Jahren, 1990er-Jahre und mit ihrer Nationalität – Russen, Tataren, Ukrainer usw.). Moderne Nationen entstünden aufgrund gemeinsamer Werte und nicht nach dem ethnischen Prinzip, so das Mitglied des wissenschaftlichen Rates von WZIOM Leonti Bysow. Das gelte auch für Russland, wo die Gesellschaft sich unabhängig von ihren ethnischen Wurzeln zu gemeinsamen nationalen Interessen bekenne, betonte er.

Geburt, Sprache, Kindheit

In punkto nationale Identität ist nicht die Zugehörigkeit einer ethnischen Gruppe, sondern des gemeinsamen Staates entscheidend. Für 35 Prozent der Befragten ist man ein Russe, wenn man in Russland geboren und in der russischen Kultur aufgewachsen ist. Für 16 Prozent ist die reine Nationalität ausschlaggebend. 14 Prozent halten diejenigen für Russen, deren Muttersprache Russisch ist.

Viele der Befragten sind bereit, diejenigen als Russen zu betrachten, die seit vielen Jahren in Russland leben, selbst wenn sie anderer Nationalität sind. 44 Prozent der Befragten machen keinen Unterschied zwischen Russen, Ukrainern und Weißrussen, 30 Prozent zwischen Russen auf der einen Seite und Tataren, Baschkiren und Kalmücken auf der anderen Seite. 16 Prozent betrachten die Jakuten, Chanten und Tschuktschen als Russen. Auffallend ist, dass nur sieben Prozent Tschetschenen, Dagestaner und Inguscheten auch als Russen betrachten.

Antikaukasische Stimmung

45 Prozent der Befragten stimmten grundsätzlich dem nationalistischen Motto „Russland den Russen!“ und 51 Prozent dem antikaukasischen Motto „Es reicht schon, den Kaukasus zu füttern!“ zu. Das Gebiet Kaliningrad wird von 85 Prozent und die ukrainische Halbinsel Krim von 56 Prozent der Befragten als Teil Russlands gesehen. Zum Vergleich: Nur 41 beziehungsweise 39 Prozent behaupten dies von Dagestan und Tschetschenien.

Das Misstrauen der Russen gegenüber den nordkaukasischen Teilrepubliken ist nach Einschätzung der Experten eine „Zeitbombe“ für die territoriale Einheit der Russischen Föderation. Die Politiker, die provokante Losungen wie „Es reicht schon, den Kaukasus zu füttern!“ unterstützen, tragen zur Zerstörung der russischen Identität bei, warnte WZIOM-Generaldirektor Valeri Fjodorow. „Denn heute gelten Dagestan und Tschetschenien als „nichtrussisch“ und morgen könnten auch Jakutien oder Tatarstan so wahrgenommen werden.“ (Rian)

Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Ein interessanter Artikel.
    Die Wahrnehmung das die Krim eher zum Nationalstaat aller Reussen gehört als das faktisch dazugehörende Dagestan und Tschetschenien birgt allerdings gerade unter den Umständen des Versuchs einer Redemokratisierung in der Ukraine einigen Sprengstoff.

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