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Streit zwischen Staat und Kirche um die Isaakskathedrale

Von   /  1. August 2015  /  Keine Kommentare

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eva.- Im Zug der Restitution wurden der russisch-orthodoxen Kirche bereits eine ganze Reihe von Gebäuden, darunter die Kasaner Kathedrale, zurückgegeben. Nun will die Kirche auch die Isaakskathedrale, die bisher ein staatliches Museum war – und stiess auf starken Widerstand. In einigen Monaten soll ein Referendum stattfinden.

Die Forderung zur Rückgabe der Kathedrale wurde nach einem Besuch von Patriarch Kirill beim Petersburger Gouverneur Georgi Poltawtschenko mitte Juli bekannt. In ihrem Antrag berief sich die Kirche auf das Restitutionsgesetz von 2010, doch bisher konnten sich Stadtregierung und Stadtparlament nicht auf eine gemeinsame Position in dieser Frage einigen. Neben dem Besitzanspruch ist auch die Frage über die Unterhaltskosten nach einer möglichen Rückgabe offen.

In der Zwischenzeit haben unabhängig voneinander mehrere Stadtabgeordnete, darunter Maxim Reznik (Jabloko-Partei) und Wjatscheslaw Notjag (Bürgerforum), sowie die Vereinigung der Kulturschaffenden Anträge auf eine Volksabstimmung eingereicht. Wie Fontanka.ru schreibt, erhalten sie starke Unterstützung aus der Bevölkerung und werden eine gemeinsame Initiativengruppe formieren. Unter den Befürwortern ist auch der jetzige Direktor der Isaakskathedrale Nikolai Burow.

„Kirche in den Herzen der Menschen“

Wie er in einem Kommentar schreibt, soll die Kirche ihren Platz in den Herzen der Menschen haben. Es gäbe viele Menschen, die Gott in ihrer Seele fänden, aber nicht in der Kirche, meint er. Trotz seiner Mitgliedschaft in der Partei sei er zur Sowjetzeit in die Kirche gegangen – heute, wo man es begrüsse, gehe er seltener hin.

Die Peterburger Duma-Abgeordnete Oxana Dmitriewa (Gerechtes Russland) tritt gegen die Rückgabe der Kathedrale auf. Die Kirche sei schon seit 80 Jahren ein Museum und solle es auch bleiben. Wie bisher soll die Isaakskathedrale der Kirche für wichtige Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden. Erstaunlich neutral gibt sich der sonst so kämpferische Abgeordnete Vitali Milonow – man müsse mit Befürwortern und Gegnern der Rückgabe reden und eine Lösung finden, lautet seine Meinung.

Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel

Der Leiter des städtischen Kulturkomitees Konstantin Suchenko nennt als Hauptargument gegen die Restitution die Erhaltung hunderter Arbeitsplätze und wird dabei von Direktor Burow unterstützt. Laut dessen Angaben besuchen jährlich 3,2 Millionen Personen die Kathedrale, davon seien jedoch nur etwa ein Prozent Kirchengänger. Die Touristen bezahlten rund 650 Millionen Rubel an Eintrittgeldern (davon 50-70 Millionen Rubel Steuern). Schon heute stünde die Isaakskathedrale der Kirche für wichtige Veranstaltungen offen, ohne dass sie sich an den Unterhaltskosten beteilige.

Auch im Volk regt sich Widerstand – so unterzeichneten auf der Seite Change.org innerhalb dreier Tage 2600 Personen eine Erklärung gegen die Rückgabe. Bei einer Meinungsumfrage von Fontanka.ru sprachen sich knapp 90 Prozent der Stimmenden gegen die Restitution aus.

Die Rückgabe-Befürworter hingegen erinnern daran, dass die Kirche ursprünglich nicht als Museum, sondern als religiöse Stätte gebaut worden sei. Daher sei es nur rechtens, dass die Kathedrale nach der Enteignung durch den sowjetischen Staat wieder an die früheren Besitzer zurückgegeben werde. Ausserdem gäben die Museumsmitarbeiter den Gläubigen nicht genügend Freiheit, und oft störten Museumsveranstaltungen während der Gottesdienste.

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Wird das Petersburger Arktis-Museum wieder zur Kirche umfunktioniert?

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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