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Typisch Russland: Moskau – Petersburg, eine Hassliebe, die verbindet

Von   /  19. Juli 2010  /  Keine Kommentare

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Von Inna Mezhericher

Alle russischen Mädchen träumen von einem Wohnsitz in Moskau. Fast alle, nur die Petersburgerinnen nicht – denn sie haben ihren eigenen Stolz auf ihre Stadt. Die beiden russischen Hauptstädte verbindet seit jeher eine Hassliebe – der folgende Artikel enthält die populärsten Differenzen und Vorurteile ihrer Bewohner gegenüber ihren “Konkurrenten”.


Was wissen Sie über die grössten Städte Russlands? Moskau ist die Hauptstadt, wo die meisten Denkmäler stehen, und in St. Petersburg gibt es die Weissen Nächte und Klappbrücken? Diese Information kann man in jedem Reiseführer lesen. Aber wissen Sie auch, dass die kulturelle und die “offizielle” Hauptstadt seit mehr als 300 Jahren wetteifern?

Wenn Sie die Petersburger fragen, ob Sie hier die Hauptstadt haben möchten, antworten alle: “Nein, das brauchen wir nicht – Moskau ist die Hauptstadt, bei uns ist es viel besser.” Trotzdem beneiden wir die Moskauer, ein bisschen. Obwohl zwischen uns nur 650 km liegen, trennen uns sehr viele Unterschiede. Wenn die Moskauer nach Petersburg besuchen,  freuen sie sich, wenn wir aber nach Moskau reisen, nerven wir uns – “Was für ein Durcheinander!”

Innert weniger Stunden gelangt man nach Moskau. Unsere Bahnhoefe, der “Moskovsky” und der “Leningradsky”, sind Zwillinge. Sie sind fast identisch, aber nicht absolut: die U-Bahn ist an einem anderen Ort und ihre Farbe ist ist Rot, nicht Blau!

Rot – diese Farbe ist in Moskau überall. Kreml, Roter Platz, U-Bahn, Fussball. Oh, Fussball – hier sind die Städte Todfeinde. In Moskau gibt es viele Fussballclubs: “Spartak”, “CSKA”, “Moskva”, “Dinamo”. Alle tragen die rote Farbe in ihrer Uniform. In der Stadt an der Neva gibt es nur wenig Blau – bei der Metro und beim Fussballklub “Zenit”, dessen Farben sind Blau-Weiss-Hellblau. Einzeln, aber alle Einwohner lieben es.

Wenn sie sich  in Moskau verirren kann ihnen niemand den Weg zu zeigen –  das ist völlig logisch, denn fast die Hälfte der Hauptstädter sind Zugereiste und kennen ihre Stadt überhaupt nicht. In Petersburg empfindet man es als Schande, seine Stadt nicht zu kennen.

Mentalitäten sind sehr verschieden – während Petersburger als höflich und kultiviert gelten, haben die Moskauer den Ruf, grob und unhöflich zu sein. Dazu existiert ein Witz: In der Moskauer Metro macht ein Mann einem Passagier mit einer schweren Tasche seinen Sitzplatz frei. “Sie sind bestimmt aus Petersburg, weil sie aufgestanden sind”, sagt dieser. “Ja, sagt der andere – und sie sind bestimmt ein Moskauer, weil sie sich nicht bedankt haben!”

Moskau ist die Stadt von Geld, Leistung und Tempo.Die Bevoelkerung ist in Moskau durchschnittlich jünger als in St. Petersburg, weil der Nachwuchs nach Moskau kommt, um Geld zu verdienen – Petersburg nennt man hingegen “die Stadt der Rentner”. Moskau ist eine Stadt, wo die Leute die Leute viel arbeiten und mehr verdienen – darum sind die Hotelpreise sehr hoch. Bei uns hingegen sind die Preise hoch,  weil Petersburg als “Kulturhauptstadt berühmt ist.

Sogar im Verkehr spürt man diesen Unterschied. Während in Petersburg die Autos oft im Stau stehen, “fliesst” der Verkehr in Moskau ständig wie der Fluss Moskwa – langsam, aber stetig.. Man sagt, in Petersburg gibt es zu wenig Strassen, und in Moskau zu viel Autos.

Moskau schaut auf Petersburg herab wie auf seinen kleinen Bruder – in einem Witz machen sich die Hauptstädter über den aus Petersburg stammenden Ministerpräsidenten lustig: “Du hast eine gute Ranch, Wladimir Putin*. Nur schade, dass sie zu weit von Moskau entfernt ist.”

Viele Moskauer fahren nach Petersburg um sich zu erholen – sie mögen einfach unsere Stadt. Fast keiner in nördlichen Hauptstadt hat hingegen dieselben Gefühle gegenüber dem grossen Bruder. Wir pflegen unseren eigenen Snobismus und lieben unser Stadt im Sumpf über alles!

Bild: Wer ist besser, höher und schöner? Der Moskauer Bahnhof in Piter und der Lenigrader Bahnhof in Moskau im Doppelporträt. (Foto: Wikimedia Commons)

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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