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Übernimmt Abramowitsch die Problem-Baustelle “Neu-Holland”?

Von   /  15. Oktober 2010  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die Bauherrschaft über das ambitöse Bauprojekt auf der Petersburger Kanalinsel “Neu-Holland” wird von der Statregierung neu vergeben, nachdem sich der bisherige Investor Schalwa Tschiriginskow wegen finanziellen Schwierigkeiten zurückgezogen hat und der Vertrag mit Mercury Development gekündigt wurde.

Dieses Mal ist die Vergabe jedoch an eine Bedingung geknüpft, die aufhorchen lässt: Wer an der Ausschreibung teilnehmen will, muss bis am 9. November nicht nur seinen Antrag einreichen, sondern auch ein Depot von einer Milliarde Rubel (rund 30 Millionen Dollar) auf ein Sperrkonto der Bank St. Petersburg einzahlen. Zu den Miteigentümern der Bank gehört auch der Sohn der Petersburger Gouverneurin Sergei Matwijenko – die Bank wurde ohne Wettbewerb ausgewählt. Und bereits am 11. November soll der Sieger bekannt gegeben werden.

Finanzielle „Notbremse“

Dieses Geld wird der Investoren erst nach einer Frist von ein bis drei Jahren zurück erhalten – und nur unter der Bedingung, dass er innerhalb eines Jahres mindestens dieselbe Summe in das Projekt investiert hat, ansonsten fällt das Geld der Stadtkasse zu.

Offiziell wurde diese finanzielle Hürde gewählt, um sich in Zukunft vor zahlungsunfähigen Investoren zu schützen, schreibt der „Kommersant“. Eine ähnliche „Notbremse“ hatte die Stadt vor einigen Jahren bereits bei der Vergabe von Genehmigungen für den Bau von Tankstellen eingebaut.

Nur Abramowitsch verfügt über solche Mittel

Gleichzeitig erscheint diese Begründung zweifelhaft, denn von den möglichen Mitbewerbern um den Auftrag scheint nur einer im Stande, die Bedingungen wirklich zu erfüllen: der Multimilliardär Roman Abramowitsch. Um so mehr als dass es sich bei „Neu-Holland“ um eine äusserst delikates Projekt handelt, das vergleichsweise wenig Geld abwirft und höchstens Prestige-Gewinn bringt.

Auf der ehemaligen Werft zwischen Moika- und Admiraltiiski-Kanal, die zur Zeit Peters des Grossen gebaut wurde, soll ein multifunktionales Zentrum entstehen, das neben einem Konzertsaal, ein Hotel, Geschäfte, ein dreistöckiges unterirdisches Parkhaus sowie ein Museum umfasst. Obschon das bisherige Projekt des britischen Star-Architekten Norman Forster strenge denkmalschützerische Auflagen enthielt, wurden bereits wertvolle historische Gebäude beschädigt.

Kosten sind „explodiert“

Dies und die Nichteinhaltung der Fristen führten dieses Jahr zur Kündigung des Vertrags mit dem bisherigen Investor Mercury-Development, nachdem Schalwa Tschiriginskow sich aus dem Projekt zurückgezogen hatte. Die Kosten für das neue „Neu-Holland“ waren ursprünglich auf 320 Millionen Dollar festgesetzt worden – aber schon 2008 schätzte man sie auf 800 Millionen Dollar – nicht zuletzt wegen des Parkhauses. Danach versuchte man vergeblich das Projekt zu verbilligen, musste aber schon dieses Jahr Forsters Pläne überarbeiten lassen.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Mariinski – Neu Holland und Gazprom-Arena: Alles Pleiten, Pech und Pannen?

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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