Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Typisch Russland: Die klebrige Sünde in der Offensive

Von   /  26. Oktober 2014  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

Von Eugen von Arb

In Russland ist Prostitution verboten – das ist allen klar. Ebenso klar ist allen, dass sie dennoch existiert und floriert, und wie. Wer die Sünde sucht, braucht nicht nicht weit zu suchen – schon am Newski lockt die Reklame für Nachtklubs,  aus denen schon so mancher „ahnungslose“ Tourist sexuell befriedigt, aber mit einem grässlichen Kater und geplündertem Konto wieder herausgekommen ist. Die russischen Prositiuierten sind zwar organisiert, besitzen aber keine wirkliche Lobby.

Von ihrer Existenz erfährt die Öffentlichkeit nur in Form bei mediengerecht arrangierten Polizeiaktionen, bei denen illegale Bordelle von maskierten Sonderpolizisten ausgehoben werden. Und auch die hinterlassen nur den Verdacht, dass jemand nicht den geforderten „Pizzo“ erhalten hat und darum den Laden auffliegen liess. Denn ansonsten wird die käufliche Liebe geduldet – dazu gehören auch die brutalen Seiten, zum Beispiel Menschenhandel. Auch darüber tauchen nur ab und zu kurze Polizeimeldungen auf, wie kürzlich jene über eine Afrikanerin, die illegal nach Russland eingeschleust worden war und brutal gefoltert wurde, weil sie nicht gefügig war.

Natürlich organisiert sich das Liebesgeschäft vor allem im Internet – die ideale Form für den Graubereich. Doch offenbar werden damit nicht genügend „Kunden“ erreicht, sonst hätte das schlüpfrigen Gewerbe nicht die ganze Stadt mit einer Flut bunter Werbezettel mit verführerischen Aufschriften überschüttet. „Die Liebe wartet“, „Hausfrau für eine Stunde“, „Kira und Lilja warten auf Gäste“, „Marina 24 Stunden“ – so und anders lauten die kurzgefassten Lockrufe mit Telefonnummer, mit denen sämtliche Petersburger Metro- und Bushaltestellen vollgeklebt sind. Litfasssäulen, bevorzugt an Stellen mit verführerischer Werbung für Damen-Mode, -Unterwäsche und -Parfüm, die auf Männerblicke zielt, haftet auch die neckische Verführung.

Nun ist das Geschäft mit der Zettelwerbung auch ohne Prositutiertenwerbung eine Pest, die stellenweise vandalistischen Charakter annimmt. Ganze Hauseingänge und Wände sind mit den bunten Fetzchen beklebt, die für billiges Bauland, Arbeitsstellen, Baustoffe werben und nur mit grösstem Aufwand von der Fassade wegzukratzen sind. Solange die Behörden gegen sie nichts unternehmen, wird auch die schamlose Kampagne der Prostituierten hingenommen.

Das heisst nicht, dass sie auch von der Öffentlichkeit hingenommen wird – um so mehr, dass sich die russische Gesellschaft in letzter Zeit immer mehr auf solide Werte wie Kirche, Ruhe und Ordnung zu besinnen scheint. An gewissen Stellen finden regelrechte „Gefechte“ zwischen den Zettelklebern und den Sittenwächtern aus der Bevölkerung statt. Ganz offensichtlich frisch aufgeklebte Zettelchen werden nach kurzer Lebensdauer energisch heruntergerissen – Gut gegen Böse, Schwarz gegen Weiss. An einigen Bushaltestellen ergibt sich dadurch ein leuchtendes Mosaik, das direkt schick aussieht. So wies aussieht, hat die (Doppel-) Moral einen schweren Stand, denn sie klebt verdammt zäh – die Sünde.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Thema >>>

[the_ad_placement id=\“single\“]

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Das Taurische Orchester zwischen Klassik und Rock, zwischen Vergangenheit und Gegenwart

mehr…