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Petersburger TV-Moderatorin Xenia Sobtschak will bei Präsidentenwahl 2018 kandidieren

Von   /  19. Oktober 2017  /  Keine Kommentare

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spn.- Journalistin, Instagram-Star und Ex-Moderatorin von „Dom-2“, dem russischen Pendant der Reality-Show „Big Brother“: Xenia Sobtschak will bei der Präsidentenwahl 2018 kandidieren. Worauf geht ihre Entscheidung zurück? Die russische Onlinezeitung gazeta.ru beschäftigt sich mit dem Thema.

Die bekannte TV-Moderatorin Xenia Sobtschak will 2018 an den Präsidentenwahlen in Russland teilnehmen. „Ich heiße Xenia Sobtschak. Ich werde für das Amt des Präsidenten Russlands kandidieren“, schrieb sie auf ihrer Internetseite sobchakprotivvseh.ru. Sobtschaks offener Brief wurde auch in der Moskauer Tageszeitung „Wedomosti“ abgedruckt. „Ich werde gegen alle kandidieren“ – so positioniert sich die Moderatorin, die am 5. November 36 Jahre alt wurde. Xenia Sobtschak ist Tochter des mittlerweile verstorbenen Anatoli Sobtschak. Dieser war als Bürgermeister von St. Petersburg Mitte der 1990er Jahre Wladimir Putins Vorgesetzter.

Gazeta.ru zitiert aus einem kürzlich veröffentlichten offenen Brief von Sobtschak, der in der russischen Presse jetzt diskutiert wird: „Sind Sie dagegen, dass nur Sjuganow, Jawlinski, Putin bzw. ihre gesichtslosen Doubles und Stellvertreter seit vielen Jahren auf den Wahllisten landen? Wollen Sie ihre aktive Position zeigen, wobei Ihr Kandidat zu den Wahlen nicht zugelassen ist? Haben Sie keinen eigenen Kandidaten? Kreuzen Sie Sobtschak an. Sie wählen sie nicht zur Präsidentin. Sie bekommen bloß eine legale und friedliche Möglichkeit zu sagen: ‚Es reicht! Wir haben es satt!‘ (…) Ich bin eine ‚Gegen alle‘-Kandidatin.“

Kandidatur stösst bei Nawalny auf Ablehnung

Die Onlinezeitung kommentiert: „Dank dieses Ansatzes könnte Sobtschak sowohl Proteststimmen beanspruchen als auch die Stimmen derjenigen, die vom aktuellen politischen Angebot enttäuscht sind. Als Person, die während der Proteste 2011 und 2012 sowie bei der Bildung des Koordinationsrats der Opposition im Jahr 2013 sich aktiv gezeigt hatte, ist sie nun außerdem in der Lage, an die liberalen Wähler zu appellieren – ebenso wie an apolitische Bürger, bei denen sie dank ihrer Teilnahme an TV-Unterhaltungsshows und ihrer Aktivitäten in sozialen Netzwerken beliebt ist.“

Ihre angekündigte Kandidatur stieß allerdings beim Oppositionellen Alexej Nawalny auf Ablehnung, der den Status des „einzig wahren Gegners der gegenwärtigen Staatsführung“ beansprucht, wie gazeta.ru formuliert: Per seinen Youtube-Kanal empfahl Nawalny Sobtschak, im Showbiz und außerhalb der Politik zu bleiben.

Nawalny nicht zugelassen

„Der zweifach vorbestrafte Nawalny darf selbst nicht kandidieren, betreibt aber trotzdem eine aktive Wahlkampagne – außerhalb des vom Wahlgesetz festgelegten Rahmens. Laut Nawalnys Logik tritt Sobtschak mit ihrer Kandidatur faktisch als sein Spoiler auf, erhöht die Wahlbeteiligung im Interesse des Kremls und legitimiert die Wahlen, die Nawalny wegen seiner Nichtzulassung als illegitim betrachtet“, schreibt gazeta.ru.

„Bekanntlich war Sobtschak vor einigen Tagen mit Wladimir Putin zusammengetroffen. Formal war ihr Ziel ein Interview im Rahmen ihres journalistischen Projekts. Manche Medien berichteten jedoch, dass die beiden nach ihrem Gespräch vor laufender Kamera eine Zeitlang dann unter vier Augen verbracht haben sollen“, so die Onlinezeitung weiter.

Kreml: kein Kommentar

„Nachdem jene Nachricht erschienen war, äußerte eine ranghohe Quelle im Präsidialamt gegenüber gazeta.ru: ‚Das ist nicht unser Projekt.‘ Da kann man wohl nicht umhin, sich daran zu erinnern, dass Wladimir Putin seinen Einstieg in die Politik dem Vater von Xenia zu verdanken hat: Anfang der 1990er Jahre war Putin in der Stadtverwaltung St. Petersburg der vertrauteste Assistent von Anatoli Sobtschak gewesen.

Es fällt vor diesem Hintergrund auf, dass der Name des Präsidenten im Brief nur einmal erwähnt wird, der Name von Grigori Jawlinski zweimal und der von Alexej Nawalny viermal. Es scheint unwillkürlich, dass sich Xenia in erster Linie ausgerechnet ihnen entgegensetzt“, heißt es im Kommentar von gazeta.ru.

Sobtschak will bei Nawalnys Zulassung verzichten

Dabei findet Xenia laut gazeta.ru Lobesworte für Nawalny und kritisiert seine strafrechtliche Verfolgung als politisch motiviert. Sie betont auch ihre Bereitschaft, mit jedem Konkurrenten, der mit ihr ähnliche Ansichten hätte, zu verhandeln – und bei Bedarf sogar auf ihre eigene Kandidatur zu verzichten.

Für eine offizielle Kandidatur muss Sobtschak allerdings mindestens 300.000 Unterschriften in Russland sammeln – so ist das Gesetz. Ohne solche Unterschriften dürfen nur diejenigen kandidieren, die von einer Partei nominiert werden. Dabei muss die Partei in der Duma oder zumindest in regionalen Parlamenten vertreten sein.

Bild: A.Savin/ Wikimedia Commons

www.sputniknews.com

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  • Veröffentlicht: 1 Monat vor auf 19. Oktober 2017
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  • Zuletzt geändert: November 21, 2017 @ 3:27 pm
  • Rubrik: Aktuell, Politik

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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