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Streit um die Isaakskathedrale zieht weite Kreise

Von   /  31. Januar 2017  /  Keine Kommentare

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eva.- In Meetings und Gegenmeetings liefern sich die Befürworter und Gegner der Übergabe der Isaakskathedrale an die Kirche eine Auseinandersetzung, die mittlerweile sogar in der Staatsduma zu einem Eklat geführt hat. Bis jetzt sind alle Vermittlungsversuche zwischen den beiden Lagern gescheitert.

Schon am 13. Januar hatten sich die Gegner einer Übergabe der Isaakskathedrale an die russisch-orthodoxe Kirche neben der Kirche versammelt. Die Aktion wurde als Treffen des Stadtabgeordneten Boris Wischnewski von der Jabloko-Partei mit seinen Wählern abgehalten.

Sie werfen der Kirche vor, sie sei vor allem an den Eintrittsgeldern der Touristen interessiert, während der Unterhalt von den Steuerzahlern bezahlt werden müsse. Momentan ist die Isaakskirche das einzige staatliche Museum, das sich nicht nur den Unterhalt selber berappt, sondern auch noch der Stadt einen happigen Betrag abliefert. Die russisch-orthodoxe Kirche verspricht freien Eintritt, doch wird angenommen, dass wie in der Kasaner Kathedrale ein Eintritt als „Spende“ verlangt wird, für den keine Steuern bezahlt werden muss.

Lautsprecher-Verbot

Als Treffen mit dem Stadtabgeordneten Boris Wischnewski wurde auch das Meeting am 28. Januar auf dem Marsfeld organisiert, weil die Opponenten sonst keine Genehmigung von der Stadtregierung erhalten hätten. Als Grund für die Absage führte die Stadtregierung an, dass am selben Ort zur selben Zeit bereits eine Protestaktion der Nationalen Befreiungsbewegung (NOD) stattfinde. Ausserdem organisierten die Befürworter der Übergabe der Kirche ebenfalls eine Kundgebung auf dem Marsfeld.

Den Redner der Opposition, darunter die Politiker Maxim Reznik, Alexei Kowalew und Boris Wischnewski, wurde von der Polizei verboten, ein Megaphon zu benutzen, und sie waren deshalb gezwungen, vor einer Menge von 500-1000 Personen ohne Verstärkung zu sprechen. Gleichzeitig versuchten ihre benachbarten Gegner die Reden mit lauter Musik zu übertönen, was die Polizei offenbar nicht störte. Am selben Tag organisierten rund dreissig Personen eine Protestaktion in der Isaakskathedrale, wurden jedoch vom Museumspersonal zum Abbruch überredet, bevor die Omon-Sonderpolizei eingriff.

Internet-Petition fordert Referendum

Der Entscheid, die Isaakskathedrale für 49 Jahre der Kontrolle der russisch-orthodoxen Kirche zu unterstellen, war schon Ende 2016 bekannt geworden, offiziell verkündete Gouverneur Georgi Poltawtschenko seinen überraschenden Entscheid erst am 10. Januar. Die Übergabe war bereits in Vorbereitung und sollte bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Ein Versuch der Gegner, die Übergabe gerichtlich anzufechten, wurde bereits zurückgewiesen. Eine Internetpetition für ein Referendum in dieser Frage wurde bereits von über 200.000 Personen unterschrieben. Ein Aufruf von Eremitage-Direktor Michail Piotrowski an die russisch-orthodoxe Kirche, ein Moratorium einzulegen und mit den Gegnern einen Dialog aufzunehmen, blieb bisher ungehört.

Im Zusammenhang mit der Isaakskathedrale entbrannte in der Staatsduma ein Skandal. Am 23. Januar wetterte der Vize-Speaker der Staatsduma Piotr Tolsoi, die Urenkel jener, die schon 1917 die Kirchen angezündet hätten, würden jetzt als Journalisten und Politiker die antikirchliche Aktivität fortsetzen. Diese Entgleisung, die eindeutig antisemitisch gemünzt war, sorgte für Empörung bei den Übergabe-Gegnern und bei der jüdischen Gemeinde, worauf sich Tolstoi bei deren Leitung rechtfertigte, er habe damit keinerlei Nationalität gemeint.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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