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Typisch Russland: Nicht auf den rechten Weg zu bringen, diese Russen!

Von   /  8. Oktober 2012  /  4 Kommentare

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Von Eugen von Arb

Wie muss ich doch manchmal mit einem verständigen Lächeln wie der grundgütige Pestalozzi selbst den Kopf schütteln ab der Widerbostigkeit der russischen Lausbuben. Die erwachsenen meine ich – denn Lausbuben sind die Russen alle samt und sonders. Wie sie doch immer wieder Regeln und Gesetze mit einem Vergnügen unterlaufen, wie Strolche, die noch mit versoltem Hintern von neuem die Äpfel aus dem Garten des Schulabwarts klauen!

Und wie sie sich gleichzeitig selbst die härtesten Massregeln für ihre Untaten auferlegen, mit dem innigsten Herzenswunsch nun endlich zu europäischen Musterkindern mit lauter Sechsen im Zeugnis zu werden. „Sie müssen wohl erst ihren eigenen Weg finden“, hätte wohl Pestalozzi verständnisvoll dazu gemeint – und hätte damit das passende Stichwort gegeben. Denn das schönste Bild dieses Widersinns sind die verbotenen Wegchen, welche sich die Russen selber trampeln.

Von der Küche eines Wohnblocks aus konnte ich während eines ganzen Jahres beobachten, wie die Bewohner des Quartiers beharrlich den „offiziellen“ Weg zum Hauseingang ignorierten und von zwei Seiten auf „Schleichwegen“ nach Hause gelangten, ganz einfach weil sie näher am Parkplatz bzw. an der Bushaltestelle lagen.

Der asphaltierte und mit Betonrändern eingefasste Weg stand für das Gesetz, die beiden dreckigen, frechen Seitenpfade hingegen für das Leben. Und noch beim übelsten Herbst- oder Frühlingsmonsun stöckelten die russischen Damen auf ihren Bleistiftabsätzen eher durch den Morast des Hühnerpfads als sauber über den  richtigen, beziehungsweise „rechten“ Weg ans Trockene zu kommen.

Ein noch viel dreisteres Beispiel gab es im selben Quartier zu beobachten. Kann man sich vorstellen, dass ein Weg mitten durch einen Eisenzaun durchführt?! Ameisen gleich, die ihren Weg blindlings und ohne Rücksicht auf Verluste durchs Schlafzimmer oder die Waschmaschine marschieren, wenn es die Königin befiehlt, sägten sich die Russen ihren Weg durch die Gitterstäbe, die ein Schulhaus umschlossen.

Die Täter waren keine Einbrecher, sondern einfach Dima oder Petja, die nicht verstanden, warum sie eine Weltreise unternehmen sollten, wenn sie sich mit ihrem Nachbarn Borja treffen wollten, um auf der Kinderschaukel vor seinem Haus ein Bierchen zu trinken. Während eines Sommers konnte ich erleben, dass am selben Ort zweimal der Gitterzaun herausgesägt und wieder fein säuberlich zugeschweisst wurde.

Dazu gibt es eine Anekdote über den „russischen Pestalozzi“ – den Pädagogen Anton Makarenko. Als dessen Institut gebaut wurde, gab er der Legende nach die Anweisung, den Rasen vor dem Gebäude während eines Monats ohne Zugangsweg zu belassen. Er wollte den Menschen überlassen, auf welchen Wegen sie zum Gebäude gelangten. Jene Pfade die am meisten gegangen worden waren, liess er danach asphaltieren. Der Volkswille als „Trampelpfad“ gewissermassen.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

4 Kommentare

  1. Ein wirklich tolles Beispiel was die Russische „Seele“ ziemlich gut wiedergibt. Interessieren würde mich, ob einer weiß wie das Experiment von Anton Makarenko ausgegangen ist? Aus meiner Erfahrung würde ich schätzen er hatte am Ende 5 Wege … :-)

  2. mm sagt:

    Ich finde das System mit der eins bei uns in Deutschland schlechter. Streben wir ja nach weniger. In Russland, sogar in meiner Gesamtschule gabs Noten nach oben, bei uns war eben 15 die beste Note. Waerend man im Rest von Deutschland nicht besser werden kann, kann mann in der Schweiz zumindest eine symbolische 7 vergeben. Eine ähnlich gute Note deklariert den Deutschen zur Null….

  3. eva sagt:

    Ach ja, vielen Dank – immer diese Schweizer, die sind ja auch nicht auf den rechten Weg zu bringen!

  4. realsatire sagt:

    Kleine Anmerkung – Eine Sechs ist wie die 5 in Russland oder die 1 in Deutschland die beste aller Noten.

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