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Tausende Petersburger demonstrieren trotz klirrender Kälte für faire Wahlen und gegen Putin

Von   /  4. Februar 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Mehr als zwei Stunden dauerte die Kundgebung zwischen dem Oktjabrski-Konzertsaal und dem Konjuschenaja-Platz. Die Veranstalter und Beobachter sprechen von mindestens 20.000 Teilnehmern, die Polizei will jedoch lediglich deren 3000 gezählt haben. Der Marsch mit anschliessendem Auftritt von Rednerinnen und Rednern verlief friedlich. Sowohl die Marschierenden wie auch die Polizisten waren freundlich gestimmt, man hielt sich an die Regeln. Das einzige, was beide störte, war die Kälte von – 15 Grad, die unbarmherzig durch Wintermäntel und Uniformjacken kroch.


Auf ein gemeinsames Signal der Polizei und Vertreter der Opposition lief der Marsch an – nach politischen Gruppierungen sortiert, spazierte die Menge durch die Uliza Schukowa, lockert umringt durch Omon-Sonderpolizisten, die keine Schlagstöcke trugen.

Jabloko, „Gerechtes Russland“, die Kommunisten und ihre Splittergruppen, die Nationalbolschewisten und am Ende der Block der Nationalisten mit gelb-schwarzen und schwarzen Fahnen. Ebenso manigfaltig wie die Zusammensetzung des Demonstrationszugs waren die Transparente und die Losungen, die gerufen wurden. „Das ist unser Land!“ – „Russland ohne Putin“ – „Putin ist ein Dieb“ – „Russland ohne Oligarchen!“ – „Wir wollen faire Wahlen“ – „Russland wird frei sein!“ – so wurde skandiert.

Einer war für Putin

Die Rufe gegen Putin dominierten deutlich – was einen Anwohner der Marschroute nicht daran hinderte, mit seinem Plakat „Ich bin für Putin!“ ins Fenster zu klettern und der ganzen Menge keck den Stinkefinger zu zeigen, was mit Gelächter und Applaus quittiert wurde. Dazwischen gingen einzelne Gruppen und Personen, die auf soziale Probleme, wie etwa Obdachlosigkeit oder Behördenwillkür aufmerksam machten.

Korrekt wurden die Rotlichter beachtet und die Anweisungen der Polizei befolgt. vorbei am Ingenieursschloss gelangte man zum Konjuschenaja-Platz, den letzten Fahnenschwingern folgten die Lastwagen der Ordnungskräfte. Auf dem Platz traten die Rednerinnen und Redner jeder Gruppierung auf. Alle hielten sich kurz – zu Recht, begann sich doch die Menge schon nach kurzer Zeit aufzulösen.

„Kalt an der Luft, warm im Herzen“

„Es sei verflucht kalt, aber im Herzen sei es ganz warm“, sagt einer der Redner. Ein anderer meinte, er brauche nicht viel zu sagen – alle wüssten, weshalb sie hier seien: für faire Wahlen. Als aus der gelb-schwarzen Ecke die Rufe „Es lebe Russland!“ – entgegnete eine Rednerin, es seien wohl alle dafür, dass Russland lebe, doch verstünden alle etwas anderes darunter.

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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