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Typisch Russland: Psst – hier kauft Piter europäisch ein!

Von   /  30. Juni 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Kaum hat in Finnland der Sommerausverkauf begonnen, staut sich an der Grenze der russische Konsum-Verkehr nach Lappeenranta und Helsinki. Kaufen ist geil – vor allem im Ausland, dabei kann man mittlerweile im Herzen Piters europäisch shoppen.


Die einen fahren nach Finnland, um Waschpulver zu kaufen, weil es russische Hemden scheints weisser wäscht – ja, solchen Unsinn gibt es! Die anderen reisen zur Stippvisite, um „auf europäisch“ eine Tasse Kaffe zu trinken. Bei einem Sprung nach Wien oder Milano wurde ihnen dieser Virus eingepflanzt.

Die ersteren sind meist imun gegen jeden Kosmopolitismus. Sie haben bereits an Ägyptens Stränden geschmort und halten sich darum für weitgereist. Aber im Grunde ihrer Seele steckt noch immer die sowietgemachte Autarkie, der Trotz, es auch ohne oder sogar gegen den Rest der Welt zu schaffen.

Die europhilen Russen schielen hingegen neidischgelb ins Schengenland und möchten auch gerne frei über Grenzen hüpfen. Nur verstehen die wenigsten von ihnen, dass die offenen Grenzen nur das eine sind – echte Europär können mindestens eine Fremdsprache, Towarischi!

Die Unart, Englisch,  Deutsch oder Französisch im ausgetrockneten Teich der Theorie zu üben, um nachher hilflos im Wasser der Praxis zu schwaddern, gehört ebenfalls zum Thema „Made in Soviet Union“. Da staunt die Phil-Fak.- Absolventin aus Piter, wenn die einfache Verkäuferin im Stockmann Helsinki ihr „Oxfordisch“ aus dem Lehrbuch nicht versteht, aber selbst fliessend in sauberem Englisch zurückfragt.

übrigens, um den Stockmann geht es – denn kann der Russe nicht zum Berg, so kommt der Berg zum Russen.    Der Petersburger Stockmann ebenfalls ein steinerner Gigant. Kaum ist das Empörungsgeschrei verhallt, den der Betonklotz ausgelöst hatte als man für seinen Bau einen historischen Häuserblock aus dem Newski-Ensemble mit Stumpf und Stil herausriss, schon ist es mäuschenstill geworden. Psst, man konsumiert, man konsumiert europäisch! Alles vergeben und vergessen!

Hier können russische Damen ihren finnischen Espresso schlürfen und dazu schandhaft teure Schwedentorte gabeln. Hier baumeln die Seppälä – Etiketten von den Kleiderständern – früher ein stichfester Beweis für einen Finnland-Tripp. Hier dreht man sich auf den ovalen Lonsum-Etagen im Kreise bis sich einem alles vor den Augen zu drehen beginnt.

Das Wichtigste daran ist: Die RussInnen brauchen sich hier keinen fremdländischen Schnabel wachsen zu lassen. Jeder Kellner und jede Kassiererin nimmt Bestellungen und übrigens auch Reklamationen im vertrauten Slang entgegen – wenn auch die Reaktion dementsprechend inländisch ausfallen kann.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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