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Tag der nationalen Einheit: Aufmärsche, Kreuzgang, Pogrome und zwei Morde

Von   /  5. November 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Der diesjährige Tag der nationalen Einheit am 4. November verlief friedlich auf der einen, brutal und ausländerfeindlich auf der anderen Seite. Während Tausende friedlich am Kreuzgang der russisch-orthodoxen Kirche über den Newski-Prospekt beteiligten, machten andere Jagd auf Ausländer – zwei Migranten wurden dabei umgebracht.

Erstmals seit der Revolution versammelten sich Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche wieder zu einem Kreuzgang über den Newski-Prospekt. Mit offiziell über 50.000 Teilnehmern war das einerseits eine Demonstration der Macht der neu erstarkten Kirche, die von Gouverneur Georgi Poltawtschenko jede erdenkliche politische Unterstützung erhält.

Gleichzeitig war es die friedlichste Kundgebung dieses umstrittenen Feiertages. Ein Gemisch an Kirchgängern, Kosaken und anderen nationalistisch-patriotischen Gruppierungen (sogar verkleidete Rotarmisten waren darunter) marschierte mit der Ikone der Kasaner Gottesmutter von der Kasaner Kathedrale über die Malaja Morskaja hin zur Isaakskathedrale. Der Umzug war stark gesichert durch Omon-Sonderpolizei und freiwillige Helfer und verlief ohne Zwischenfälle.

Ausschreitungen nach dem „Russischen Marsch“

Am Nachmittag des selben Tages startete ein mehrere hunderte Personen starker Pulk von Nationalisten ab der Metro „Gorkowskaja“ zu einem genehmigten „Russischen Marsch“ über die Troitzki-Brücke zum Suworow-Platz. Die Menge, die maximal 1500 Personen umfasste, bestand aus Vertretern sämtlicher rechter und ultrarechter Gruppierungen – von der „Nationaldemokratischen Partei“ bis hin zur „Bewegung für das Recht auf freien Waffenbesitz“.

Im Fahnenwald dominierten die imperialen gelb-schwarz-weissen Trikoloren. Skandiert wurde „Ehre für Russland“ und „Russland den Russen“. Bei ihren Auftritten sprachen sich die Anführer vorwiegend für die Einführung des Visazwangs für Bewohner sämtlicher zentralasiatischer Länder aus. Aber schon kurz nach Ablauf des offiziellen Teils lief die Aktion aus dem Ruder.

Willkürliche Aktionen auf Newski und Schlossplatz

Teile der Demonstranten versuchten auszureissen und auf den Newski Prospekt und den Schlossplatz weiter zu marschieren. Die Polizei schritt rasch ein und nahm an diesem Tag insgesamt 80 Personen fest. Der erneute Versuch, auf dem Apraksin-Markt ein Pogrom gegen ausländische Händler anzuzetteln, unterband die Polizei mit strengen Personenkontrollen ab dem Gostiny-Dwor-Kaufhaus.

Trotzdem kam es an den Metrostationen „Udelnaja“ und „Rybazkoe“ zu Aktionen gegen Ausländer und Massenschlägereien. An der „Udelnaja“ begann eine Gruppe von etwa 40 vermummten Männern, Ausländer auf dem Perron und in den Waggons der haltenden Züge zu schlagen. Danach gingen sie nach oben, wo sie die Marktstände „nichtslawischer“ Händler angriffen und teilweise umkippten.

Zwei Todesopfer – Mörder vermutlich Nationalisten

An der „Rybazkoe“ verlief alles nach demselben Schema zuerst im Bereich der Metro, wo Jagd auf Migranten mit asiatischem Aussehen gemacht wurde, die Opfer teilweise blutig geschlagen wurden. Später fand die Polizei in der Nähe der Station einen Toten aus Zentralasien, der mit Messerstichen „hingerichtet“ worden war. Am selben Tag wurde ebenfalls im Süden der Stadt an der Uliza Richarda Sorge ein Mann aus Kirgisien tot mit starken Schnitt- und Stichverletzungen gefunden – hinter beiden Morden vermutet die Polizei Rechtsradikale.

Der „Tag der Nationalen Einheit“ wurde 2004 von Präsident Wladimir Putin als arbeitsfreier Feiertag zum Gedenken an den Sieg über die polnisch-litauischen Truppen im 17. Jahrhundert eingeführt. Der Gedenktag wird jährlich von allen rechten und ultrarechten Gruppierungen für so genannte „Russische Märsche“ in allen grossen Städten Russlands benutzt, wobei es regelmässig zu Ausschreitungen kommt.

Bild: Ria Novosti/ Alexei Danitschew

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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