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„Stolowaja“ – günstiger Kantinen-Food im sowjetischen Retro-Stil

Von   /  11. Mai 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Kantinen gab es in der Sowjetunion fast in allen Betrieben und Einrichtungen. Nach einer langen Pause erlebt diese Institution auf privater Basis eine glänzende Renaissance. Einerseits ist dies eine Bereicherung des gastronomischen Angebots, andererseits ein klares Zeichen für die neue Armut in der Bevölkerung.

Betriebskantinen waren in der Sowjetzeit nicht unbedingt beliebt. Zwar gab es sozialistische Musterbetriebe, die ihre Belegschaft durchaus anständig verpflegte, doch waren Kantinen doch eher ein Synonym für Einheitsbrei mit Kohl-Kartoffel-Geschmack. Deswegen und wegen des Zerfalls des ganzen Sowjetsystems verschwanden die Kantinen während der Neunzigerjahre vielerorts vollständig und wurden bestenfalls durch einen Getränkeautomaten ersetzt. Eine gute „Stolowaja“, die sich in einer Hochschule oder einem wisschenschaftlichen Institut erhalten hatte, war während langer Zeit eher ein Geheimtipp.

Die Krise machte diese Einrichtung wieder aktuell. Einerseits war es ein politisches Signal – nach der Krimkrise 2014 war alles willkommen, was Coca Cola, Burger King und Mc Donalds paroli bieten konnte. So verlangte damals der populäre sowjetische Schauspieler und Regisseur Nikita Michalkow, der gerne und regelmässig als moralisches Staatsoberhaupt in Erscheinung tritt, der russische Staat solle eine alternative Schnellimbiss-Kette gründen. Ein Projekt, das wohl kaum eine gute Umsetzung gefunden hätte.

„Stolowajas“ auch an prominenten Adressen

Doch stattdessen begannen einige Privatunternehmer nachzudenken und eröffneten in den grossen Städten „Stolowajas“ – und zwar an durchaus prominenten Orten, wo davor nur teure Restaurants logierten. Die grösste dieser Ketten nennt sich nach sowjetischer Manier „Stolowaja No.1“ und ist mit zwölf Restaurants in der ganzen Stadt vertreten.

Mit „Prawda“- Zeitungsausschnitten und Breschnew-Porträts geschmückt laden die Kantinen zu einer Besuch in den guten alten (schlechten) Zeiten. Aber keine Angst, die Restaurants sind sauber, die Bedienung in der Regel freundlich und das Essen gar nicht mal schlecht und mit Sicherheit abwechslungsreicher als in der Sowjetzeit.

„Mors“ und „Kisel“ bieten Coca-Cola Paroli

Meist wird echt russische Hausmannskost angeboten: Borsch-Suppe, Kotlety (Frikadellen), „Scharko“ (eine Art Eintopf mit Siedfleisch, Kartoffeln und Rüben), Plow (gekochter Reis mit Fleisch auf zentralasiatische Art) usw. Dazu können Salate – „Olivier“ (Russischer Salat), „Vinegret“ (mit Randen, Erbsen, Gurken und Zwiebeln) oder Rüben- oder Kohlsalat gewählt werden. Bei den Getränken erleben „Kompott“ und „Kisel“ (Frucht- oder Beerensaft) eine Renaissance.

Beim Dessert kann zwischen den klassischen „Pirogi“ oder allerhand Torten oder Muffins gewählt werden. Wer an die Kasse kommt staunt – für einen Betrag von 3-5 Euro bekommt man eine vollständige und durchaus gesunde Mahlzeit geboten! Die Restaurants sind sauber und bequem – ein wenig dunkel, aber so mögen es eben viele Russen. Mit nur drei Filialen ist die Restaurant-Kette „Stolowaja Tarelka“ in der Stadt vertreten. Sie wirkt deutlich heller und freundlicher.

Wie in der Stolowaja Nr.1 gibt es Wifi – zusätzlich können Leute mit leerem Akku hier ihr Handy oder Tablet aufladen. Ansonsten haben sich noch viele andere Restaurants dem „Stolowaja“- Trend angeschlossen. Doch leider lässt einen dort der Brattfettgestank oft schon an der Tür kehrtum machen oder das Interieur und die Küche wirken schmuddelig und unfreundlich.

Bild Eugen von Arb

www.st1.one

www.tarelkas.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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