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Tag der Nationalen Einheit – was feiert Russland eigentlich am 4. November?

Von   /  4. November 2010  /  Keine Kommentare

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Heute ist ein offizieller Feiertag in Russland. Aus dem Tag der Oktoberrevolution am 7. November hat Russland einen Arbeitstag gemacht und als Ersatz muss jetzt der 4. November herhalten. Viele wissen nicht, dass heute Feiertag ist und erst recht nicht, was eigentlich gefeiert werden soll. Am 4. November wird in Russland der Tag der Nationalen Einheit begangen. Der neue arbeitsfreie Feiertag wurde von der Staatsduma eingeführt. Er erinnert an die Ereignisse vom 4. November 1612, als eine Volkswehr unter der Führung des Gemeindevorstehers Kusma Minin aus Nischni Nowgorod und des Fürsten Dmitri Poscharski Moskau von einem polnischen Besatzerheer befreit hatte.

Dieses Datum gilt als das Ende der so genannten „Zeit der Wirren“. Nach Ansicht der Ideologen des neuen Feiertags soll der 4. November auch noch daran erinnern, dass alle „Russländer“, obwohl sie zu verschiedenen Sozialgruppen, Nationalitäten und Religionen gehören, ein einheitliches Volk mit einer gemeinsamen Geschichte und einer gemeinsamen Zukunft sind. Sie verfolgten aber offenbar noch ein Ziel, nämlich den 7. November in den Schatten zu stellen. Diesen Tag verbinden die meisten Russen nach wie vor mit der Oktoberrevolution von 1917. Wird der neue Feiertag wirklich zum einem Tag der Einheit?

Die nationale Einheit – gibt es sie oder fehlt sie?

Andrej Sacharow, Leiter Institut für Geschichte, Russische Akademie der Wissenschaften: Wir feiern an diesem Tag unsere moralische Aufrichtung. Denn er erinnert uns an eines der würdigsten Ereignisse unserer Geschichte: das Ende der „Zeit der Wirren“. Priester Wladimir Wigiljanski, Leiter des Presseamtes des Moskauer Patriarchats: Aus dem Kampf um das Vaterland war damals eine „wahre“ Zivilgesellschaft entstanden, von der wir jetzt nur träumen können. Sie war nicht „von oben“ aufgezwungen und daher nicht verkünstelt.

Gennadi Sjuganow, Vorsitzender des ZK der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRF): Der 4. November ist der Tag der Gottesmutter von Kasan. Was den neuen Feiertag anbetrifft, so haben Minin und Poscharski Moskau eigentlich am 7./8. November befreit. Ich nehme vor diesen mutigen Männern den Hut ab, die die Rus befreit haben. Doch der 7. November ist für uns ein heiliger Tag, der Jahrestag des Großen Oktobers. Dmitri Oreschkin, Leiter der Forschungsgruppe Merkator: Wenn es eine Einheit des Volkes gibt, so ist dies als eine Tatsache wahrzunehmen. Sie zu feiern ist irgendwie merkwürdig. Wenn es keine gibt, so feiert man sie so, als ob es sie gäbe. In meinem Verständnis wird dabei lediglich auf merkwürdige Weise betont, dass es uns gerade an Einheit fehlt.

Mehr als die Hälfte der Russen wissen nicht, wie der Feiertag heisst

Bei einer soziologischen Studie des Lewada-Zentrums fiel es 51 Prozent der befragten Russen schwer, den genauen Namen des neuen Feiertags anzugeben. Knapp 40 Prozent der Menschen, die vom Meinungsforschungsinstituts WZIOM interviewt wurden, bezeichneten den 7. November als einen „alten Feiertag“, auf den sie nicht verzichten möchten. Für ein Drittel ist er immer noch der wichtigste Tag in der russischen Geschichte: ein Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution.

www.russland.ru

Dossier:

Als die Smuta oder Zeit der Wirren wird in der Geschichte Russlands die Zeit nach dem Tod Iwans IV. bezeichnet. Während der Regierungszeit Fjodors I. führte Boris Godunow als eigentlicher Herrscher das Land. Er versuchte – auch während seiner späteren Regierungszeit -, das Land aus der Rückständigkeit zu führen, stieß dabei aber auf den erbitterten Widerstand der Bojaren und der Kirche.
Zudem herrschten in den Jahren 1601-1604 drei schreckliche Hungersnöte, die die Wirtschaft und die sozialen Strukturen des Landes erschütterten. Die Situation verschärfte sich durch die Intervention von Schweden und Polen. Der polnische König Sigismund III. setzte den sogenannten falschen Dimitri als seine Marionette auf den Zarenthron. Anfangs hatte er die Unterstützung des Adels und der einfachen Menschen, die sich nach geordneten Verhältnissen sehnten. Aber nach Ausschreitungen der polnischen Truppen brach 1612 unter der Führung des Nischni-Nowgoroder Kaufmanns Kusma Minin und des Fürsten Dimitri Posharski ein Volksaufstand aus, der die Besatzungszeit beendete. Mit der Wahl von Michael I. durch den Semskij Sobor hatte die Zeit der Wirren ein Ende.
(Quelle: Wikipedia, der freien Enzyklopädie „http://de.wikipedia. org/wiki/Smuta“)

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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