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Tausend PetersburgerInnen protestieren gegen das „Waisenkinder-Gesetz“

Von   /  13. Januar 2013  /  2 Kommentare

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Von Eugen von Arb

An einer genehmigten Demonstration gegen das so genannte „Dima-Jakowlew-Gesetz“ auf dem Marsfeld nahmen nach offiziellen Meldungen rund tausend Personen teil. Polizei und Kundgebungsteilnehmer verhielten sich zurückhaltend (Fotogalerie).


Es war zu sehen und zu spüren, dass an das Meeting für einmal nicht in erster Linie Vertreter der politischen Opposition gekommen waren, sondern einfach besorgte und empörte Bürgerinnen und Bürger, die gegen das Gesetz sind, das Amerikanern verbietet, russische Kinder zu adoptieren. Entsprechend gemischt war das Publikum, das aus vielen älteren Menschen und Eltern mit Kindern bestand, die mit ihren Kindern gekommen waren.

Es fehlten die bunten Fahnen der verschiedenen Oppositionsparteien, dafür wehte eine Flagge mit der Aufschrift „die Eltern Petersburgs“. Zudem wurden zahlreiche Transparente hochgehalten. „Für die Zukunft der Kinder!“, „Schafft Voraussetzungen zur Adoption in Russland!“, „Zieht die Kinder nicht die Politik hinein!“, „Lassten den Waisen ihr Recht auf eine Familie, wenn ihr selbst nicht handlungsfähig seid!“ – diese Botschaften konnte man in der Menschenmenge lesen.

Aufruf, Waisen zu adoptieren

Während der rund einstündigen Kundgebung traten Politiker, Menschenrechtsaktivisten und Eltern adoptierter Kinder ans Mikrophon. Maxim Reznik, der frühere Vorsitzende der Petersburger „Jabloko“-Partei und Stadtabgeordneter sagte, nach der Verabschiedung dieses niederträchtigen Gesetzes durch die Staatsduma sei es peinlich geworden, sich Abgeordneter zu nennen. Seiner Kritik schloss sich ein Vertreter der „Jungen Demokraten“ an.

Aber keiner von ihnen erhielt soviel Applaus wie der Vater eines adoptierten Mädchen, der schilderte, wie sich das Kind während eines halben Jahres veränderte. „Wir dürfen nicht aufhören, gegen dieses Gesetz zu protestieren, aber nachher gehen wir ins Waisenhaus und lernen unsere Kinder kennen!“

„Die Kinder warten“

Er sprach damit jene an, denen es weniger um die Politik als allein um die Kinder ging. So wie es auf einem Plakat stand: „Jede liebende Familie ist besser als das Kinderheim!“ oder „Die Kinder warten!“. Sie riefen dazu auf, sich nicht nur um Politik zu kümmern, sondern selber Kinder bei sich aufzunehmen.

Die Menge verhielt sich bis zum Schluss sehr diszipliniert und löste sich auf, sobald die Organisatoren das Ende der Demo bekanntgegeben hatten. Auch die Polizei – für einmal bloss durch eine Handvoll Beamten vertreten – hielt sich betont zurück. Ganz am Rand des Marsfeld stand zwar ein Lastwagen der Omon, doch liess sich niemand von der berüchtigten Sonderpolizei an der Kundgebung blicken.

Am Newski-Prospekt war das Aufgebot wesentlich grösser, weil man offenbar unerlaubte Proteste befürchtete. Aber obwohl sich zwischen dem Singer-Haus und dem Wostania-Platz rund 40 Personen als Einzelpiketts gegen das Gesetz protestierten, wurde niemand festgenommen.

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Proteste gegen Waisenkindergesetz in Moskau

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

2 Kommentare

  1. eva sagt:

    Ich denke, die erwähnte Parole ist richtig – es ist wirklich nicht wichtig, wo die Kinder aufwachsen, Hauptsache, es hat sie wirklich jemand lieb. Tatsächlich müsste Russland aber das „Waisenproblem“ angehen, statt die Kinder als politisches Faustpfand zu benützen. Dazu würde aber auch gehören, dass man sich fragt, woher alle die elternlosen Kinder stammen und warum man es nicht fertigbringt in russische Familien zu integrieren. Vermutlich gäbe es auch mit einer solchen Abgabe keine leeren Kinderheime, denn an Geld mangelt es an sich nicht. Aber Bürokratie und Korruption sorgen dafür, dass viel von dem vorhandenen Geld oft nicht an den Bestimmungsort gelangt, sondern einfach in die Taschen einzelner Leute fliesst.

  2. Günther sagt:

    Es ist beschämend, dass Russland nicht in der Lage ist, seinen Waisenkinder ein Leben im eigenem Land zu ermöglich.
    Wenn ich solche Parolen lese wie: Jede liebende Familie ist besser als das Kinderheim!, wird mir schlecht. Besser sollte es doch heißen: Jede liebende russische Familie ist besser als eine Adoption is Ausland!
    In Russland gibt es milliardenschwere Oligarchen; jährlich fließen Milliarden ins Ausland ab; 100 000sende Russen verpassen ihr Geld auf Shopping-Meilen in westlichen Ausland – und für Waisenkinder ist kein Geld im eigenem Land da. Rauptierkapitalismus lässt grüßen!
    Man sollte eine Abgabe einführen. Von jeden Rubel der das Land verlässt werden 10 Kopeken einbehalten und den Familien gegeben die ein Waisenkind aufnimmt! Ich bin überzeugt, sofort währen die Kinderheime leer und kein Waisenkind braucht ins Ausland „verkauft“ zu werden!

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