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Traumschiff-Fahrten nach Leningrad auf DDR-Dampfern

Von   /  8. August 2011  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Während vielen Jahren liefen kaum Fährschiffe den Petersburger Hafen an. Seit dem Baubeginn des neuen Passagierterminals und der Einführung des visafreien Dreitageaufenthalts erlebt die Passagierschifffahrt in Petersburg einen neuen Boom. Seit diesem Sommer wurde erstmals wieder eine Fährverbindung mit Stockholm aufgenommen, ab kommendem Jahr soll Rostock als Destination dazu kommen. Schon zu DDR-Zeiten gab es Kreuzfahrten nach Leningrad – wenn auch nur für ausgesuchte „verdiente“ Kreise (Fotogalerie).


Die DDR betrieb zwischen 1960 und 1989 drei Kreuzfahrtschiffe, auf denen ausgesuchte Gäste in die ganze Welt fuhren. Mit zunehmender Fluchtgefahr wurden die Reiserouten bis zuletzt stark eingeschränkt. Das erste Schiff, die „MS Völkerfreundschaft“, stammte aus Schweden und hiess ursprünglich „Stockholm“.

Es wurde 1960 im Rahmen der so genannten „Steckenpferd“-Aktion angeschafft. Der VEB „Steckenpferd“ aus Radebeul, der Seife und Kosmetika herstellte, hatte als erster DDR-Betrieb mit der Übererfüllung des Export-Plans Geld für die Beschaffung einer eigenen DDR-Hochseeflotte bereitgestellt – viele andere Betriebe schlossen sich der Kampagne an.

Kreuzfahrt in die Kubakrise

Damals fuhren die Urlaubsdampfer der Deutschen Demokratischen Republik noch in alle Welt. Die „Völkerfreundschaft“ mit Platz für 586 Passagiere und einer Geschwindigkeit von 19 Knoten sorgte 1962 für Aufsehen als sie während der Kuba-Krise die Blockadelinie der USA durchfuhr und Havanna anlief. Das Schiff trug bis jetzt sieben verschiedene Namen und fuhr unter fünf verschiedenen Flaggen – noch heute ist es nach diversen Umbauten als „Athena“ in Portugal in Betrieb.

Die „Fritz Heckert“ war das einzige der drei Schiffe, das in der DDR auf der Mathias-Thesen-Werft gebaut wurde. Es transportierte 379 Passagiere bei einer Höchstgeschwindigkeit von 19 Knoten und bot für damalige Verhältnisse alles für eine tolle Kreuzfahrt – unter anderem zwei Schwimmbäder und eine Vielzahl gastronomischer Einrichtungen.

Flucht in Nordafrika

Das Schiff des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) wurde kurz vor dem Mauerbau in Dienst gestellt, in dieser Zeit nahm die „Republikflucht“ über Umwege zu – so auch während Kreuzfahrten. Nachdem 1962 bei einem Landausflug in Nordafrika 26 Passagiere und Besatzungsmitglieder weggeblieben waren, durften keine westlichen Hafenstädte mehr angelaufen werden.

Zu den Reiserouten der „Fritz Heckert“ gehörte die Ostsee-Strecke Gdynia, Sopot, Gdansk, Riga, Leningrad, Helsinki. Wie auf den Aufnahmen zu sehen ist, gehörten in Leningrad die noch heute üblichen Sehenswürdigkeiten, darunter Eremitage und der Katharinenpalast in Puschkin.

Helsinki – Höhepunkt der Ostseereise

Helsinki als einzige nichtsozialistische Stadt war für viele der Höhepunkt der Reise. Obschon die Passagierlisten durch die Staatssicherheit geprüft und zu den Kreuzfahrten nur „zuverlässige“ DDR-Bürger vorgeschlagen wurden, die gruppenweise an Land gingen, gelangten über diesen Weg immer wieder Menschen in den Westen.

Viele kennen die Fernsehserie „Traumschiff“, aber den wenigsten ist bekannt, dass die „Arkona“, auf dem der Film entstand, auch zur DDR-Urlauberflotte gehörte. Sie wurde als „Astoria“ von den Hamburger Howaldtswerken gebaut und lief 1980 vom Stapel. Das Kreuzfahrtschiff war von Anfang an ein defizitäres Unternehmen – auch als es durch die ZDF-Serie europaweit bekannt wurde. Schon 1983 verkaufte man es an eine südafrikanische Reederei, von der es schliesslich an die DDR ging. Im Oktober 1985 stach die „Arkona“ zu ihrer ersten Reise nach Riga und Leningrad in See.

Um die Betriebskosten des Riesendampfers zu senken, liess man die „Arkona“ von 1987-89 jeweils im Frühsommer auch für westlich Touristen der Firma TUI fahren und konnte so wertvolle West-Valuta verdienen. 1990 ging die Arkona an die wiedervereinigte Bundesrepublik über und wechselte danach mehrmals Eigner und Namen. Als „Saga Pearl II“ ist sie seit 2010 für eine englische Reederei auf See.

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Fährverbindung Petersburg – Stockholm – Tallinn eröffnet

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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