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Streik – Russlands Arbeiter entdecken den Arbeitskampf

Von   /  15. November 2007  /  Keine Kommentare

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Hafen St. Petersburg, (C) Siegfried KlausmannIn St. Petersburg erinnern die Namen vieler Orte an Aufstände, Streiks und Revolution. War die Arbeiterschaft vor Jahren froh überhaupt wieder in Lohn und Brot zu stehen, machen sich Heute die Schattenseiten des Wirtschaftswachstums bei den Lohnarbeitern am stärksten bemerkbar.

Während die Politik der „gelenkten Demokratie“ vor den Wahlen keine Überraschungen mehr verspricht, entdecken die russischen Arbeiter die Möglichkeit des Streiks neu.

In den Zeiten eines beschleunigten Wachtums der Wirtschaft und der Investitionen in Russland werden die starken Zahlen nur noch von der noch schneller wachsenden Preissteigerung übertroffen. So wuchs die Wirtschaft auf ca. 7,5% bis Oktober übertroffen nur durch die Steigerungen bei den Verbraucherpreise welche die Marke von knap 11% im Oktober erreicht. Hinzu kommen sprunghaft gestiegene Mieten und Nebenkosten (SPZ: Immobilienpreise). Selbst die Regierung hat die Inflationsbekämpfung auf die Agenda genommen.

Da scheinen Lohnforderungen von 3% bis 15% im Jahr nicht überzogen. Aber sowohl Gewerkschaften als auch die Arbeitgeber sind noch unerfahren im Umgang miteinander. Nicht alle Streiks drehen sich dabei ums Geld allein. So sind die Arbeitsbedingungen bei der Post mit ausschlaggebend für den Austand gewesen.

Während bei Ford ein Tag ausreicht um die Betriebsleitung nach einem Monat Funkstille wieder an den Verhandlungstisch zu bringen, sind Staatsbetriebe wie die Post nicht so flexibel und entlassen erstmal die leitenden Gewerkschafter. Inzwischen kämpft die Gewerkschaft aber für die Anerkennung als Solche und die Rücknahme der Entlassungen. Schon erhält sie dabei Unterstützung von Kollegen in Moskau.

Selbst die Mitarbeiter der traditionsreichen RZD – die Russische Eisenbahn – haben gestern Streiks angekündigt. Der Zeitpunkt stimmt, den auch in Deutschland und Frankreich sind die Eisenbahnen durch wirtschafts- und medienwirksame Streiks lahmgelegt.

Die bestreikten privaten Unternehmen sind im Umgang mit den Gewerkschaften zwar ebenfalls unerfahren, finden aber schneller den Weg zu einer Lösung. So haben einige Unternehmen im privaten Sektor bereits langfristige Vereinbarungen mit den Dockarbeitern getroffen, während die Unternehmen im öffentlichen Besitz den Streik riskieren.

Über den weiteren Verlauf der Arbeitsniederlegungen im Hafen, bei der Eisenbahn und bei der Post halten wir Sie bei SPZ-ONLINE auf dem Laufenden.

Streiks und Ankündigungen in St. Petersburg seit Oktober 2007

7. 10. 2007 Warnstreik bei Ford in Vsevoloshsk, Leningrader Gebiet, bei St. Petersburg
26.10.2007 Spontaner Streik und Gründung einer Gewerkschaft der Postkraftfahrer im Hauptpostamt von St. Petersburg
7.11.2007 Enlassung der Streikorganisatoren bei der Russischen Post in St. Petersburg
12. 11. 2007 Ankündigung von Streiks bei der Russischen Eisenbahn
12. 11. 2007 Solidaritätsankündigung für die entlassenen Postgewerkschafter in Moskau
13. 11. 2007 Teile der Dockarbeiter im St. Petersburger Hafen gehen in einen unbefristeten Bummelstreik

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